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MOLLN/REGION STEYR. Der Oö. Landesrechnungshof kritisierte zuletzt im Rahmen einer Initiativprüfung die schlechte Finanzlage des Nationalpark Kalkalpen. 92 Mitarbeiter und Ranger des Nationalparks traten deshalb mit einer Petition an die Klubobleute des Oö. Landtags heran.

  1 / 3   Bei der Übergabe der Petition vor der Landtagssitzung im Ursulinenhof (Foto: Nationalpark Kalkalpen)

Das Budget des seit 1997 bestehenden Nationalparks ist in einem Vertrag zwischen Land und Bund geregelt. Die vertraglich festgelegten 3,6 Millionen Euro teilen sich Land und Bund gleichermaßen. Der Oberösterreichische Landesrechnungshof (LRH) kritisierte Mitte Februar im Rahmen einer Initiativprüfung unter anderem die schlechte finanzielle Lage des Nationalparks. 92 Mitarbeiter und Ranger des Nationalparks traten deshalb mit einer Intervention an die Eigentümervertreter der Nationalpark OÖ Kalkalpen GesmbH und einer Petition an die Klubobleute des OÖ Landtags heran.

Betriebsrat Andreas Rußmann: „Kündigungen stehen im Raum“

„Die Nationalpark Geschäftsführung sieht sich für 2021 gezwungen, Besuchereinrichtungen zu schließen, Maßnahmen zum Erhalt wertvoller Almen und Bergwiesen zu reduzieren und die Öffentlichkeitsarbeit massiv einzuschränken. Zudem stehen Kündigungen langjähriger Mitarbeiter im Raum“, berichtet Betriebsrat Andreas Rußmann. Daher fordert das Betriebsratsteam des Nationalparks im Zuge einer Petition zum einen eine valorisierte Finanzierung, „damit der Nationalpark seine Aufgaben und Leistungen erfüllen kann und seine Fläche langfristig gesichert ist.“ Zum anderen ist die „Weiterentwicklung des Schutzgebietes als internationales Leuchtturmprojekt für Naturschutz, Erholung, Tourismus, Bildung, Forschung und der damit verbundenen nachhaltigen Regionalentwicklung“ eine zentrale Forderung.

Bisherige Erfolge nicht abgesichert

„Der Nationalpark besteht seit 1997. Genau solange muss er auch mit der gleichen finanziellen Ausstattung auskommen. Ein schwieriges Unterfangen, wenn man daran denkt, dass jährlich alles teurer wird“, sagt Rußmann. „Durch Gebietserweiterungen wie zum Beispiel am Hengstpass ist das Budget mittlerweile auf 4,6 Mio Euro angewachsen, im selben Ausmaß natürlich auch die Kosten für die Maßnahmen im Schutzgebiet. Dass es mit derartigen finanziellen Voraussetzungen immer wieder zu Budgetengpässen kommt, wurde bis dato in jeder Prüfung und Evaluierung des Nationalpark Kalkalpen festgestellt. Vor etwa zehn Jahren hat das Land Oberösterreich auf diesen Umstand reagiert und unser Budget um 400 Tausend Euro erhöht. Diesen Effekt haben die Teuerungen leider schon lange wieder wettgemacht“, berichtet der Betriebsrat. Seitdem werde seitens des Nationalparks eine Budgeterhöhung gefordert. Zudem bedauere das Betriebsteam den Umstand, „dass die Eigentümer die bisherigen Erfolge der Nationalparkverwaltung nicht durch entsprechende, finanzielle Ausstattung absichern oder honorieren.“

Stolz auf die erreichten Ziele

„Wir haben die Anerkennung als Weltnaturerbe für unsere alten Buchenwälder erreicht und unser Luchsprojekt ist Beispielhaft für unser Engagement im Artenschutz. Das Image in der Region und unsere internationale Reputation ist so gut wie noch nie. Wir wissen, dass wir gute Arbeit leisten und sind stolz auf die erreichten Ziele“, so Rußmann. Die Forderung des Landesrechnungshofs nach größerer Refinanzierung bzw. Eigenfinanzierung des Nationalparks sei angesichts der Aufgaben des Nationalparks, wie Naturschutz, Erholung und Bildung nicht nachvollziehbar. „Dass gerade unser Seminarhotel Villa Sonnwend, das ein wichtiger Botschafter bei der Vermittlung unserer Nationalparkinhalte ist und den größten Eigenfinanzierunganteil des Nationalparkbetriebs erreicht, in Frage gestellt wird, ist für uns unverständlich“, betont Rußmann im Namen des Betriebsratsteams. “Wir führen das auf den Umstand zurück, dass durch die schon viele Jahre zu knappen Finanzmittel ein Prioritätsstreit bei unseren wichtigen Partnern im Naturschutz und Tourismus eskaliert. Wir bitten unsere Eigentümer und politischen Vertreter von Land und Bund daher, über die Grenze zu unseren bayrischen Nachbarn zu schauen. Der Nationalpark Bayrischer Wald hat ungefähr die gleiche Größe, die doppelte Anzahl an Mitarbeitern und etwa das Vierfache an Budget. Geführte Touren sind für Einwohner der Nationalparkregion kostenlos. Ein Vorbild für einen Souverän, der die Naturschutz- und die Wohlfahrtsfunktion eines Nationalparks ernst nimmt. Heuer, zu seinem 50-jährigem Jubiläum, wird der Nationalpark bayrischer Wald erweitert. Eine Maßnahme, die auch für die Tier- und Pflanzenwelt im Nationalpark Kalkalpen wichtig ist und daher schon bei der Nationalparkgründung gesetzlich verankert wurde.“

Umwelt- und Naturressourcen schützen

„Wir hoffen, dass die Landesrechnungshofkontrolle nicht nur dazu beiträgt unseren Betrieb organisatorisch nachzuschärfen, sondern das entstandene mediale Echo dazu beiträgt, unseren politischen Vertretern bewusst zu machen, dass nicht alles der Wirtschaft oder aktuell der anhaltenden Pandemie unterzuordnen ist und unsere Umwelt- und Naturressourcen langfristig, zum Wohle der Menschen geschützt werden müssen“, betont Rußmann.


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