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ROSENAU/SPITAL AM PYHRN. Die aufgeweckten Saanenziegen und Gämsfärbigen Gebirgsziegen von Regina Reiter verbringen den Sommer auf der Puglalm – und genießen dabei Gebüsch und Sträucher, die sonst in mühevoller Arbeit entfernt werden müssten.

Hannes, Lisa und Regina Reiter mit Sigrid Schmier von der Puglalm (v. l.) (Foto: Sophie Kepplinger)
  1 / 18   Hannes, Lisa und Regina Reiter mit Sigrid Schmier von der Puglalm (v. l.) (Foto: Sophie Kepplinger)

Sie genießen die Sonne, den Blick auf das Karlkreuz und die Kampermauer und halten ganz nebenbei die Alm von Gestrüpp und Sträuchern frei: Die Ziegen von Regina Reiter. „Solange Ziegen ihr Futter in der Höhe finden, bleibt ihr Kopf vom Boden fern“, sagt die Ortsbäuerin von Spital am Pyhrn und zeigt dabei auf Bäume und Gebüsch, welche untenrum schon völlig abgeknabbert und von Blättern befreit sind. Und genau darum geht es bei dem Ziegen-Projekt der 39-jährigen Landwirtin und dem Tierarzt Bernhard Seiberl: Die dreißig handaufgezogenen und kastrierten Bockkitze sollen den vermehrten hölzernen Zuwuchs auf der Puglalm in Rosenau Herr werden und einer Verwucherung der Alm entgegenwirken. „Die Ziegen übernehmen damit das Schwenden, also das Entfernen von kleinen Bäumen, Gebüsch und Sträuchern“, erklärt Reiter.

Bewirtschaftung der Alm

Lange Zeit war das Almschwenden ein selbstverständlicher Teil der Arbeit auf der Alm. Beim Schwenden werden die Almweiden von Büschen, aufkommenden Bäumen, Latschenkiefern und Almrosen befreit, um den Rindern, die im Sommer auf die Alm getrieben werden, auf eine satte Wiese entlassen zu können. Mittlerweile nehmen aber immer weniger Landwirte die Strapazen und den enormen Zeitaufwand auf sich, um ihre Rinder den Sommer über auf der Alm zu halten – und damit entfällt auch die dringende Notwendigkeit, die Flächen freizuhalten. „Wird dann nicht in mühevoller Arbeit geschwendet, verwuchern die Flächen. Das Gras wird dann von Gestrüpp und Sträuchern verdrängt“, so die Spitalerin. Durch die Pflege der Almflächen wird allerdings nicht nur Futter für Nutztiere gesichert, auch ist sie ein wichtiger Aspekt in Sachen Artenvielfalt und charakteristisches Landschaftsbild der Region. „Viele kommen gerade wegen der schönen und satten Almwiesen in unsere Gegend. Aber die wenigsten können sich vorstellen, wie das Gebiet ohne Bewirtschaftung und Pflege aussehen würde“, ist die Ortsbäuerin überzeugt.

Strukturwandel in der Landwirtschaft

„Früher gab es hier am Hengstpass zehn Landwirte. Jetzt sind es nur noch eine Handvoll, die ihre Rinder den Sommer über auf der Alm halten“, gibt die 39-Jährige zu denken. Wie also die nicht mehr beweideten Flächen am Hengstpass vor Verwucherung retten? Die Antwort darauf knabbert entspannt an Reiters Jackenärmel. „In Bundesländern wie Salzburg und der Steiermark, zum Beispiel im Gesäuse, wird schon vermehrt mit Ziegen auf der Alm gearbeitet. Da dachten wir uns, das probieren wir auch aus.“ Neben der Familie von Regina Reiter sind auch der Tierarzt Bernhard Seiberl, die Pächter der Puglalm Sigrid und Friedrich Schmier und die Grundbesitzer Romana und Jakob Schmid an diesem Projekt beteiligt.

Handaufgezogene Bockkitze

„Die Ziegen wurden im Februar geboren, mit der Flasche aufgezogen und gemeinsam mit drei bereits auf der Alm lebenden vorhandenen Ziegen auf die Puglalm gebracht“, sagt Reiter. Mittlerweile sind die drei Tauernscheckenziegen auf einer eigenen Koppel unterhalb der Karlhütte untergebracht. Die 30 Saanenziegen und Gämsfärbigen Gebirgsziegen futtern sich oberhalb der Puglalm durch das Gestrüpp. „Sie sind sehr zutraulich, verschmust, clever und manchmal auch etwas frech“, lacht Reiter und verrät: „Es kam nicht erst einmal vor, dass sie uns ausgebüxt sind.“

Zwei Esel vom Gnadenhof

Neben den Ziegen beäugen auch zwei Esel von einem Gnadenhof aus Gunskirchen Wanderer, die Richtung Kampermauer marschieren. „Die Esel dienen einerseits als Herdenschutz, andererseits fressen sie Disteln“, so Reiter.

Landwirtschaftliche Schulen sammeln Praxiserfahrung

Schüler der Höhere landwirtschaftliche Bundeslehranstalt St. Florian und der Landwirtschaftlichen Berufs- u Fachschule (LWBFS) Schlierbach waren bereits zu Besuch auf der Puglalm, um gemeinsam mit Regina Reiter inmitten der Ziegenherde zu schwenden und das Konzept kennenzulernen. Eine Kooperation, die Reiter und Martin Wieser, Lehrer an der LWBFS Schlierbach, fortführen möchten. „Gemeinsam mit der LWBFS Schlierbach werden die Ziegen im Herbst geschlachtet und vermarktet“, sagt Reiter und fügt ernst hinzu: „Das gehört zur Landwirtschaft dazu. Und den Sommer, den unsere Ziegen auf der Puglalm verbringen, könnte schöner für sie nicht sein.“


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