Bergretter des Bezirkes Kirchdorf rückten 2021 zu 119 Einsätzen aus
BEZIRK KIRCHDORF. Die 233 aktiven Bergretter des Bezirkes Kirchdorf wurden im vergangenen Jahr zu 119 Einsätzen gerufen. Besonders einschneidende Erlebnisse waren der tödliche Unfall bei einem Ausbildungskurs und der lebensrettende Einsatz während einer Gebietsstellenübung.

2021 waren Personen im Bezirk Kirchdorf 119 Mal auf die Einsatzkräfte der Bergrettung angewiesen. Im Jahr davor rückten die Bergretter 112 Mal aus. „Grundsätzlich sind in Oberösterreich die Einsatzzahlen im vergangenen Jahr zurückgegangen. Im Bezirk Kirchdorf bleibt die Zahl relativ konstant“, berichtet Martin Trautwein vom Bergrettungsdienst Oberösterreich. Der stellvertretende Landesleiter ist für das Gebiet Pyhrn-Eisenwurzen zuständig, welches von insgesamt 13 Ortsstellen betreut wird. Acht davon befinden sich im Bezirk Kirchdorf.
„Nachwuchsprobleme haben wir keine“
In diesen acht Ortsstellen engagieren sich 233 Ehrenamtliche. Das Interesse an der Ausbildung zum Bergretter ist dabei groß. „Nachwuchsprobleme haben wir keine“, sagt Trautwein. Es gebe viele Interessenten, aber die Herausforderung bestehe darin, Leute zu finden, die auch in der Region arbeiten. „Der Anfahrtsweg zum Einsatzort sollte so kurz wie möglich sein. Wenn einer weiter weg arbeitet, geht am Weg zum Einsatz zu viel Zeit verloren“, betont der Gebietsleiter.
Tödlicher Alpinunfall bei Ausbildungskurs am Großen Priel
Bei den Ausrückungen der acht Bergrettungsortsstellen des Bezirkes Kirchdorf wurden 2021 insgesamt 39 unverletzte und 82 verletzte Sportler versorgt (2020: 48 Unverletzte, 71 Verletzte). In sieben Fällen konnten die Einsatzmannschaften nur mehr tödlich verunglückte Personen bergen (2020: ebenfalls sieben Tote). „Ein besonders trauriger Fall war der tödliche Absturz eines Bergrettungsanwärters bei einem Ausbildungskurs am Großen Priel. Das war ein sehr einschneidendes Erlebnis“, erzählt Trautwein.
Stürzen bleibt weiterhin die häufigste Unfallursache
Die häufigsten Unfallursachen sind nach wie vor das Ausgleiten, Stürzen und Stolpern. Aber auch Abstürze, medizinische Notfälle und verirrte Sportler forderten die Bergretter. Die meisten Unfälle passierten auf Wanderwegen, Skipisten oder im freien Gelände.
Unfälle im Flugsport
17 Mal rückte die Bergrettung Oberösterreich auch zu Unfällen mit Paragleitern aus. „Bei schönem Flugwetter starten viele Paragleiter von der Höss in Hinterstoder. Da kommt es dann hin und wieder mal vor, dass wir einen Piloten von einem Baum holen müssen“, erzählt Trautwein. Die Baumbergung sei dabei zwar speziell, allerdings nicht leichter oder schwieriger als andere Einsätze. „In den meisten Fällen passieren Flugunfälle bei schönem Wetter – das kommt dem Hubschrauber zugute.“
Erfolgreiche Wiederbelebung während Gebietsstellenübung
Im vergangenen Juni organisierte die Bergrettungsortsstelle Spital am Pyhrn die Gebietsübung der umliegenden Ortsstellen Windischgarsten, Vorderstoder und Hinterstoder am Großen Pyhrgas. Noch während ihrer Übung wurden die in vier Gruppen eingeteilten Bergretter alarmiert: Ein Wanderer erlitt am Weg zur Gowilalm einen Herzinfarkt. „Ich war in der letzten Gruppe – und am nächsten zur Unfallstelle. Samt großem San-Rucksack und Defibrillator sind wir zu dem Wanderer geeilt und konnten ihn reanimieren. Da waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, erinnert sich Trautwein zurück. Der Wanderer hat den Herzinfarkt unbeschadet überstanden. „Das war für uns acht Kollegen ein prägendes Ereignis, von dem man sich viel Positives mitnimmt“, so Trautwein lächelnd.
Waldbrandgefahr als aktuelle Herausforderung
Für die kommenden Sommermonate rechnet Trautwein mit gleichbleibenden Einsatzzahlen. „Es werden sicher nicht weniger Alarmierungen, aber wir sind darauf vorbereitet“, so der Gebietsstellenleiter. Allerdings sei die derzeitige Waldbrandgefahr eine Herausforderung: „Momentan befassen wir uns wieder vermehrt mit dem Thema Waldbrand und versuchen, uns da besser aufzustellen“, berichtet Trautwein. Denn die Seile, welche die Bergrettung verwendet, schmelzen bei 140 Grad. „Da brauchen wir dringend welche, die hohe Temperaturen aushalten.“ Gemeinsam mit den Feuerwehren werde derzeit daran gearbeitet.


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