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SCHLIERBACH. Die Corona-Pandemie hat großen Events und Veranstaltungen einen Riegel vorgeschoben - ein Horroszenario für jeden Tontechniker. Gerlad Pühringer machte aus der Not eine Tugend und bietet nun kompetente Unterstützung im Bereich Webpräsenz an.

Tontechniker Gerald Pühringer im Gespräch Fotos: Rudolf Rohrleitner Fotografie
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Tips: In welchem Ausmaß war Ihr Unternehmen von den Lockdowns betroffen und welche Lösung haben Sie für sich entdeckt?

Gerald Pühringer: Der März 2020 wird mir noch länger in Erinnerung bleiben. Die ersten Meldungen in den Medien, der angekündigte Lockdown waren zu Beginn gar nicht zu realisieren. In den Tagen darauf sollte das Telefon nicht stillstehen. Der gut gefüllte Kalender leerte sich jeden Tag mehr. Bis auf ein paar wenige Veranstaltungen im Sommer blieb von einer anfangs vielversprechenden Saison nichts mehr übrig. 

Plötzlich kompletter Verdienstausfall, Existenzängste kamen auf. Wie lange wird uns diese Situation begleiten? Im Internet gab es erste Konzerte zu sehen, die Live gestreamt wurden. Ich stand dieser Sache eigentlich immer skeptisch gegenüber, weil ich der Meinung war, dass dieses „Phänomen“ nur während des Lockdowns bestand hat. Ein Konzert muss man Live erleben - nicht zu Hause vorm Handy.

Unternehmen begannen immer mehr auf Home Office umzustellen, Team Meetings Online durchzuführen, KMU´s & EPU´s versuchten verstärkt in den sozialen Medien mit ihren Kunden in Kontakt zu bleiben. Damals noch mit mäßiger Qualität. Verwackelte Handyaufnahmen, schlechte Tonqualität. Das war für mich dann der Punkt, wo ich mir gedacht haben, das geht doch besser. So entstand die Idee, professionelle LiveStreams, Online Konferenzen anzubieten. Ein erster zaghafter Versuch ging ihm November 2020 in die große weite Welt. Trotzdem waren die Rückmeldungen gigantisch. Von da an wurde die Qualität stetig gesteigert, Kameras, Videomischpulte wurden angeschafft. Notwendige Tontechnik und Beleuchtung war im Lager genügend vorhanden. 

2021 wurden erste Hybrid Events durchgeführt, Online-Konferenzen durchgeführt. Auch am Studio in Schlierbach wurde ständig gearbeitet, um die LiveStreams auch optisch aufzupeppen. Seit November 2020 wurden etwa 45 LiveStreams und Onlinekonferenzen und - durch unsere Erfahrung in der Live Technik - auch einige Hybrid-Veranstaltungen abgewickelt. Mittlerweile sind unsere Streams nicht nur im Internet zu sehen. Durch die Kooperation mit den lokalen Kabelnetzbetreibern ist es uns möglich, ausgewählte Sendungen fast im ganzen Bezirk Kirchdorf von Spital am Pyhrn über Windischgarsten, Molln, Steinbach an der Steyr nach Micheldorf-Kirchdorf bis Schlierbach ins Kabelnetz zu übertragen.

Tips: Wie kamen Sie zur Veranstaltungstechnik? Was begeistert Sie daran so sehr?

Gerald Pühringer: Die Liebe zur Tontechnik wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Mein, leider kürzlich verstorbener Vater, war Musiker und spielte in mehreren Bands. Da war ich von Klein auf mit Musik und der dazu notwenigen Technik in Kontakt. Später spielte ich dann als Schlagzeuger selber in mehreren Bands, bis dann zum Schluss der Fokus komplett auf die technische Umsetzung von Veranstaltungen fiel.

Lautsprechertürme, große Mischpulte, flatternde Hosenbeine, das begeistere mich. Weshalb anfangs mein Schwerpunkt rein auf Tontechnik lag. Erstes eigenes Equipment wurde angeschafft und kleinere Veranstaltungen damit betreut. 

Anfangs wurde das Ganze noch nebenberuflich betrieben, was aber aus zeitlichen Gründen nicht lange gut ging ich 2012 meinen damaligen Beruf als Fachsozialbetreuer an den Nagel hing. 

Bei Veranstaltungen muss man ja am Punkt abliefern, Transport, Aufbau, Soundcheck etc muss ja vor Einlass abgeschlossen sein. Man hat da nur eine Chance und das übt für mich den Reiz an dieser Arbeit aus. Hochkonzentriert während eines Konzertes am Mischpult, oder jetzt bei den LiveStreams im Studio, den Nervenkitzel brauche ich (lacht).

Tips: Was zeichnet einen guten Tontechniker aus?

Gerald Pühringer: Da ist vieles erforderlich. Von technischem Verständnis über gutes Gehör, bis hin zu psychologischen Fähigkeiten (schmunzelt). 

Neben dem technischen Verständnis, dem Wissen wie man einen „guten Mix“ zusammenbastelt und lösungsorientiertem Arbeiten, sollte man mit stressigen Situationen und kurzen Nächten auch gut zurechtkommen. 

Wichtig finde ich persönlich, auch wenn es noch so stressig ist, einem die Zeit im Nacken sitzt, ruhig zu bleiben und den Fokus nicht verlieren. Ich kann mich an eine Situation erinnern, wo mir während eines Livekonzertes das Mischpult kaputt gegangen ist. Nach einem kurzen Schockmoment war dann er Adrenalinspiegel entsprechend hoch, um an der Lösung zu arbeiten. Als sich dann herausstellte, dass das Netzteil des Pultes abgeraucht war, war guter Rat teuer. Mein Glück war, dass ich vor dem Konzert eine andere Veranstaltung abgebaut hatte und somit ein zweites (leider viel zu kleines) Mischpult im Auto war. Zwar musste ich von 24 Kanälen innerhalb kürzester Zeit auf 12 reduzieren, aber nach einem kurzen akustischen Set der Big Band (zum Glück), ging es weiter und wir konnten das Konzert zu Ende bringen.


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