SCHLIERBACH/PETTENBACH. Mit 22 Jahren stand sie zum ersten Mal allein vor einer Klasse – und wurde von manchen Kindern eher für die große Schwester als für die Lehrerin gehalten. Zum Welttag der Elementarbildung spricht Amelie Rosenberger (24), Volksschullehrerin in Pettenbach, über ihren frühen Berufseinstieg und warum für sie Beziehung wichtiger ist als jeder Lehrplan.
Der Welttag der Elementarbildung am Samstag, 24. Jänner, rückt die Bedeutung der frühkindlichen und schulischen Bildung in den Fokus – und damit auch jene Menschen, die tagtäglich mit viel Engagement Kinder begleiten: Lehrerinnen und Lehrer. Gerade sie stehen immer mal wieder im Rampenlicht, denn der Lehrermangel ist bundesweit spürbar. „Bei der vergangenen Ausschreibung im Pflichtschulbereich (APS) wurden landesweit 139 Stellen ausgeschrieben, davon 19 in der Bezirksregion Steyr-Kirchdorf. Insgesamt wurden mit Stand Jänner 2026 in Oberösterreich 1.178 neue Lehrkräfte eingestellt, 784 davon im Pflichtschulbereich. In den vergangenen sieben Jahren waren es mehr als 11.000 Neueinstellungen“, informiert Birgit Kopf, Pressereferentin der Bildungsdirektion Oberösterreich.
Mit 22 vor der eigenen Klasse
Eine von ihnen ist Amelie Rosenberger aus Schlierbach. Sie unterrichtet seit 2023 an der Volksschule Pettenbach und stand bereits mit 22 Jahren erstmals vor einer eigenen Klasse. Im Schuljahr 2024/25 war sie gemeinsam mit einer ebenfalls jungen Lehrerkollegin Klassenvorständin einer Vierten Klasse. Aktuell unterrichtet sie Drittklässler und macht Begleitstunden in zwei Ersten Klassen. Dass sie so früh ins Berufsleben starten konnte, war für Rosenberger vor allem eine besondere Chance: „Ich wurde schon während meines letzten Praxisjahres gefragt, ob ich anfangen möchte. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar.“
Im Tips-Interview spricht die 24-jährige Pädagogin über ihren Weg in den Beruf und und darüber, wie sie sich als junge Lehrerin im Schulalltag behauptet.
Tips: Du bist noch sehr jung und bereits Volksschullehrerin – wie war dein Weg in den Beruf und warum hast du dich dafür entschieden?
Rosenberger: Ich wusste schon in meinen Volksschuljahren als Kind, dass ich eines Tages auch so eine super Volksschul-Lehrerin wie meine werden möchte. Ich liebte diese Zeit, und die Vorstellung, mein Leben lang in die Volksschule gehen zu dürfen, begeisterte mich. Nach meiner Matura fing ich an der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz mein Lehramt Primarstufe an. Das Studium war sehr familiär aufgebaut: kleine Seminargruppen, ein fixer Semesterstundenplan, neue Freundschaften, wählbare Schwerpunkte und Highlights wie die Sommersportwoche oder die Skiwoche sorgten dafür, dass ich mich aufgehoben fühlte und Freude an meinem Studium hatte.
Tips: Wie erlebst du den Einstieg in den Schulalltag als junge Lehrerin?
Rosenberger: Der Schulalltag ist ganz anders als das Studium. Plötzlich geht es nicht mehr um eine einzelne, perfekt geplante Stunde, sondern um viele Unterrichtseinheiten hintereinander. Sehr schnell merkt man, dass im Klassenzimmer selten alles nach Plan läuft und Improvisation zum Alltag gehört. Unterschiedliche Lernvoraussetzungen und große Klassen können den Unterricht schon herausfordernder machen.
Tips: Was hat dich im Studium am wenigsten auf die Realität vorbereitet?
Rosenberger: Rückblickend muss ich ehrlich sagen, dass es im Laufe dieser fünf Jahre einige Lehrveranstaltungen gab, die wenig Bezug zur Praxis hatten.
Tips: Gab es Situationen, in denen dein Alter eine besondere Herausforderung war – etwa im Umgang mit Eltern oder im Kollegium?
Rosenberger: Aufgrund meines jungen Alters wurde ich zu Beginn von manchen Kindern eher als „Buddy“ wahrgenommen oder die große Schwester. Ich habe mit der Zeit gelernt, Spaß und Ernst besser zu trennen und klare Rahmenbedingungen zu schaffen, damit eine respektvolle Kommunikation möglich ist und gutes Lernen stattfinden kann.
Tips: Was empfindest du als größte Herausforderung in deinem Berufsalltag?
Große Klassen in oft zu kleinen Klassenräumen. Wenn 23 Kinder in einem engen Raum unterrichtet werden und einige sehr lebhaft sind, wird es schnell laut und unruhig. Das erschwert konzentriertes Arbeiten.
Tips: Wie wichtig ist für dich die Beziehung zu den Kindern im Vergleich zu Lehrplänen und Leistungsdruck?
Rosenberger: Für mich ist die Beziehung zu den Kindern das Wichtigste. Ich weiß zum Glück aus eigener Erfahrung, wie gut es sich anfühlt, wenn man sich in der Klasse wohlfühlt und von der Lehrerin gesehen und gehört wird. In einer solchen Umgebung, in der man weiß, dass die Lehrperson für einen da ist und einen wertschätzt, lernt man am besten und geht auch gerne in die Schule – und genau so sollte Schule sein.
Tips: Der Lehrermangel ist ein großes Thema – spürst du das konkret an deiner Schule? Wenn ja, wie?
Rosenberger: An meiner Schule spüre ich den Lehrermangel derzeit nicht direkt. Trotzdem weiß ich, dass er unter anderem ein Grund dafür war, dass ich schon vor zwei Jahren direkt dort anfangen durfte. Früher musste man oft hoffen, an der Wunschschule genommen zu werden, oder Stellen annehmen, die sehr weit vom Wohnort entfernt waren und mit langem Pendeln verbunden waren. In meinem Fall hatte ich großes Glück, denn ich wurde an dieser tollen Schule bereits während meines letzten Praxisjahres gefragt, ob ich als Lehrerin beginnen möchte. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar, besonders weil ich schon in so jungen Jahren diese Möglichkeit bekommen habe und „gebraucht“ wurde, was sich echt super anfühlt.
Tips: Hast du das Gefühl, dein Beruf wird gesellschaftlich genug wertgeschätzt?
Rosenberger: Ich denke, es gibt viele Menschen, die unseren Beruf sehr wertschätzen und erkennen, wie viel Mühe, Engagement und Verantwortung hinter der täglichen Arbeit mit Kindern stecken. Gleichzeitig gibt es aber auch viele, die nicht hinter die Fassade des Lehrberufs blicken und ihn hauptsächlich mit Vorurteilen verbinden.
Tips: Was gibt dir Motivation und Freude an deinem Beruf?
Rosenberger: Dass jeder Tag ganz anders ist und es nie langweilig wird. Sobald man in die Schule kommt und freundliche, wertschätzende Kinder um einen sind, die gerne mit und von dir lernen, ist das besonders motivierend und zeigt mir, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe.
Tips: Was würdest du jungen Menschen sagen, die überlegen, Lehrerin oder Lehrer zu werden?
Rosenberger: Wer gerne mit Kindern arbeitet, sollte es einfach ausprobieren. Man merkt schnell, ob der Beruf zu einem passt.
Tips: Was war die bisher schönste Rückmeldung von einem Kind?
Rosenberger: „Danke, Amelie, dass du unsere Lehrerin bist, uns immer hilfst und so nett zu uns bist.“ Wenn man sowas hört, fährt man mit einem Grinsen nach Hause und weiß, dass man etwas richtig macht.
Tips: Gibt es etwas, das ich nicht gefragt habe, das aber wichtig wäre?
Rosenberger: Wie wertvoll die Arbeit mit Kindern gerade in den ersten Bildungsjahren ist. Es geht dabei nicht nur um Wissen und Leistung, sondern darum, den Kindern einen sicheren Ort zu geben, an dem sie wachsen, lernen und sich entfalten dürfen und wollen. Genau das macht diesen Beruf für mich so besonders – und daran soll auch der Welttag der Elementarbildung erinnern.
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