Messerermuseum zieht um – und ist jetzt auch emotional angekommen
STEINBACH/STEYR. Im Archiv Eisenwurzen in der Pfarrhofstraße 1 fand die offizielle Übergabe der Sammlungen des Messerermuseums statt. Auch wenn der Umzug der Exponate bereits Ende Dezember erfolgt war, wurde der Termin nun bewusst genutzt, um die Rettung des kulturellen Erbes gemeinsam mit Beteiligten und Unterstützern zu würdigen.
Zwischen hohen Metallregalen spricht August Pfaffenhuemer ruhig, fast leise, aber mit großer Leidenschaft. Seit Jahrzehnten ist er im Verein Kulturregion Eisenwurzen tätig, jetzt ist er hauptverantwortlich für die digitale Katalogisierung der Sammlungen des Messerermuseums. „Höchste Priorität hatten die Dokumente, alles aus Papier“, sagt er. Rund 500 Stück hat er bereits inventarisiert – das sei aber erst ein Zehntel. „Da sind wir locker noch bis April beschäftigt.“
„Jetzt auch emotional übergeben“
Die eigentliche Übergabe der Sammlungen erfolgte bereits Ende Dezember. Warum man sich trotzdem jetzt offiziell im Archiv trifft? Kustos Heinz Kieweg vom Verein Messerermuseum, bringt es auf den Punkt: „Weil es jetzt erst auch in unseren Köpfen übergeben wurde.“ Bisher sei der Umzug vor allem eine organisatorische Baustelle gewesen. „Jetzt ist es emotional abgeschlossen.“
Gefährdete Schätze
Warum dieser Schritt notwendig war, zeigt Kieweg gleich zu Beginn. Er hält einen vergilbten Ordner und eine fleckige Urkunde in der Hand. „Damit man mal sieht, was 30 Jahre schlechte Lagerung ausmacht.“ Zwei Kunstdrucke seien bereits völlig verloren. Die hohe Feuchtigkeit im alten Lagerraum habe Metall rosten lassen, Papier sei von Pilz befallen gewesen. Nur Geräte und rostfreies Besteck befinden sich noch im Museum – „aber selbst das hält nicht alles aus“, so Kieweg.
Sensibles Kulturgut
Pfaffenhuemer erklärt, wie sensibel solche Bestände sind. „Vier bis fünf Leute reichen, um die Luftfeuchtigkeit in einem Raum wie diesem um bis zu 20 Prozent zu erhöhen.“ Deshalb stehen hier nun spezielle Metallregale – insgesamt rund 5.000 Kilo schwer, extra aus Osttirol angeliefert. Gefüllt sind sie mit Büchern, Heimatlexika, alten Zeitungen, Urkunden, Fotos, Dias und Landkarten. Vieles wurde von Privatpersonen gebracht. „Das Skurrilste waren Gerichtsakten, so alt, dass man sie zuerst zwei Wochen tiefkühlen musste, bevor sie gereinigt werden konnten“, erzählt er.
Persönliche Geschichten
Neben Dokumenten und Bildern wanderten auch besondere Objekte ins Archiv: ein Kochrezeptbuch in Kurrent-Schrift oder ein Besteckkasten mit versilbertem Hauptbesteck und vergoldeten Dessertmessern. „Das hat eine gewisse Frau Angelika vorbeigebracht“, erzählt Kieweg schmunzelnd. Für Pfaffenhuemer ist das Archiv mehr als ein Lagerraum: „Es ist wirklich a gscheide Arbeit, das alles am Laufen zu halten. Aber ich mach’s, weil ich dieses Kulturgut am Leben erhalten möchte.“
Seine Motivation sei ganz persönlich: „Wenn mich nahestehende Menschen fragen: Du, wie war das eigentlich früher? Da merke ich wieder, wie wichtig es ist, im Dialog zu bleiben und Geschichte weiterzutragen.“
Kinder-Wissensolympiade über regionale Geschichte
Pfaffenhuemers Idee fürs nächste Projekt: eine Art „Historical Intelligence Quiz“ für Schulkinder – eine Olympiade der regionalen Geschichte, gemeinsam getragen vom Archiv Eisenwurzen und dem Messerermuseum.“Es gibt ja immerhin Leseolympiaden, Mathe-Rallyes, Sportwettbewerbe... Wieso also nicht auch eine Regionale-Geschichte-Wissensolympiade?“
Bedeutung für die Zukunft
Dass die regionale Geschichte rund um Schmiede, Schleifer und Polierer in der damaligen Messererindustrie den Menschen vor Ort auch heute noch viel bedeutet, zeigt die Unterstützung. Eine Archiv-Bausteinaktion brachte 4.000 Euro ein, das Land Oberösterreich fördert regelmäßig Projekte und Ferialpraktikanten. Und auch an diesem Nachmittag der Übergabe sind nicht nur Vereinsmitglieder dabei, sondern Nachbarn, eine Lehrerin, sowie Landtagsabgeordnete Regina Aspalter.
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