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BEZIRK KIRCHDORF. Eine Beschimpfung, eine Drohung, eine Ohrfeige, ein Faustschlag – Jeder kann jederzeit Opfer von Gewalt werden. Doch was tun? Schweigen und hoffen, dass es nicht mehr passiert? Und was, wenn doch?

Das Gewaltschutzzentrum versucht für das Thema Gewalt zu sensibilisieren. Foto: Wodicka
Das Gewaltschutzzentrum versucht für das Thema Gewalt zu sensibilisieren. Foto: Wodicka

Gewalt tritt auch im Bezirk Kirchdorf auf. Eva Kulcsar und Karin Gschwandtner vom Gewaltschutzzentrum Oberösterreich wissen, dass oft Frauen – viele mit Kindern – in der Partnerschaft Gewalt erleben. Viele ihrer Klientinnen sind im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. „Es gibt jedoch keine typische gewaltbetroffene Frau. Auch ihre Herkunft ist sehr unterschiedlich. Häufig geht die Gewalt von Männern aus, doch auch rund zehn Prozent der Opfer, die wir beraten, sind männlich“, sagt Sozialarbeiterin Eva Kulcsar, die seit dreieinhalb Jahren einmal in der Woche in der Außenstelle in Kirchdorf arbeitet: “Gewalt tritt meistens innerhalb der Partnerschaft und der Familie auf. Bei unbekannten Tätern verweisen wir auf den weißen Ring in Steyr.“

Formen von Gewalt

In den meisten Fällen tritt psychische Gewalt auf. Das beginne schon bei Abwertungen, Beschimpfungen, Drohungen und Unterdrucksetzen, so Kulcsar: „Dazu gehört auch soziale Isolation, wenn soziale Kontakte verboten werden. Häufig ist auch eine finanzielle Abhängigkeit gegeben.“ Körperliche Gewalt reiche von stoßen, zwicken und schlagen bis hin zu lebensgefährlichen Verletzungen mit Waffen.

Unterschiedliche Auslöser

Psychische Erkrankungen oder eine schwierige persönliche Situation können zu Gewalthandlungen führen. Oft sorgen Alkohol und Drogen für eine niedrige Hemmschwelle. „Viele Opfer glauben, dass sie selbst daran Schuld sind und hoffen, dass es nicht wieder passiert und ihre Beziehung noch funktioniert. Doch Gewalt ist meistens ein Kreislauf und die Handlungen wiederholen sich. Betroffene berichten, dass diese immer stärker werden“, erzählt Eva Kulcsar, „oft kommt es dann zu einem Punkt, wo sie merken, dass sich nichts verändert, und Hilfe annehmen.“

Opfer stehen unter Druck und bringen viele Ängste mit. „Es braucht viel Fingerspitzengefühl und Sensibilität“, weiß Eva Kulcsar.

Beratung und Begleitung

Das Gewaltschutzzentrum Oberösterreich bietet vertrauliche Beratung und Unterstützung bei Gewaltsituationen in der Familie bzw. im sozialen Umfeld sowie bei Stalking (beharrliche Verfolgung). Außerdem besteht die Möglichkeit einer psychosozialen und juristischen Prozessbegleitung in Strafverfahren. Alle Angebote des Gewaltschutzzentrums sind kostenlos. „Ich merke, dass der Bezirk Kirchdorf sehr ländlich geprägt ist. Man kennt sich nicht nur in der Nachbarschaft sondern auch eventuell die Polizisten. Daher ist die Hemmschwelle zur Beratung zu gehen noch größer“, erzählt Kulcsar.

Im Jahr 2014 nahmen 65 Klienten im Bezirk Kirchdorf die Angebote an. Die Hälfte davon wird von der Polizei an das Gewaltschutzzentrum vermittelt. Die andere Hälfte kommt von sich aus. „Die Sensibilität für dieses Thema ist stärker geworden. Speziell im Bezirk Kirchdorf nehmen viele nach einem ersten Telefonat die Möglichkeit eines persönlichen Gesprächs wahr. Wir informieren auch gerne Angehörige von Betroffenen“, so Kulcsar.

Sicherheitsplan erstellen

Im Beratungsgespräch wird gemeinsam ein Sicherheitsplan erstellt. Dabei werden Schritte geplant, um mehr Sicherheit für die Opfer zu gewährleisten, beispielsweise im Notfall die Polizei anzurufen. Diese schätzt die Gefahr der Situation ein und kann zum Opferschutz ein Betretungsverbot für die Wohnung von 14 Tagen gegen die gewalttätige Person aussprechen. In dieser Zeit haben die Opfer Zeit zur Ruhe zu kommen und die weiteren Schritte zu planen. „Zu sehen, wie ganz neue Perspektiven entstehen und wie Menschen wieder Stärke und Kraft erlangen, ist sehr schön und bewegend“, erzählt die Sozialarbeiterin.

Gewaltprävention

Wirksam ist die Prävention auf beiden Seiten. Einerseits die Information der Opfer über ihre Möglichkeiten, sodass sie adäquat reagieren können. Andererseit nehmen auch Personen, die Gewalt ausüben, oft Hilfe an.

Praktische Ratschläge der Sozialarbeiterin: Polizeinotruf 133 einspeichern, Nachbarn informieren, sichere Räume in der Wohnung mit verschließbaren Türen schaffen und eine Notfalltasche mit den wichtigsten Dokumenten packen.

Kontakt Gewaltschutzzentrum Kirchdorf

Di. und Do., 9 bis 15.30 Uhr

Pfarrhofgasse 2, 4560 Kirchdorf

Um Terminvereinbarung unter Tel. 0732/607760 wird gebeten

www.gewaltschutzzentrum.at/ooe

Unterstützung bieten auch:

Frauenberatungsstelle BERTA

Kinderschutzzentrum

Beziehungleben


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