Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Psyche

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Susanne Winter, MA Susanne Winter, MA, Tips Redaktion, 02.03.2021 16:05 Uhr

OBERSCHLIERBACH. Von Ausgangsbeschränkungen über Abstandsregeln bis hin zur sozialen Isolation, die Corona-Pandemie macht auch der menschlichen Psyche zu schaffen. Tips sprach mit Psychologin Alexandra Steiner aus Oberschlierbach.

Tips: Wie wirken die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen auf die Psyche?

Alexandra Steiner: Studien belegen eine deutliche Zunahme psychischer Erkrankungen in der Coronakrise. Angststörungen, Depressionen und Suchtmittelmissbrauch aber auch psychosomatische Beschwerden sind gestiegen. Eine Pandemie führt dazu, dass die gesamte Bevölkerung ein signifikant erhöhtes Niveau an Stress erlebt. Je länger so eine Belastungssituation andauert, desto eher sind die psychischen Widerstands- und Regenerationskräfte überfordert und es kann zu psychischen Erkrankungen kommen. Neue Vorschriften und Umgangsformen wie Abstandsregeln, Masken oder eingeschränkte soziale Kontakte wirken verunsichernd. Ängste vor der Ansteckung mit dem Virus, finanzielle Sorgen, Job-Unsicherheit, Arbeitslosigkeit oder soziale Isolation hinterlassen Spuren. Gleichzeitig entfallen im Lockdown bewährte Strategien zur Stressbewältigung und Aktivität, die Ausgleich schafften und Freude machen.

Tips: Welche psychischen Beschwerden werden durch die Corona-Pandemie verstärkt?

Steiner: Vor allem treten Angststörungen, Depressionen und vermehrter Alkoholkonsum auf. Unbewältigte traumatische Erlebnisse können sich aktivieren und zu einer zusätzlichen Belastung werden.

Tips: Welche Symptome treten häufig auf?

Steiner: Schlafstörungen, Gedankenkreisen, Stress, Antriebslosigkeit, Erschöpfung, verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit. Die Seele verursacht oft auch körperliche Beschwerden wie Kreislaufprobleme, Schmerzen, Tinnitus, Magen- und Verdauungsbeschwerden und Kopfschmerzen.

Tips: Wer ist besonders betroffen?

Steiner: Menschen, die sich ohnehin schon belastet fühlen oder bereits an einer psychischen Vorerkrankung leiden. Gerade für diese Personen wirken Alltagsstrukturen, soziale Kontakte und positive Aktivitäten stabilisierend. Ältere und alleinstehende Menschen fühlen sich durch die Isolation noch einsamer. Zu den besonders Betroffenen zählen auch Familien, die Homeschooling und Homeoffice unter einen Hut bringen müssen oder in denen vermehrt Konflikte auftreten. Jugendliche und junge Erwachsene erleben eine höhere Belastung, da in diesem Alter Kontakte zu Gleichaltrigen für die persönliche Entwicklung eine zentrale Rolle spielen.

Tips: Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Steiner: Wenn die Belastungen länger andauern und man das Gefühl hat, von alltäglichen Aufgaben überfordert zu sein, Bewältigungsstrategien nicht mehr greifen und Suizidgedanken auftreten. Betroffene warten meist zu lange bevor sie sich dem (Haus-)Arzt anvertrauen oder psychologische Therapie in Anspruch nehmen. Je früher man Unterstützung bekommt, desto leichter lassen sich Krisensituationen meistern.

Tips: Was tut der psychischen Gesundheit gut?

Steiner: Versuchen Sie, Ihre Gefühle wahr- und anzunehmen, denn sich gestresst, überwältigt, ängstlich, traurig oder wütend zu fühlen sind normale Reaktionen auf belastende Situationen. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie selbst in der Hand haben anstatt auf das, was Sie nicht beeinflussen können. Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken und erinnern Sie sich an positive Erfahrungen, die Sie im Leben gemacht haben, Probleme, die Sie schon überwunden und gelöst haben. Aktivitäten, Bewegungen und Entspannungsübungen helfen, Stress abzubauen und wirken sich positiv auf die Gedanken und Gefühle aus. Pflegen Sie Ihre Kontakte. Beschäftigen Sie sich nicht ständig mit dem Thema Corona und dosieren Sie den Medienkonsum. Führen Sie ein Dankbarkeitstagebuch, in dem sie täglich festhalten, wofür Sie dankbar sind. Dies können kleine Dinge sein wie ein nettes Gespräch oder ein gutes Essen. Nehmen Sie psychologische Unterstützung in Anspruch.

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