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Mobiles Familiencoaching Pyhrn Eisenwurzen: So gelingt das Weihnachtsfest ohne Streit

Susanne Winter, MA, 17.12.2024 19:12

BEZIRKE KIRCHDORF UND STEYR-LAND. Weihnachtszeit ist Familienzeit, doch nicht immer ist es für die Beteiligten auch eine schöne Zeit. Oft ist der besinnliche Advent geprägt von Stress und Konflikten innerhalb einer Familie. Wie Weihnachten möglichst harmonisch wird und welche Hilfe es für Familien in Krisensituationen gibt, verrät Oliver Nieß vom mobilen Familiencoaching der Sozialen Initiative.

  1 / 3   Teamleiter Oliver Nieß mit den Beraterinnen Ursula Koller (l.) und Dawna Brazle (Foto: Leo Lengauer)

Offene Projekte in der Arbeit, das Kind will nicht für die letzten Schularbeiten vor den Ferien lernen, es fehlen noch Geschenke und Zutaten fürs Festessen – wenn dann auch noch ein Familienmitglied krank wird, ist die Adventszeit plötzlich gar nicht mehr so besinnlich, wie erwartet. Die damit verbundene Frustration birgt Konfliktpotential innerhalb einer Familie. „An das Weihnachtsfest sind oft hohe und unterschiedliche Erwartungen geknüpft“, weiß Familiencoach Oliver Nieß und rät: „Man sollte sich über seine eigenen Erwartungen an diesen Tag bewusst sein und diese in einem offenen Gespräch kommunizieren. Zu fragen, was den anderen Familienmitgliedern wichtig ist und zu besprechen, was jeder einzelne zu einem gelungenen Fest beitragen kann, ist hilfreich – und nicht scheuen, sich Unterstützung zu holen.“ Der 45-jährige Windischgarstner ist Teamleiter des mobilen Familiencoachings, ein freiwilliges, vertrauliches und kostenloses Angebot der Kinder- und Jugendhilfe.

Die Beratung erfolgt entweder im Büro in Kirchdorf oder direkt bei den Hilfesuchenden zu Hause. Eine weitere Möglichkeit ist es, in den mobilen Beratungsbus einzusteigen. Die Orte und Zeiten werden auf der Webseite (siehe Infokasten) bekannt gegeben. „Mit dem mobilen Beratungsbus sind wir dort unterwegs, wo sich Kinder und Jugendliche aufhalten. Wir waren beispielsweise beim Jugendtag in Kirchdorf vertreten. Es ist für uns eine gute Möglichkeit, um in der Öffentlichkeit sichtbar zu sein“, sagt Oliver Nieß.

40 Familien in sieben Monaten beraten

Seit Mai 2024 ist er mit den Beraterinnen Ursula Koller und Dawna Brazle in den Bezirken Kirchdorf und Steyr-Land unterwegs. Bisher hat das Team 40 Familien beraten. Das reicht von der Beantwortung einzelner Fragen bis hin zu einer Begleitung über einen längeren Zeitraum. In der Regel sind es zwölf Termine in drei Monaten. „Es braucht Zeit, eine Beziehung, Bindung und Vertrauen zu einer Familie aufzubauen“, erzählt der Teamleiter.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Berater der Sozialen Initiative arbeiten mit allen Familienmitgliedern, die das möchten. Die Freiwilligkeit ist ihnen dabei besonders wichtig. Als außenstehende Vertrauenspersonen stehen sie den Eltern in Erziehungsfragen sowie Kindern und Jugendlichen mit ihren Anliegen zur Seite. Sie beraten und begleiten, wenn es darum geht, Grundbedürfnisse zu sichern, Sicherheit in der Gestaltung des Familienalltages zu erlangen und wenn Konflikte, Ängste, Überforderung oder Schulstress das Familienleben belasten. „Unser Motto ist ,Hilfe zur Selbsthilfe'. Wir gehen den Weg gemeinsam mit der Familie. Das heißt, wir sprechen nicht nur über die Sorgen und Ängste, sondern erinnern auch daran, was gut läuft“, erläutert Oliver Nieß den Prozess: „Anschließend werden die Wünsche und Bedürfnisse der Familienmitglieder besprochen und wie diese zu erreichen sind.“ Dem zweifachen Vater ist es in diesem Zusammenhang auch wichtig, den Kindern und Jugendlichen ein Gehör zu geben und dabei nie gegen deren Willen zu arbeiten. „Schlussendlich sind wir auch eine Art Navigator und vermitteln die Familien – wenn nötig – zu anderen Beratungsstellen und Fachleuten“, so der Teamleiter.

Schulverweigerung und Realitätsverlust durch Social-Media

Mit welchen Themen die Familien zur Beratung kommen, sei ganz unterschiedlich. „Bei Armutsgefährdung und wirtschaftlicher Unsicherheit, genauso wie in Erziehungs- und Entwicklungsfragen, bei Schulproblemen und Mobbing oder bei familiären Veränderungen durch Trennung, Krankheit und Tod. Auch der Umgang mit Medien und das Suchtverhalten sind Themen, bei denen sich Eltern Hilfe suchen“, sagt Oliver Nieß.

Ursula Koller ergänzt: „Zuhören, verstehen und Sicherheit geben, ist schon hilfreich. Oft herrscht eine große Unsicherheit und Angst bei den Eltern, sie könnten etwas falsch machen, beispielsweise wenn es um den Umgang mit Grenzen geht.“ Die Beraterin berichtet von Familien, durchwegs aus der Mittelschicht, bei denen der coronabedingte Lockdown und das Online-Lernen 2020/2021 sehr viel verändert habe. „Die Kinder haben nicht mehr die Notwendigkeit gesehen, wieder in die Schule zu gehen“, erzählt die Beraterin. Ablenkung durch Social Media sei ebenfalls ein großes Thema. „Die Kinder hängen nur mehr am Handy und lassen sich von Influencern beeinflussen. Sie werden immer mehr realitätsfern“, weiß Koller und betont: „Grenzen setzen ist sehr wichtig, und zwar nicht, um jemanden zu unterdrücken, sondern um jemanden zu schützen. Wir helfen den Eltern dabei, selbst wieder die Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig den Kindern Rechte, verbunden mit Pflichten, zu übergeben.“ So kann der Familienalltag wieder möglichst harmonisch gelingen.

Telefonische Sofortberatung und Terminvereinbarung:
Montag, Mittwoch und Freitag von 8.30 bis 13 Uhr
Dienstag und Donnerstag von 13 bis 17.30 Uhr
Termine sind montags bis samstags von 6 bis 22 Uhr möglich.
Kostenlose Hotline: 0800 252201
E-Mail: familiencoaching@soziale-initiative.at
www.soziale-initiative.at/familiencoaching

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