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Volksschulleiterin Christine Kerschbaummayr: „Nicht das Geschlecht entscheidet über Erfolge, sondern der Mensch“

Maya Lauren Matschek, 04.03.2026 16:00

KIRCHDORF. Der Kirchdorfer Volksschuldirektorin Christine Kerschbaummayr wurde kürzlich der Berufsehrentitel „Oberschulrätin“ von Landeshauptmann Thomas Stelzer verliehen. Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März erzählt die Schulleiterin, was sie antreibt, was sie aus schwierigen Zeiten gelernt hat und welche Botschaft sie jungen Mädchen mitgeben möchte.

Christine Kerschbaummayr, Volksschulleiterin in Kirchdorf, spricht zum Weltfrauentag auch über Eigenschaften, die Mädchen auszeichnen und die sie nutzen sollten. (Foto: Fotostudio Foto Digital Fritz)

Tips:Was bedeutet Ihnen Ihre Aufgabe als Direktorin und die Ernennung zur Oberschulrätin persönlich?

Kerschbaummayr: Die Leitung der VS Kirchdorf ist für mich eine Aufgabe mit großer Verantwortung und gleichzeitig eine große Freude. Die Ernennung zur Oberschulrätin empfinde ich als wertschätzende Anerkennung unserer gemeinsamen Arbeit als gesamtes Team. Denn Schule ist niemals die Leistung einer Einzelperson, sondern immer das Ergebnis einer gelebten Gemeinschaft.

Mich motiviert unsere klare Vision: eine Schule zu gestalten, in der sich alle Kinder gesehen und gefördert fühlen. Besonders stolz bin ich auf die Entwicklung zu einer gemeinsamen Schulkultur. Inklusion, Bewegung, Musik und soziales Lernen sind bei uns gelebter Alltag. Wenn ich sehe, mit welcher Selbstverständlichkeit Kinder Verantwortung übernehmen, sich gegenseitig unterstützen und mit Freude lernen, weiß ich: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Tips:Was waren die größten Herausforderungen der vergangenen Jahre, und was haben Sie daraus gelernt?

Kerschbaummayr: Die größte Herausforderung war die Gleichzeitigkeit vieler Veränderungen – Pandemie, Umbau und die Zusammenführung zweier Schulsysteme. Das erforderte Mut, Offenheit und eine klare Richtung. Ich habe gelernt, wie wichtig Vertrauen ins Team, offene Kommunikation und gemeinsame Verantwortung sind. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, wie stark ein Kollegium ist. Unser Teamgeist war dabei das wichtigste Fundament.

Tips:Welche Botschaft möchten Sie Mädchen mitgeben?

Kerschbaummayr: Ich möchte Mädchen ermutigen, an sich zu glauben und ihre Stärken ernst zu nehmen. Selbstvertrauen wächst durch Erfahrungen und durch Menschen, die an einen glauben.

Empathie, Klarheit, Mut zur Entscheidung und Verantwortungsbewusstsein sind Eigenschaften, die Mädchen in sich tragen und weiterentwickeln dürfen.

Mein Wunsch ist, dass Mädchen lernen, sich nicht in Rollenbilder einengen zu lassen, Fehler als Lernchancen zu sehen, ihre Talente mutig einzusetzen und sich selbst etwas zuzutrauen.

Tips:Was ist Ihnen zum Weltfrauentag besonders wichtig?

Kerschbaummayr: Zum Weltfrauentag möchte ich betonen, was für mich schon immer selbstverständlich war: Nicht das Geschlecht entscheidet über Möglichkeiten, Ergebnisse, Erfolge oder Kreativität – sondern der Mensch. Talent, Engagement, Ideenreichtum und Stärke sind keine Frage von „Frau“ oder „Mann“, sondern Ausdruck der Persönlichkeit und des individuellen Könnens.

Diese Überzeugung vertrete ich seit jeher. Umso bedauerlicher ist es, dass Frauen auch heute noch häufig nicht von Anfang an das gleiche Vertrauen entgegengebracht wird. Noch immer müssen viele Frauen härter arbeiten, um zu beweisen, was längst offensichtlich ist – dass ihre Kompetenz, ihre Leistung und ihre Arbeitskraft genauso wertvoll sind. Sie müssen oft mehr leisten, um gesehen, ernst genommen und respektiert zu werden.

Der Weltfrauentag erinnert uns daran, dass Gleichberechtigung nicht nur ein Ziel, sondern eine Haltung ist. Eine Haltung, die anerkennt: Entscheidend ist nicht das Geschlecht, sondern der Mensch mit seinen Fähigkeiten, seiner Leidenschaft und seinem Potenzial. Und eine Haltung, die Frauen ermutigt, ihren eigenen Weg klar vor Augen zu haben, ihn mutig zu gehen und ihn – wenn nötig – selbstbewusst neu zu gestalten.


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