Mollner Autorin über ihr neues Buch "Strahlen", besondere Lesungen und Inspiration
MOLLN. Zwischen Molln und Wien, zwischen Natur und Literatur: Verena Stauffer bleibt ihrer Herkunft verbunden und kehrt mit ihrem aktuellen Roman „Strahlen“ auch immer wieder in die Region zurück – zuletzt für eine Lesung in Steyr. Im Tips-Interview spricht sie über ihr Schreiben, ihre Wurzeln und die besondere Atmosphäre von Lesungen. Tips verlost außerdem 2x1 Buch.

Die aus Molln stammende Autorin Verena Stauffer zählt zu den markanten literarischen Stimmen Österreichs und ist seit ihrer Einladung zum Ingeborg-Bachmann-Preis auch über die Region hinaus bekannt.
Neuer Roman auf Bestenliste
Geboren in Kirchdorf an der Krems und heute in Wien lebend, bleibt sie ihrer Herkunft eng verbunden. Natur, Wahrnehmung und das Spiel zwischen Realität und Imagination prägen ihr Schreiben – so auch in ihrem Roman „Strahlen“,der auf Platz 4 der ORF-Bestenliste landete. Im Tips-Interview spricht sie über ihr Schreiben, ihre Wurzeln und die Atmosphäre bei ihren Lesungen.
Tips:Sie schreiben über das Verschwimmen von Realität und Virtualität – gibt es einen konkreten Ort in Oberösterreich, an dem Sie selbst dieses Gefühl besonders stark erleben?
Stauffer: Es gibt eine geheime Wiese tief im Mollner Tal. Sie liegt auf einer Anhöhe, eine große Lichtung, in deren Mitte eine alte Buche steht. Wenn dort in einigen Wochen die Narzissen blühen, wirkt alles wie eine Schneedecke. Ich werde dann dort stehen und mich fragen, ob das echt ist.
Tips:Wenn man Ihren Roman „Strahlen“ als Gemälde denken würde: Welche Farben kommen aus Ihrer Kindheit in Molln, welche mussten Sie sich erarbeiten?
Stauffer: Das Grün kommt eindeutig aus meiner Kindheit, in vielen Schattierungen. Später wurden Orange und Blau wichtig. Besonders die Hautfarbe musste ich mir erarbeiten, ebenso ein dunkles Kirschrot für den Hintergrund, das ich intensiv recherchiert habe, aber am Ende nicht verwende.
Tips:Sie waren Schülerin in Steyr – gibt es einen Satz aus dieser Zeit, der bis heute nachwirkt?
Stauffer: Mein Lehrer sagte: „Du bist hochgradig kreativ, dir fehlt nur die Geduld.“ Heute weiß ich, dass ich diese Geduld im Schreiben gefunden habe.
Tips: Haben Sie bei „Strahlen“ eher gesucht oder etwas gefunden?
Stauffer: Ich habe etwas gefunden: eine Wolke in Kleeblattform, die sich auflöste, und diesen Kippmoment, in dem sich Virtualität und Realität vermischen wie Farben auf einer Palette. Das war der Auslöser für den Roman.
Tips: Ihre Figuren bewegen sich oft in emotionalen Extremen – gibt es im ländlichen Raum andere Intensitäten als in der Stadt?
Stauffer: Der ländliche Raum ist direkter und roher. Vieles lässt sich weniger verstecken, es wird sichtbarer und dadurch auch härter. Man weiß oft voneinander, was passiert, selbst ohne direkten Kontakt.
Tips:Wie sehr verändert sich ein Roman durch das Vorlesen?
Stauffer: Sehr. Die Sprache bekommt im Sprechen eine eigene Melodie. Ich kann den Rhythmus zeigen, den ich beim Schreiben gespürt habe. Manchmal entsteht eine starke Stille im Raum – dann wird Sprache fast körperlich spürbar.
Tips:Woran erkennen Sie, ob eine Lesung gelungen war?
Stauffer: An der Stille, am Austausch von Energie und an den Gesprächen danach. Im Theater AKKU in Steyr war es besonders schön. Licht und Ton spielen dort eine große Rolle und schaffen gute Bedingungen für meine Arbeit.
Tips:Welche Abhängigkeiten gibt es im Literaturbetrieb?
Stauffer: Es ist ein Netzwerk aus Kritiker:innen, Veranstalter:innen und Buchhandel. Alles hängt zusammen. Auch Förderungen sind entscheidend. Ohne sie hätte ich „Strahlen“ nicht in dieser Form schreiben können. Mein Wunsch ist es, irgendwann davon leben zu können.
Tips:Was kann eine regionale Lesung, was große Bühnen nicht können?
Stauffer: Sie bringt einen näher zu den Leser:innen. Man steht direkt vor den Menschen, für die man schreibt. Das ist sehr unmittelbar und ehrlich. Ich wünsche mir, dass ich solche Lesungen noch viel öfter machen kann.
Tips:Wenn Sie den Abend in Steyr in einem Satz zusammenfassen müssten?
Stauffer: Ein offenes Fragment. Jede Lesung verändert den Text und auch mich selbst. Ich arbeite ständig weiter an Stimme, Klang und Dramaturgie meiner Auftritte.
Gewinnspiel
Tips verlost 2x1 Buch unter www.tips.at/gewinnspiele. Das Gewinnspiel im Bezirk Kirchdorf und Steyr läuft bis Dienstag, 12. Mai 2026.


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