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KREMSMÜNSTER. Eine Vernissage ist für viele Erwachsene ein besonderer Termin – für die Schüler der 4b der Volksschule Kremsmünster-Markt war es sogar die erste ihres Lebens. Mit viel Stolz, leuchtenden Augen und großer Begeisterung präsentierten die Kinder heute, Donnerstag, 25. Juni, ihre eigenen Kunstwerke, die in einem einjährigen Schulprojekt rund um die heimische Künstlerin Tina Kofler entstanden sind.

  1 / 40   Kleine Künstler ganz groß: Die 4b der Volksschule Kremsmünster-Markt zeigte bei der Vernissage „Tinas Talente“ voller Begeisterung, was sie im Projektjahr geschaffen hat. (Foto: Tips/Matschek)

Der Name der Ausstellung: „Tinas Talente“. Passender hätte er kaum gewählt werden können, denn Albertina Kofler, wie die aus Südtirol stammende Künstlerin eigentlich hieß, war weit mehr als nur Zeichnerin. Sie lebte viele Jahre in Kremsmünster und hinterließ hier zahlreiche Spuren. „Sie hatte viele Talente – sie zeichnete nicht nur, sondern gestaltete auch Hüte, schneiderte Masken, fertigte Grafiken an und vieles mehr“, erklärt Klassenlehrerin Michaela Breitwieser, die das Projekt mit der Klasse 4b umsetzte.

ABC-Countdown: „Neuer-Name-Tag“

Die Vernissage war eingebettet in den beliebten ABC-Countdown der Volksschule, mit dem die letzten Wochen vor den Sommerferien gefeiert werden. Am Tag der Ausstellung war der Buchstabe „N“ an der Reihe – kurzerhand wurde daraus der „Neue Namen Tag“. So durfte etwa Direktor Clemens Konrad für einen Moment als „Messias“ auftreten, während ein kleiner Bub scherzhaft zum „Herr Direktor“ ernannt wurde. Für viele Lacher in der Aula war damit schon vor Beginn der Präsentation gesorgt.

Ein Jahr voller Kunst und Geschichte

Das Projekt der 4b lief ein ganzes Schuljahr und wurde vom Bundesministerium für Bildung im Rahmen des Programms „culture connected“ gefördert. „Ziel war es, den Kindern regionale Kultur und Künstler näherzubringen“, erzählt Kulturvermittler und Historiker Siegfried Kristöfl, der das Projekt begleitet hat.

Am Anfang stand die Geschichte hinter der Künstlerin. Die Kinder lernten Albertina Kofler und ihr Leben kennen, bevor sie selbst kreativ wurden. Dazu gehörten auch besondere Erlebnisse wie ein Kunstfrühstück mit Bürgermeisterin Dagmar Fetz-Lugmayr sowie ein Kunstspaziergang durch Kremsmünster. Dabei gingen die Schüler auf den Spuren Koflers durch den Ort und besuchten wichtige Lebensstationen und Wege der Künstlerin.

Kremsmünsterer Geschichte neu gedacht

„Die Wege ziehen sich vom Stift bis zur Volksschule und weiter nach Kirchberg“, erzählt Kristöfl. Dabei wurde auch ein gesellschaftlich spannendes Thema sichtbar: „Frauen waren früher leider oft unterrepräsentiert und wurden aufgrund ihres Geschlechts vielfach vergessen. Obwohl Tina Kofler mit ihren Malereien – besonders mit ihren Postkartenmotiven – für Kremsmünster eine große Bedeutung hatte, gibt es keine Straße, die nach ihr benannt ist.“

Mit einem Augenzwinkern wandte sich Kristöfl an Bürgermeisterin Dagmar Fetz-Lugmayr: „Es gibt in Kremsmünster, Frau Bürgermeisterin, nur drei Straßen mit Frauennamen – zwei davon sind Sackgassen.“ Die gesamte Aula quittierte die Bemerkung mit herzlichem Lachen.

Doch die Kinder haben bereits eigene Ideen: Der Stiftsteich und die Herrengasse, beides beliebte Motive von Kofler, könnten ihrer Meinung nach künftig doch „Koflerteich“ und „Koflergasse“ heißen. Eine kreative Idee, die vielleicht nicht ganz ernst gemeint begann, aber zeigt, wie sehr sich die Kinder mit der Geschichte ihrer Heimatgemeinde auseinandergesetzt haben.

Zum Schulschluss soll dazu sogar noch ein kleines Heft erscheinen.

Besonderer Besuch 

Ein besonderer Moment der Vernissage war der Besuch von Irmi Lichtenauer, einer Verwandten von Tina Kofler. Sie brachte ein Originalbild der Künstlerin mit und präsentierte es den Kindern und Gästen. Darauf sind zwei weitere Verwandte Koflers vor einem Feld zu sehen – im Hintergrund erkennt man den Kirchturm von Kematen an der Krems.

Für die Schüler wurde damit Geschichte plötzlich greifbar: Nicht nur aus Büchern, sondern als echtes Kunstwerk, das eine persönliche Verbindung zur Vergangenheit herstellt.

Kinder als Künstler im Mittelpunkt

Musikalisch eröffnet wurde die Ausstellung mit einem besonderen Beitrag: Lehrerin Anna Pichler begleitete am Klavier, die Schülerin Johanna Bauer und Schüler Domagoj Andic spielten auf der Geige. 

Danach gehörte die Bühne ganz den Kindern. Jedes präsentierte sein eigenes Kunstwerk, stellte sich vor und erklärte, warum genau dieses Motiv gewählt wurde, welche Materialien verwendet wurden und wie die Umsetzung gelungen ist. Auch kleine „Hoppalas“ während des kreativen Prozesses wurden offen erzählt – schließlich gehört auch das zum Künstlersein dazu.

Ein kurzes Video zum Abschluss der Veranstaltung, gestaltet von Lehrerin Irene Huber, fasste den einjährigen Prozess zusammen.

Die Begeisterung war spürbar: Stolz präsentierten die jungen Kunstschaffenden ihre Werke und zeigten, dass Heimatgeschichte, Kreativität und Lernen ganz einfach miteinander verbunden werden können.

Das Projekt machte Kunst nicht nur sichtbar, sondern stärkte auch die Verbindung der Kinder zu ihrer Gemeinde. „Denn wer die Geschichten eines Ortes kennt, fühlt sich auch stärker mit ihm verbunden“, sagt Kristöfl.


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