Tips-Zeitreise KW 7: Im Februar 2008 wurde intensiv über die weitere Nutzung der Kremstalkaserne diskutiert

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Jakob Weiermair, Leserartikel, 15.02.2016 17:35 Uhr

KIRCHDORF. Dass die Kremstalkaserne in Kirchdorf schließen musste, wurde noch unter der schwarz-blauen Regierung im Juni 2005 entschieden. Dennoch klammerten sich zunächst viele Hoffnungen an einen Erhalt des Arbeitgebers und Mehrwertbringers im Kremstal. Doch auch nach der Nationalratswahl 2006 wurde die Entscheidung vonseiten der neuen Bundesregierung nicht zurückgenommen und so war es spätestens ab Herbst 2007 klar, dass das Aus für die Einrichtung kommen würde. Im Februar 2008 beschäftigte man sich daher schon intensiv mit der möglichen Weiternutzung des Areals in der „Kirchdorfer Au“.

1980 wurde der Spatenstich für die Kremstalkaserne gefeiert, 28 Jahre später kam das Aus, das bereits im Jahr 2005 ausgehandelt worden war. Und das obwohl die Kaserne als sehr modern galt. Die Entscheidung für die Schließung der Bundeseinrichtung bedeutete für 80 Soldaten den Wechsel ihres Arbeitsplatzes und für die Stadt Kirchdorf sowie die umliegenden Gemeinden den Verlust einer Institution und eines wichtigen Einnahmenbringers.

Kirchdorfs Vizebürgermeister Ewald Breitwieser (SPÖ) erklärt: „Der Wegfall der Kaserne war für die Stadt sicher ein schmerzhafter Verlust: die Bediensteten waren gut in das Kirchdorfer Leben integriert, durch die vielen Grundwehrdiener hatten bestimmte Betriebe eine Fixabnahme. Die Grundwehrdiener waren insofern auch ein Wirtschaftsfaktor und gehörten fast schon zum Stadtbild.“

Laut Ewald Breitwieser habe die Stadt sehr viel unternommen, um die Kasernenschließung zu verhindern, musste sich aber letztlich dem Entscheid des Bundes fügen. „Ich habe damals nicht verstanden und verstehe es auch heute nicht, dass man gerade die modernste Kaserne in Oberösterreich schließen musste“, so Breitwieser. 

Von der Schule bis zum „Erlebnis-Land“

Vom Schulungszentrum für Einsatzorganisationen über eine HTL oder Höhere Schule bis hin zum „Familien-Erlebnisland“ reichten die Ideen, die vor acht Jahren, im Februar 2008, im Gespräch waren.

Die Junge ÖVP im Bezirk Kirchdorf mit ihrem damaligen Obmann Wolfgang Brandstätter (heute ÖAAB-Landessekretär) schloss sich - wie in einem TIPS-Bericht aus Kalenderwoche 8 informiert wurde – dem Vorschlag an, am Kasernenstandort eine HTL für Kunststofftechnik unterzubringen. Der Vorschlag war nicht neu, bereits Bürgermeister Ferdinand Kaineder (SPÖ) hatte sich dafür ausgesprochen, eine HTL und auch die KTLA (Kremstaler Technische Lehrakademie) am Kasernenstandort unterzubringen.

Die ÖVP im Bezirk mit Obmann Christian Dörfel favorisierte (neben den HTL-Überlegungen der JVP) die Errichtung eines „Familien-Erlebnislandes“ im Kasernenareal. Christian Dörfel wünschte sich, wie in der TIPS-Kirchdorf in Kalenderwoche 6 zu lesen war, einen „überparteilichen Arbeitskreis unter der Führung der Stadt Kirchdorf“, der über die weitere Nutzung verhandeln sollte. Für ihn wäre damals die Nutzung als „Themenpark“ ideal gewesen.

Auch heutige Nutzung war bereits im Gespräch

Im Februar 2008 war die weitere Nutzung des Kasernenareals also noch alles andere als klar. Ende September 2008 sollte die offizielle Schließung der Kremstalkaserne erfolgen. Bis dahin galt es tragfähige Konzepte für die weitere Vorgangsweise zur Hand zu haben. Denn die Verhandlungen mit dem Heeresimmobilienverwalter SIVBEG drohten hart zu werden: Kolportiert wurde damals ein Kaufpreis von 11 Millionen Euro für das rund 11 Hektar große Areal. Dieser Kaufpreis wurde vom heutigen Bürgermeister Wolfgang Veitz (SPÖ) damals als zu hoch eingeschätzt. Er hätte, laut einem Bericht in den Oberösterreichischen Nachrichten vom 11. August 2008, einen Verkaufspreis von sechs Millionen Euro als angemessen betrachtet.

Auch die Errichtung von Wohnbauten und die Förderung eines „neuen Stadtteils“ wurden im Jahr 2008 bereits diskutiert. In einem Bericht in den Oberösterreichischen Nachrichten vom August 2008 heißt es, der Wolfgang Veitz, damals Vizebürgermeister, könne sich für „Wohnbauten erwärmen“. Auf dem Kasernenareal sollte ein „neuer Stadtteil“ entstehen. Im Gespräch war außerdem die Errichtung von Hotels, Gastronomiebetrieben und weiteren Geschäftsflächen.

Im Dezember 2009 wurde vonseiten der Stadtentwicklung eine Umfrage in der Kirchdorfer Bevölkerung zur Nutzung des Kasernenareals durchgeführt. 74 Prozent der Befragten wünschten sich dabei, dass die Stadt in die ehemalige Kremstalkaserne investiert. 73 Prozent wünschten sich einen neuen Stadtteil mit Wohnungen, Büros und Geschäften.

Die Weichen für die heutige Nutzung wurden dann im Gemeinde- und Stadtrat gestellt. Vizebürgermeister Ewald Breitwieser: „Es bestand, und besteht auch heute, ein politischer Konsens darüber, dass wir Kirchdorf in Sachen Wohnbau weiterentwickeln wollen. Daher wurde einstimmig beschlossen, hier die Widmung für ein Wohnbau- und Geschäftsgebiet zu veranlassen.“

Aus dem Kasernenareal wurde der „Sternpark“

Die Entscheidung über den Kauf fiel schlussendlich im Jahr 2012. Eine Käufergemeinschaft um Gerhard Graßegger kaufte das Areal im Herbst 2012 und entwickelte das Konzept für den Kirchdorfer „Sternpark“: der Startschuss für den neuen Stadtteil, wie er seit längerem im Gespräch war.

Laut Peter Graßegger lag der Kaufpreis für das Areal schließlich bei rund drei Millionen Euro, also deutlich unter vormals genannten Summen. Allerdings übernahmen die Investoren seit dem Kauf die Aufschließung des Geländes und investierten etwa in die Umlegung eines Bachbetts und in einen Hochwasserschutz.

41 „Einfamilienhaus-“ Baugrundstücke sowie zwei Eigentumswohnungsprojekte mit 59 Wohnungen wurden bisher realisiert. Von den 41 Grundstücken sind laut Immobilienentwickler Peter Graßegger 15 bereits verkauft, wobei drei Besitzer bereits im Sternpark wohnen. Im Sternpark befindet sich außerdem eine betreute Wohneinrichtung, drei Betriebsstätten sind schon in Betrieb. Ein Baugrund steht noch für ein mehrgeschoßiges Wohnbauprojekt zur Verfügung. Weitere Bauten für Wohnungen, Betriebsstätten und Gastronomie sind laut Graßegger in Planung.

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