Geplante Biomasse-Fernwärmeanlage in Micheldorf sorgt für Diskussionen

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Susanne Winter, MA Susanne Winter, MA, Tips Redaktion, 22.09.2020 19:01 Uhr

MICHELDORF IN OÖ. Der Biomasseverband OÖ plant die Errichtung einer Biomasse-Fernwärmeanlage in Micheldorf. Einige Anrainer haben Bedenken und eine Bürgerinitiative gegründet.

Laut den Plänen des Biomasseverbands OÖ handelt es sich um eine Holzhackgutfeuerung mit einer Brennstoffwäremeleistung von 900 Kilowatt (kW) im Bereich zwischen dem Gasthaus zum Schwarzen Grafen und der B138 in Micheldorf. Dort steht auch das Haus von Andreas Löffler, der dieses im April 2019 gekauft hat. „Wir unterstützen erneuerbare Energien und ein Biomasseheizwerk, das von Bauern aus Micheldorf beliefert wird“, betont Andreas Löffler vorneweg. Doch der Anrainer hat mehrere Einwände gegen das geplante Projekt. Laut Löffler sei die Wirtschaftlichkeit zu hinterfragen: „Die geplante Anlage ist mit 900 kW zu klein dimensioniert, um zusätzlich zu den Großabnehmern noch vielen Haushalten eine Anschlussmöglichkeit zu bieten.“ Eine Vergrößerung sei am geplanten Standort jedoch nur minimal möglich. Weiters sei das idyllische Ortsbild von Micheldorf sowie die Gesundheit der Bürger vor Geruchs-, Lärm- und Feinstoffbelästigung zu schützen. „Die geplante Anlage emittiert mehr als das vierfache einer Anlage mit höherer Kapazität, bei der ein Einbau von besseren Filtern vorgeschrieben wäre“, sagt Löffler und betont: „Die Emissionen betreffen den ganzen Ort.“

„Geforderte Werte sogar unterschritten“

Bürgermeister Horst Hufnagl (SPÖ) stellt klar: „Sachverständige aus allen Bereichen haben bei der Planung ihr Wissen eingebracht. Deren geforderte Werte werden vom Biomasseverband eingehalten und sogar wesentlich unterschritten. Die Angst vor den Emissionen sei, laut den Sachverständigen, unbegründet. Das Ortsbild ist im laufenden Bauverfahren aber Thema.“

Einstimmige Umwidmung

In der Sitzung am 12. September 2019 hat der Gemeinderat einstimmig der Änderung des Flächenwidmungsplanes von „Grünland-Landwirtschaft“ in „Sondergebiet des Baulandes - Heizkraftwerk“ zugestimmt. „Wir haben mehrere Standorte in diesem Nahebereich überprüft und es hat Gespräche mit den Grundeigentümern gegeben. Die zentrale Lage und die Möglichkeit, öffentliche Gebäude anschließen zu können, sprachen für das besagte Grundstück“, so der Bürgermeister, der betont: „Wir wollen unsere öffentlichen Gebäude mit erneuerbarer Energie versorgen. Mit Biomasse können wir das nutzen, was in der Region vorhanden ist, um auch in Zukunft unabhängiger zu sein. Zudem würde die bestehende alte Heizanlage im Gebäude des Gasthauses zum Schwarzen Grafen mit dem Neubau aufgelassen werden. Alle Anrainer im Umkreis von 50 Metern wurden vor der Umwidmung schriftlich informiert.“

Keine Einsicht in konkrete Pläne

Laut Anrainer habe man damals jedoch keine Einsicht in konkrete Pläne erhalten. „Auch bei einer Präsentation im Jänner 2020 durch den Biomasseverband erhielten wir keine konkreten Details – nur die Information, dass wir noch die Möglichkeit hätten, Einspruch zu erheben“, erzählt Liudmila Ilicheva. Anfang August 2020 wurden den Anrainern die Unterlagen für die Bauverhandlung übermittelt. Bei der Verhandlung erhoben die Anrainer Einsprüche. „Diese werden jetzt geprüft und wir warten auf einen Bescheid mit Auflagen“, sagt Bürgermeister Horst Hufnagl.

Bürgerinitiative gegründet

Unterdessen haben die Anrainer eine Bürgerinitiative gegründet, um die Bevölkerung über das geplante Projekt zu informieren und Unterschiften zu sammeln, damit sich der Gemeinderat noch einmal mit dem Thema befasst. Sie fordern einen alternativen Standort, wie das geplante Biomasseheizwerk in Verbindung mit der Fernwärme in Kirchdorf zu bauen.

Standort in Kirchdorf als Alternative

Das hält auch Horst Hufnagl für sinnvoll: „Es laufen Gespräche mit der Fernwärme Kirchdorf, einen Ausbau zu machen samt einer Erweiterung des Fernwärmenetzes nach Micheldorf. Der Standort beim Zementwerk wäre wirtschaftlicher und für die Landwirte einfacher zu betreiben. Man könnte damit eine Versorgung der Kirchdorfer mit Biomasse gewährleisten, in den rund zwei Monaten im Jahr, in denen das Zementwerk die Wärme nicht liefern kann, weil Revisionsarbeiten an den Öfen gemacht werden. Der Biomasseverband müsste dazu mit der Fernwärme einen Vertrag abschließen. Es scheitert bislang an der Preisgestaltung. Die Energie AG kauft die Energie ein und müsste die Heizkosten für Kirchdorf erhöhen. Ein Umweltgesetz, das die Projekte unterstützt, würde die Entscheidung mit Sicherheit positiv begünstigen, doch leider gibt es dieses noch nicht. Mit dem Standort in Micheldorf arbeiten wir einstweilen an einer Alternative.“

 

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