AMS-Geschäftsstellenleiterin Julia Kröll: "Der Lehrlingsmarkt braucht Bewerber"
BEZIRK KIRCHDORF. Mit Jahresanfang waren zehn Frauen und 16 Männer im Bezirk Kirchdorf auf der Suche nach einer Lehrstelle. Dem gegenüber standen 40 offene Lehrstellen, wie die Statistik des Arbeitsmarktservice Kirchdorf zeigt. Tips sprach mit AMS-Geschäftsführerin Julia Kröll über die aktuelle Lage des Lehrlingsmarktes und ihre Prognosen für 2024.

Tips:Wie schätzen Sie die aktuelle Lage des Lehrlingsmarktes im Bezirk Kirchdorf ein?
Julia Kröll: Der Lehrlingsmarkt braucht Bewerber. Wir sprechen trotz konjunktureller Dämpfer von einem Arbeitskräftebedarf, was stark auf die Breite der möglichen Branchen und Jobs hinweist. Interessierte junge Menschen, die auch den nötigen Willen mitbringen, haben derzeit sicher in allen Branchen sehr gute Chancen, als Lehrling aufgenommen zu werden. Dafür sprechen auch die Zahlen von Ende Dezember: 26 Lehrstellensuchende können aus 40 offenen Lehrstellen wählen.
Welche Branchen und Berufe sind besonders gefragt bei den Unternehmen im Bezirk Kirchdorf?
Besonders gefragt sind Lehrlinge in Metall- und Elektroberufen, in Handel- und Verkehrsberufen, im Fremdenverkehr, im Bürobereich werden Lehrlinge ebenso gesucht wie als Holzverarbeiter und in den Bauberufen. Auch in Berufen abseits der Top-10-Liste werden die Facharbeiter der Zukunft gesucht, beispielsweise suchen wir für einen Betrieb auch nach einem Lehrling als Rauchfangkehrer.
Gibt es Engpässe bei der Besetzung von Lehrstellen in bestimmten Bereichen?
Ich bin überzeugt, dass es noch viele Betriebe gibt, die Lehrlinge ausbilden würden, aber – auch aufgrund des demografischen Wandels – mit keinen Lehrlingsbewerbungen rechnen und daher gar keine offene Lehrstelle ausschreiben. Ich wünsche mir, dass alle Betriebe ihre offenen Stellen, also auch die Lehrstellen, dem AMS melden, damit der Arbeitsmarkt so transparent wie möglich dargestellt werden kann und Lehrstellensuchende auch aus allen Angeboten wählen können.
Welche Maßnahmen ergreift das Arbeitsmarktservice, um Jugendliche bei der Lehrstellensuche zu unterstützen?
Im Berufsinformationszentrum unterstützen wir mit Beratungsgesprächen und Interessenstests. Wir bieten auch Berufsinformationskurse an, wo intensiv an und mit Berufsbildern und Erwartungen gearbeitet wird. Meine Empfehlung lautet zum einen, schon frühzeitig, noch in der Schule, schnuppern und zum anderen ein Beratungsgespräch bei uns im Berufsinformationszentrum, um einen Überblick über die Lehrberufe zu bekommen. Für junge Menschen ist das durchaus herausfordernd, gibt es doch mehr als 200 verschiedene Lehrberufe in Österreich.
Welche Unterstützungsangebote gibt es für Unternehmen, die Lehrlinge ausbilden möchten?
Betriebe unterstützen wir bei der Ausschreibung der offenen Stelle, der Bewerberauswahl und eventuellen Fördermöglichkeiten. Dafür ist es wichtig, dass der Kontakt mit dem AMS unbedingt vor Antritt der Lehre aufgenommen wird und wir die Fördermodalitäten bereits vor Lehrantritt besprechen und fixieren.
Welche Prognosen haben Sie für die zukünftige Entwicklung des Lehrlingsmarktes im Bezirk Kirchdorf?
Mein Eindruck in vielen Gesprächen mit Unternehmern und Personalverantwortlichen im Bezirk ist, dass Lehrlinge als sehr wichtige Investition der Betriebe in die Zukunft gesehen werden. Lehrlinge sichern die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen und die Lehrlingsausbildung stellt eine wichtige Säule in unserem Ausbildungssystem dar. In den Gesprächen wird stets die große Bedeutung und Wichtigkeit von Lehrlingen betont, da in der Lehrlingsausbildung auch das betriebsspezifische Know-How gesichert wird. Zudem wird frühzeitig eine Bindung zum Unternehmen aufgebaut und Lehrlinge haben auch beste Karrierechancen. Viele Betriebe nutzen die Lehrlingsausbildung auch als erste Station in der Nachwuchsführungskräfteausbildung, denn auch hier zeigen Lehrlinge oft schon ihr Potential in der Gruppe.


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