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Zwei Schwestern, viele "Quetschn" und fast 350 Jahre Handwerks-Geschichte

Maya Lauren Matschek, 09.02.2026 16:30

MOLLN. Wenn man die Werkstatt der Harmonikamanufaktur Schwarz in Molln betritt, riecht es nach Holz, Leim und Geschichte. Seit exakt 347 Jahren ist die Firma in Familienhand. Seit 1. Dezember 2025 führen die Schwestern Lisa-Maria und Michaela Schwarz den Betrieb in 13. Generation weiter. In der neuen Produktionsstätte vor Ort bilden sie auch einen von österreichweit aktuell nur fünf Lehrlingen zum Harmonikamacher aus.

  1 / 15   Die Familie Schwarz: Karl (jun.), Seniorchefin Berta, Michaela und Lisa-Maria und Maria (Foto: Tips/Matschek)

„Mit da Schwiegertochter muss ma si verstehn – und i bin froh, dass das bei uns der Fall is“, sagt Seniorchefin Berta lachend über Maria Schwarz bei der Auftaktveranstaltung der Jungen Wirtschaft Kirchdorf vergangene Woche. Die Szene bringt den ganzen Raum zum Schmunzeln und zeigt, wie viel Herzlichkeit in diesem Familienbetrieb steckt. Karl und Marias Töchter übernahmen den Familienbetrieb vor gut zwei Monaten. 15 Personen inklusive der Familie sind im Betrieb tätig.

Geballte Frauenpower

Lisa-Maria Schwarz ist nun Geschäftsführerin, ihre Schwester Michaela befindet sich aktuell in Karenz und jongliert den Alltag mit einem dreijährigen Sohn und einer vier Monate alten Tochter. „Ich helfe, wo ich kann“, sagt sie – vor allem im Verkauf und Marketing. Tatkräftig weiter im Betrieb sind natürlich auch Karl und Maria.

Ein seltenes Handwerk

Dass nun zwei junge Frauen einen Betrieb übernehmen, der gesellschaftlich oft mit Männern verbunden ist, ist eine Besonderheit. Noch ungewöhnlicher ist aber das Handwerk selbst: Harmonikamacher. Ein Beruf, den es in ganz Österreich nicht zu oft gibt. Aktuell sind laut Christoph Pfeiffer von der Wirtschaftskammer Österreich gerade einmal fünf Lehrlinge bundesweit in Ausbildung – einer davon arbeitet bei den Schwarz in Molln: Michael Mitterwenger aus Roßleithen.

„Ich war damals selbst die einzige Prüfungsabsolventin in ganz Österreich“, erzählt Lisa-Maria bei einer Führung. „Oft kommt man auch über eine Tischlerlehre zu diesem Beruf.“

Vom Holz zum Instrument

Im neuen, 85 Meter langen Zubau der Manufaktur, die im April 2025 eröffnet wurde, entstehen heute alle Instrumente von Grund auf selbst. Vom getrockneten Holz bis zur fertigen Steirischen Harmonika bleibt alles in einer Hand. Fichte für die Stimmstöcke, Zirbe, Eiche oder Nuss für den Korpus: Die meisten Zulieferer kommen aus der Region.

In jedem Instrument steckt eine enorme handwerkliche Präzision. „Eine Harmonika besteht aus rund 2.000 Einzelteilen“, erklärt Karl Schwarz. Und: „Es braucht 36 Arbeitsschritte, bis sie fertig ist.“

Im neuen Probenraum können Musiker ihr Instrument gleich ausprobieren – oder sogar Unterricht nehmen. Einmal pro Woche kommt ein Musiklehrer ins Haus, um Einzelstunden zu geben. Viele leihen sich ihre Harmonika zu Beginn auch nur aus, denn das Instrument kann schonmal zwischen 3.900 und 16.000 Euro kosten.

Aus Molln in die Welt

Der Ursprung des Unternehmens, gegründet 1679, liegt in der Maultrommel. Davon werden in Molln bis heute rund 60.000 Stück pro Jahr gefertigt – und in 40 Länder weltweit exportiert.

Erst in den 1970er-Jahren weckte die Steirische Harmonika das Interesse von Karl Schwarz Senior. Im Jahr 1995 übernahm Karl Schwarz jun. die Leitung und führte das Unternehmen zur internationalen Spitze im Harmonika- und Instrumentenbau. Die Harmonika-Marke „Kärntnerland“ etablierte sich weltweit. „Die Familie hat einfach gern in Kärnten Urlaub gemacht“, erklärt Lisa-Maria die Namensgebung. Und: „Eigentlich kommt diese Bauart historisch sowieso aus Wien, also zu eng darf man das mit den Ländern nicht sehen“, schmunzelt die neue Geschäftsführerin.

Tradition trifft Technik

Neu ist heute vor allem die Technik. Eine CNC-Maschine „im Herzstück des neuen Zubaus“, erleichtert viele Arbeitsschritte. Zum Beispiel kann damit jetzt der Griffstock als ganzes Stück gefertigt werden und muss nicht mehr aus vier verleimten Einzelteilen zusammengesetzt werden. Außerdem konnte das Gewicht der Instrumente um rund ein Kilo reduziert werden. „Jetzt wiegt eine Harmonika nur mehr knapp sechs Kilo“, sagt Lisa-Maria. „Das ist für Kinder und für Bühnenmusiker ein großer Unterschied.“

Trotz moderner Maschinen bleibt eines gleich: Jedes Instrument ist ein Einzelstück. Manche Kunden lassen sich sogar den Balg mit Dirndlstoff beziehen.

Aus Überzeugung

Wenn man die Schwestern fragt, wie sie die Zukunft sehen, klingt das weniger nach Businessplan und mehr nach Berufung: „Wir wollen einfach, dass dieses Handwerk weiterlebt. Weil es für uns der schönste Beruf ist, den es gibt.“

Die Harmonikamanufaktur bietet auch Führungen (für Einzelpersonen und Gruppen) an. Weitere Infos unter www.kaerntnerland.at

Lisa-Maria Schwarz gibt Tipps zur Fertigung und zum Spielen der Instrumente selbst auf ihrem Instagram-Account: @die_harmonikamacherin


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