BEZIRK KIRCHDORF. Zwischen Almwiesen, Weidetieren und Hütten entsteht im Bezirk Kirchdorf weit mehr als nur ein Ausflugsziel: Die Almen sichern regionale Qualität, prägen die Landschaft und sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Ob Zuchtvieh (Zuchtkalbinnen) oder Fleischproduktion – die Almwirtschaft im Bezirk Kirchdorf liefert zentrale regionale Produkte. „Im Bezirk gibt es eine Reihe von Top-Rinderzüchtern, die ihr Zuchtvieh auf eine Alm treiben“, so Johann Feßl, Obmann des OÖ Vereins für Alm und Weide und Bürgermeister der Gemeinde Edlbach.
Eine große Rolle spiele auch das Rindfleisch: „Es handelt sich dabei um Jungrinder von Mutterkühen, die als Rindfleisch vermarktet werden. Das auf der Alm gewachsene Rindfleisch ist das unter natürlichsten Bedingungen gewachsene.“
Doch die Almen bieten Feßl zufolge noch viel mehr: „Weitere Produkte sind: die Attraktivität als Erholungsraum und der Genuss bäuerlicher Produkte über den Almausschank.“ Damit verbinden Almen Landwirtschaft, Tourismus und Lebensqualität.
Natur als Qualitätsgarant
Besondere Qualität entsteht direkt auf der Alm. „Die Futterpflanzen auf der Alm bekommen keinen flächigen Dünger. Höhenlage, UV-Strahlung und Temperaturschwankungen sorgen für einzigartige Bedingungen. Die Inhaltsstoffe dieser sehr vielfältigen extensiven Pflanzen unterscheiden sich von jenen im Tal“, erklärt Feßl.
Diese natürlichen Voraussetzungen würden sich auch in den Produkten widerspiegeln: „Der Weidegang egal ob auf einer Alm oder einer Talweide ist die naturnahste Form der Viehhaltung. Die besonderen Inhaltsstoffe der Almpflanzen finden sich in den tierischen Almerzeugnissen.“
Starker Motor für die Region
Almen seien zudem zentrale Ziele für Tagesausflüge. „Der regionale Tagesausflug hat meist einen Zielpunkt auf einer Alm“, so Feßl. Besonders gut erreichbare Standorte würden viele Besucher anziehen und die Existenz zahlreicher Betriebe entlang der Wertschöpfungskette sichern.
Zwischen Tradition und Zukunft
Gleichzeitig stehe die Almwirtschaft vor Herausforderungen. Feßl: „Das Wesentlichste der Almwirtschaft ist eine ausreichende Anzahl an Weidevieh. Die Weiterentwicklung der artgerechten Stallsysteme und das Verschwinden der tierhaltenden Betriebe nährt die Befürchtung, dass künftig weniger Almvieh zur Verfügung steht. Weniger auftreibende Betriebe haben auch zur Folge, dass es zu einer Reduktion jener Arbeitskräfte kommt, die für aufwändigere Handarbeit notwendig sind.“
Zudem würden längere Trockenperioden die Wasserversorgung gefährden. Auf diese Herausforderungen werde heute reagiert um die Almwirtschaft weiter zu erhalten.
Entscheidend bleibt laut Feßl die Weitergabe von Wissen: „Tradition ist altes Wissen. Diese Erfahrung wird in der praktischen Arbeit am Hof und in den Almgemeinschaften weitergegeben.“
Zahlen aus dem Bezirk
Im Bezirk Kirchdorf sind fast 200 Almen erfasst, rund 160 davon werden im Sommer bewirtschaftet. Die restlichen 40 Flächen werden nur mehr gemäht oder nicht mehr genutzt.
Mit 1.753 Großvieheinheiten war der Bezirk Kirchdorf 2025 der auftriebsstärkste Bezirk in Oberösterreich (Quelle: AMA). Diese setzten sich zusammen aus 2.284 Rindern, elf Pferden, 247 Schafen und 35 Ziegen.
Die förderfähige Almfläche beträgt 2.184,44 Hektar, die gesamte Bruttokatasterfläche rund 6.000 Hektar.


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