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KOPFING. Individualität, Komfort und Nachhaltigkeit: Das sind die drei Aspekte, die das Unternehmen Think ausmachen. Geschäftsführer Walter Breuer erklärt im Interview das Erfolgsrezept von Think und warum der Standort in Kopfing ein ganz besonderer ist.

Walter Breuer, Geschäftsführer Think Foto: Think
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Tips: Wie ist die Marke Think entstanden?

Walter Breuer: Think ist ein alter Schuhhandwerksbetrieb, der nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr zu einer Schuhfabrik geworden ist. Martin Koller junior hat sich in den 80er Jahren, zur Zeit der entstehenden Umweltbewegung, gefragt: „Warum müssen gesunde Schuhe immer hässlich sein?“ Er hatte die Idee, moderne Schuhe zu fertigen, die Tragekomfort haben und aus nachhaltiger Produktion unter Verwendung von nachhaltigen Materialien gefertigt werden. Das Herzstück von Think sind die individuellen Schuhe. Wir machen keine ausgefallenen Kasperlschuhe, sondern Schuhe, die tatsächlich als Marke, als Thinkschuhe, erkennbar sind.

Tips: Warum produzieren Sie keinen 08/15-Schuh, der den Großteil der Bevölkerung anspricht?

Breuer: Unsere Zielgruppe sind Menschen, die ihren eigenen Stil haben und eben gerade diesen Mainstream-Schuh nicht tragen wollen. Wir orientieren uns an einer längerfristigen Mode und nicht an kurzfristigen Trends.

Tips: Was wird am Standort Kopfing gemacht?

Breuer: Geschäftsführung, Marketing, Vertrieb, alle Zentralfunktionen des Unternehmens sind in Kopfing. Sämtliche Schuhe werden hier entwickelt. Das gesamte technische Know-how ist in Kopfing. Die Produktion findet ausschließlich in Europa statt. Das ist in der Schuhindustrie eher die Ausnahme, hat aber Vorteile: Durch die Produktion in Europa ist man viel schneller. Man hat kürzere Wege. Ein kleiner Teil der Schuhe wird in Italien sowie Ungarn produziert. Unsere Hauptproduktionsstätten sind in Rumänien und Bosnien.

Tips: Was wäre üblich in der Branche?

Breuer: Es wird sehr viel in Asien produziert, weil es kostengünstiger ist. Wir nehmen die Mehrkosten in Kauf, weil uns die Nähe und die Zusammenarbeit mit den Produktionsstätten sehr wichtig ist. Wir haben unsere Techniker in den Betrieben, haben somit die Qualität unter Kontrolle und können, falls etwas schiefläuft, sehr schnell reagieren.

Tips: Welche Unternehmensphilosophie verfolgt Think?

Breuer: Das Wichtigste ist: Wir sind Schuhmacher. Es ist uns wichtig, dass der Schuh dem Kunden gefällt. Außerdem müssen Tragekomfort und Qualität passen. Und der dritte Punkt unserer Unternehmensphilosophie ist die Nachhaltigkeit. Das beginnt beim Produkt mit chromfrei gegerbtem Futterleder in allen Schuhen, chromfrei gegerbtem Leder im Großteil der Obermaterialien, geht weiter beim Schuhkarton, der natürlich und umweltfreundlich ist, bis hin zu den Möbeln, die ein Tischler in Kopfing herstellt.

Tips: Was ist das Erfolgsrezept?

Breuer: Das leitet sich aus den vorhin erwähnten Komponenten ab und aus einer weiteren, die für mich fast die wichtigste ist: Das sind die engagierten und innovativen Mitarbeiter. Wir haben Leute hier beschäftigt, die die Marke leben. Das sieht man vor allem am Engagement und den Ideen, die von den Mitarbeitern kommen.

Tips: Ist der Fachkräftemangel bei Think ebenfalls spürbar?

Breuer: Wir haben einen Bereich, der sehr schwierig ist und das ist der Bereich der Schuhmacher. Es ist sehr schade, dass nur mehr wenige Schuhmacher lernen wollen, obwohl der Beruf ein sehr interessanter ist. Die Schuhmacherlehre ist die Grundlage für technische Berufe und Designberufe im Schuhbereich. Das eröffnet riesige Chancen für technikaffine Menschen einerseits und andererseits auch im kreativen Bereich. Denn Schuhdesigner setzt genauso den Schuhmacher voraus.

Tips: Welche Bedeutung hat der Standort Kopfing?

Breuer: Der Standort Kopfing ist absolut unumstritten. Über eine Absiedlung in Ballungszentren haben wir noch nie nachgedacht. Kopfing hat einfach so viel Charme und passt perfekt zu unserer Marke. Wenn man es ohne Emotionen betrachtet, ist der Standort Kopfing nicht schlecht. Wir sitzen direkt in der Mitte zwischen unserem Hauptmarkt Deutschland und dem Markt mit der größten Marktdurchdringung Österreich.

Tips: Vor Kurzem wurde ein Store in München eröffnet: Ist ein weiterer in Planung?

Breuer: Im März wird der erste Thinkstore in Thun in der Schweiz eröffnet. Österreich ist auch noch nicht ausgereizt. Da fehlt uns noch ein Store in Wien und der wäre auch noch ganz oben auf der Agenda.


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