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Ruhe oder mehr Touristen? An Steins Zukunft scheiden sich die Geister

Claudia Brandt, 18.03.2015 15:00

KREMS. Der Bau einer neuen Schiffstation sorgt für teils heftige Reaktionen in der Steiner Bevölkerung. Zahlreiche Bürger lieferten sich eine wortgewaltige Debatte mit Vertretern der Stadt und der Betreiberfirma. Die ­leidenschaftliche ­Diskussion zeigte, dass sich die Steiner generell um die Zukunft ihres Heimatortes sorgen. Die Angst vor einem Massentourismus plagt die Anrainer dabei ebenso wie die Furcht vor dem Aussterben ihres Stadtteils.

  1 / 8   Stellten sich den Fragen und Ängsten der Bürger (v. l.): Moderator und Stadtbaudirektor Reinhard Weitzer, Hannes Zimmermann (Chef der Kremser Immobiliengesellschaft), Vizebürgermeister Wolfgang Derler (ÖVP), Birgit Brandner-Wallner (Geschäftsführerin der Donau Schiffstationen GmbH), Bürgermeister Reinhard Resch (SPÖ) und Magistratsdirektor Karl Hallbauer Fotos: Brandt
Hohe Wellen hat der Bau einer neuen Schiffstation auf Höhe des Schürerplatzes geschlagen. Zahlreiche Anrainer fühlten sich übergangen und vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Stadt Krems reagierte schließlich auf die Bürgerproteste und setzte kurzfristig eine Informationsveranstaltung im Steiner Rathaus an. Die Schiffstation wird zwar trotz der zahlreichen kritischen Stimmen weiterhin wie geplant gebaut, die Anrainer nutzen jedoch die Gelegenheit, um Antworten auf offene Fragen zu bekommen und ihre Sorgen mitzuteilen.   Sorge um Lebensqualität „Es geht um unsere Lebensqualität“, erklärte Maria Kermer. Gerade in den Kreuzfahrtschiffen sieht sie eine zunehmende Lärmbelästigung und Luftverschmutzung. „Ein Großteil der Schiffe fährt ohne Rußpartikelfilter. Wir atmen das ein“, verdeutlicht die Sprecherin der Anrainer. Große Sorgen bereitet ihr und anderen Steinern aber auch das Brummen der Dieselaggregate, welche die großen Schiffe rund um die Uhr mit Strom versorgen.   Vereinbarung zwischen Stadt und Betreiber   Speziell was die Lärmbelästigung anbelangt, konnten den Anrainern bei der Informationsveranstaltung einige Ängste genommen werden. Bürgermeister Reinhard Resch (SPÖ) berichtete hier von einer schriftlichen Vereinbarung zwischen der Stadt und der Donau Schiffstationen GmbH, die für das Bauprojekt verantwortlich zeichnet.   Kein Motorlärm in der Nacht Die Betreiberin verpflichtet sich darin freiwillig, in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr keine Schiffe mit laufendem Stromaggregat an der neuen Station anlegen zu lassen. Diese diene außerdem nur als Ersatz für die beiden bestehenden Stationen.   „Schiffe als Bereicherung“ Auch Birgit Brandner-Wallner von der Donau Schiffstationen GmbH versuchte die Sorgen der Bürger zu entkräften: „Ich garantiere ihnen, sie werden die Schiffe weder spüren, riechen oder hören“. Die Unternehmerin versicherte, an einer guten Nachbarschaft interessiert zu sein und bot an, in einem Jahr nochmals eine Bürgerversammlung einzuberufen, um Bilanz zu ziehen. Brandner-Wallner gab sich überzeugt: „Sie werden die Schiffe bald als Bereicherung empfinden“.   Mehr Rechte für Anrainer Für großen Unmut unter der Bevölkerung hatte die Tatsache gesorgt, dass die Anrainer im Vorfeld nicht über das Bauprojekt informiert worden waren. „Ich bin angetreten für mehr Bürger­beteiligung. Aber es gibt noch sehr viele Bereiche, in denen keine Informationspflicht herrscht“, so Bürgermeister Reinhard Resch. Im vorliegenden  Fall sei das Problem, dass den Anrainern keine Parteienstellung zusteht. Resch will nun Verkehrsminister Alois Stöger (SPÖ) eine Petition überreichen, die Anrainern im Schifffahrtsgesetz mehr Rechte einräumt.   „Das ist ja nur der Beginn“ Die rund zweistündige Diskussion machte aber auch deutlich, dass es den Anrainern generell um die Zukunft von Stein geht.  „Das ist ja nur der Beginn“, erklärte Erich Milbacher, der in der neuen Station und einem möglichen Massentourismus eine Bedrohung für seinen Heimatort sieht. Schiffe an der neuen Anlegestelle würden das typische Panorama von Stein zerstören.     Mehr touristische Angebote „Die Bürger von Stein haben nichts vom Tourismus außer Schmutz und Umweltbelastung“, meinte auch Maria Kermer. Der Aufenthalt der Kreuzfahrtschiffe in Krems ist Kermer zufolge entweder zu kurz für eine Stein-Besichtigung oder die Gäste unternehmen Busausflüge in die Umgebung. Die Steinerin spricht sich daher für mehr touristische Angebote aus und regt Stein-Führungen oder eine Revitalisierung des Frauenbergs an.   „Großer Aufschwung“ Die Stadt pflege mittlerweile intensive Kontakte zu Schiffsbetreibern, um ihnen einen längeren Krems-Aufenthalt der Kreuzfahrtgäste schmackhaft zu machen, erklärte der für Tourismus zuständige Vizebürgermeister Wolfgang Derler (ÖVP). Nicht zuletzt durch die Bildungs- und Kultureinrichtungen habe Stein in den vergangenen Jahren einen „großen Aufschwung“ erfahren.   Geschäfte sperren zu Eine Ansicht, die Ö3-Moderator Robert Kratky nicht teilen kann: „Seit ich hier wohne, sperrt ein Geschäft nach dem anderen zu“. Die Tankstelle sei mittlerweile der einzige Nahversorger. Der Wahl-Steiner sieht hier „wahnsinnig viel Handlungsbedarf“. Vor allem müsse man sich überlegen, wie man in Krems mehr von den Touristen profitieren kann. Kratky ist überzeugt: „Diese Stadt hat so einen Bedarf, aber auch so eine enorme Chance“.   Chance für Nahversorger Laut Bürgermeister bestehen Chancen, dass sich in Stein erneut ein Nahversorger ansiedelt. Am Schürerplatz werde wieder ein italienisches Lokal eröffnen. Resch betonte, die Sorgen der Bürger sehr ernst zu nehmen und gab zu bedenken: „Zur Lebensqualität gehört auch Leben“.     _____________________Kontakt: TIPS KREMSRedaktion: Mag. Claudia BrandtTel.: 02732/ 74242-1703 bzw. 0676/ 502 67 85, Mail: c.brandt@tips.at  Verkaufsberatung für Print-Ausgabe und Online-Plattform: Michael Walter, Tel.: 0664/ 960 70 46, Mail: m.walter@tips.atHerbert Stolz, Tel. 0664/ 815 75 68, Mail: h.stolz@tips.atChristine Renner, Tel. 0664/ 815 76 93, Mail: c.renner@tips.at

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