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KREMS. Als Flüchtlingskoordinatorin der Stadt Krems kümmert sich Manuela Leoni seit Mitte September ehrenamtlich darum, dass die richtige Hilfe zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommt. Im Gespräch mit Tips zieht die 40-jährige Sozialarbeiterin eine erste Bilanz der Arbeit in den vergangenen Wochen und erzählt, wie es den Flüchtlingen in Krems geht.

Manuela Leoni vom Verein Impulse Krems koordiniert seit Mitte September die Hilfsangebote von Privatleuten und Organisationen im Raum Krems. Foto: Brandt

Ein große Welle der Hilfsbereitschaft ging durch die Wachaumetropole, als vor wenigen Wochen die ersten größeren Flüchtlingsgruppen in die Region kamen. Um die einzelnen Hilfsangebote besser abstimmen zu können, beschloss die Stadt Krems eine Koordinationsstelle einzurichten. Die Wahl fiel auf Manuela Leoni, die als Geschäftsführerin des Vereins Impulse jahrelange Erfahrung in der Integrationsarbeit besitzt. 110 Flüchtlinge leben derzeit in Krems, die meisten davon aus Syrien, Irak und Iran.

190 registrierte Helfer

Überwältigt ist die 40-jährige Sozialarbeiterin von der Hilfsbereitschaft. Leoni zufolge gibt es 190 registrierte Helfer, von denen etwa 65 bereits wöchentlich im Einsatz sind. Die Helfer kommen als allen Teilen der Gesellschaft, Studierende zählen ebenso dazu wie Berufstätige, Hausfrauen oder Pensionisten. Vielen von ihnen sei es „ein Herzenswunsch etwas zurückgeben zu können“.

 Arzt- und Heurigenbesuche

Momentan unterstützen die Helfer die Flüchtlinge im Alltag. In den vergangenen Wochen spielte vor allem die medizinische Versorgung der Neuankömmlinge eine große Rolle. Ebenfalls auf dem Programm steht der kulturelle Austausch, so wurden gemeinsame Heurigenbesuche organisiert. Die Verständigung erfolgt entweder auf Englisch, per Zeichensprache oder mithilfe von Übersetzungsprogrammen aus dem Internet.

 Deutschkurse heiß begehrt

Neben Privatleuten haben Leoni zufolge auch zahlreiche Vereine und Institutionen ihre Hilfe angeboten und stellen eine breite Palette an kostenlosen Freizeitangeboten zur Verfügung. In diesem Zusammenhang betont Leoni, dass es über den Verein Impulse auch entsprechende Angebote für sozial benachteiligte Österreicher gibt. Eine weitere Aufgabe ist die Sprachförderung. „Wir haben mittlerweile vier Deutschkurse. Jeder Flüchtling darf zweimal pro Woche in den Unterricht kommen“. Das Interesse an diesem Angebot sei riesig.

Traumatische Erlebnisse

Vorurteile, wonach viele Flüchtlinge in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen nach Europa kommen, kann Leoni nicht bestätigen. „Ich kenne keine einzige solche Geschichte. Niemand verlässt sein Land aus Jux und Tollerei oder nur weil er glaubt, dass es ihm hier besser geht“. Die Betroffenen hätten allesamt Traumatisches erlebt und seien bereit, sich hier in die Gesellschaft einzugliedern. Eine Flüchtlingsquote von 1,5 Prozent bezeichnet Leoni als „sozial verträglich“. Doch auch sie wurde in den vergangenen Wochen durchaus mit gegenteiligen Meinungen konfrontiert.

 Fingerspitzengefühl nötig

Leonis Erfahrung nach sind die Flüchtlinge prinzipiell über jedes Hilfsangebot dankbar. „Aber nicht jede Hilfe, die gut gemeint ist, kommt auch gut an“. So hätte sich eine Frau geweigert, Kleidung anzunehmen, mit der Begründung, dass sie derzeit nur schwarz trage. Der tragische Hintergrund: Die Frau hat auf der Flucht ihr Kind verloren.

Auch Gutscheine sinnvoll

Neben persönlichen Kontakten können Interessierte die Flüchtlinge mit Geldspenden unterstützen. Von diesen Geldern werden Leoni zufolge beispielsweise Selbstbehalte für Brillen und Prothesen, Sportbekleidung oder Fahrtkosten finanziert. Sehr hilfreich seien zudem Warengutscheine von Geschäften, die Wäsche oder Schulartikel anbieten.

Hilfe über Jahre erforderlich

„Die Gesellschaft hat sich ein Stück zum Positiven verändert“, lautet Leonis Bilanz der vergangenen Wochen. Wünschen würde sie sich, dass die Hilfsbereitschaft der Menschen die nächsten Jahre weiter anhält. Denn die Zahl der Flüchtlinge in der Region werde noch zunehmen. Sobald sie außerdem eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, müssten die Menschen ihre jetzigen Unterkünfte verlassen und in anderweitige Wohnungen übersiedeln. Leoni ist überzeugt: „Die richtige Arbeit beginnt erst noch.“

Wichtige Kontaktdaten für Helfer:

Private Wohnangebote, Kontakt: Flüchtlingsdienst der Diakonie, Tel. 0664 88 302 303, www.diakonie.at/fluechtlingsdienst

Geldspenden: Spendenkonto der Stadt Krems, Verwendungszweck „Flüchtlingshilfe Krems“, PSK-Konto, IBAN: AT72 6000 0000 0757 1257, BIC: OPSKATWW

Koordinationsstelle der Stadt Krems, Verein Impulse, Ringstraße 23, Tel. 0676 840 803 204, office@impulse-krems.at


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