"Todesschuss von Krems" im Kino
KREMS. Im Sommer 2009 beherrschte der „Fall Krems“ bundesweit die Schlagzeilen. Ein Polizist hatte den 14-jährigen Florian P. erschossen, der zusammen mit einem Kumpan nachts in einen Lerchenfelder Supermarkt eingedrungen war. Jetzt steht diese Tragödie im Mittelpunkt des Films „Einer von uns“, der ab 20. November im Kino zu sehen ist.

Bereits im Jahr 2011 begann der deutsche Experimentalfilmer Stephan Richter mit der Arbeit an dem Projekt „Einer von uns“, für das er auch das Drehbuch geschrieben hat. Als Quellen dienten ihm unter anderem Gespräche mit Prozessbeobachtern, Prozessunterlagen aber auch eigene Recherchen vor Ort. „Jedes Mal, wenn ich nach Lerchenfeld gefahren bin, sind Jugendliche beim Supermarkt unter einer Autobahnunterführung herumgesessen und haben Shisha geraucht“, schildert Richter seine Eindrücke.
Lerchenfeld „abgeschottet“
Der Kremser Stadtteil ist aus Sicht des Filmemachers wenig attraktiv für Jugendliche: „In Krems gibt es ein Jugendzentrum, das sehr gut ist, aber in Lerchenfeld, in der Nähe von Krems, wo das passierte, da gibt es nicht viel Angebot. Darüber hinaus ist der Stadtteil nochmals abgeschottet durch einen Fluss und umzingelt von Schnellstraßen.“
„Betonwüsten der Vorstadt“
Der Supermarkt steht im Mittelpunkt des 86-minütigen Films. „Die riesigen Regalwelten, gefüllt mit knalligen aber leeren Versprechungen, bilden im Film die zentrale Erzählperspektive auf eine Geschichte über Identität, Freundschaft, Liebe, Anerkennung und die Langeweile der Vorstadt“, erklärt der Regisseur. Richter zufolge soll der Film „ein Stück österreichischen Zeitgeist widerspiegeln, den man vor allem in den ländlich geprägten Betonwüsten der Vorstadt findet.“
„Bedarf an Aufarbeitung“
„Was ich zeige ist vielleicht polizeikritisch, aber nicht polizeifeindlich. Jeder vernünftige Polizist wird einsehen, dass im Fall Florian P. einiges schief gelaufen ist und hier ein Bedarf an Aufarbeitung besteht“, so der 1980 in Dresden geborene Filmemacher. „Am meisten störte mich damals, dass stets von Kriminellen die Rede war. In diesem Alter ist man aber nicht kriminell.“
Film entstand in Wels
Laut Verleihfirma ist „Einer von uns“ ein „mörderisch ruhiger Film“. Stephan Richter nähere sich dem Fall analytisch an und halte Distanz zu seinen Charakteren. Gedreht wurde jedoch nicht am Originalschauplatz, sondern in einem Supermarkt in Wels.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden