Mutter von Florian P. klagt an
KREMS. Tod durch Polizeikugel: Der Kinofilm „Einer von uns“ greift den „Fall Krems“ auf. Im Interview mit dem ORF erklärt nun die Mutter des 2009 in einem Lerchenfelder Supermarkt erschossenen Jugendlichen ihre Sicht der Dinge und warum sie nach dieser Tragödie die Stadt verlassen musste.

20 Jahre lang hat Ernestine P. in Krems gelebt. „Ich hab mich dort total wohl gefühlt“, erzählt sie Reporter Christian Zechner vom ORF-Magazin „Thema“. Bis zum 5. August 2009, als ein Polizist ihren damals 14-jährigen Sohn Florian nachts in einem Kremser Supermarkt erschoss, in den er zusammen mit einem Kumpan eingedrungen war. „Jetzt spricht keiner mehr mit mir. Die Leute grüßen nicht mal mehr, wenn sie mich sehen. Das tut weh“, erzählt Ernestine P. im Fernseh-Interview, bei dem ihr Gesicht unkenntlich gemacht wurde.
Fünf Monate nach der Tragödie musste sie damals mit ihren beiden anderen Söhnen die Stadt verlassen. Sie habe ihren Job als Kellnerin verloren, weil ihr Arbeitgeber befürchtete, dass die Gäste ihretwegen ausbleiben könnten. Im Magistrat habe man ihr geraten, Krems zu verlassen. Ihre ganze Familie sei verachtet und von der Stadt verwiesen worden, klagt Ernestine P. heute.
„Sicher, mein Kind hat was gemacht, was nicht in Ordnung war“, sagt die Mutter. Schuldgefühle habe sie nicht. „Er war ein liebes Kind“, so Ernestine P. über ihren toten Sohn. Vom Gerichtsprozess hätte sie sich erwartet, dass der Beamte nie mehr als Polizist arbeiten hätte dürfen. Er wurde damals zu acht Monaten bedingt verurteilt. Nach Angaben vom ORF arbeitet der Mann mittlerweile im Innendienst.
Laut Markus Haindl von der Landespolizeidirektion Niederösterreich haben sich der Polizist und seine Kollegin damals im Supermarkt in einer „stressbehafteten Situation“ befunden, seien jedoch nicht überfordert gewesen. „Seriös ausschließen“ könne man Haindl zufolge eine Wiederholung einer solchen Tragödie auch in Zukunft nicht.


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