Traum von der Freiheit: Donaubestattungen immer gefragter
Krems. Seit Jahrhunderten bereits zieht die Donau die Menschen magisch an. Viele Künstler haben sie in ihren Liedern besungen und unzählige Touristen wählen die Donauregion als Urlaubsziel. Bei manchen Menschen geht die Verbindung zu diesem besonderen Fluss so weit, dass sie hier ihre letzte Ruhe finden möchten. Seit vier Jahren bietet die Bestattung Krems Beisetzungen in der Donau an und hat damit einen Zeitgeist getroffen.

In einer globalisierten Welt wird bei vielen Menschen der Wunsch nach Individualität immer größer. Ein Trend, der auch vor der eigenen Beisetzung nicht halt macht. Die Zeiten, in denen sich die Angehörigen eines Verstorbenen maximal zwischen einer Erd- und einer Feuerbestattung entscheiden konnten und auch der Ablauf einer Trauerfeier fixen Regeln und Traditionen folgte, sind vorbei. Immer mehr Menschen wünschen sich nicht nur eine persönlich und individuell gestaltete Trauerfeier, sondern auch eine letzte Ruhestätte fernab des klassischen Friedhofs.
„Naturbestattungen sind immer mehr im Kommen“, weiß Ingrid Walzer, Leiterin der Bestattung Krems. So könne die Urne eines Verstorbenen bei einem Baum oder auf einer Wiese begraben werden. Eine besondere Form der Naturbestattung ist die Beisetzung in der Donau, welche die Bestattung Krems seit dem Jahr 2012 durchführt. Das Interesse an diesem speziellen Angebot steigt: Waren es im ersten Jahr noch drei Flussbestattungen, entschieden sich 2015 bereits 14 Personen oder deren Angehörige für diese Form der Beisetzung.
Individuelle Trauerfeier
In der Regel finden die Donaubestattungen auf dem Ausflugsschiff „Mariandl“ statt, welches die Bestattung Krems für die Trauergemeinde anmietet. Während der rund 40-minütigen Fahrt von Stein ins Herz der Wachau findet die Trauerfeier statt. Diese kann Walzer zufolge individuell gestaltet werden: Manche Familie wünschen sich eine klassische Zeremonie mit einem Geistlichen, andere entscheiden sich für einen Trauerredner. Einige Familien verzichten jedoch bewusst auf ein „offizielles Programm“. Sie verbringen die Schifffahrt lieber mit einem gemeinsamen Essen und erinnern sich in persönlichen Gesprächen an den Verstorbenen, hören dessen Lieblingslieder, tragen Gedichte vor oder sehen sich Fotos an.
Ziel der Reise ist Rossatz, denn der Wachauort hat eine Bewilligung, dass in seinem Gemeindegebiet Donaubestattungen durchgeführt werden dürfen. Konkret wird dabei ein Flussbereich in der Nähe der Fähranlegestelle gewählt, von dem sich ein traumhafter Blick auf Dürnstein bietet. Vom fahrenden Schiff aus wird dann die Bestattung eingeleitet. Dazu begibt sich Ingrid Walzer mit dem engsten Familienkreis zum Eingang des Schiffes, während die Trauergäste die Zeremonie vom Oberdeck aus verfolgen.
Urne hängt an einer Leine
Die Asche des Verstorbenen wird jedoch nicht per Hand über dem Wasser verstreut, wie man dies manchmal in amerikanischen Filmen sehen kann – obwohl es theoretisch möglich wäre, wie die Bestatterin auf Nachfrage hin erklärt. Vielmehr wird eine spezielle Urne aus Zellstoff verwendet, die sich nach wenigen Stunden im Wasser von selbst auflöst. Mithilfe einer Schnur wird die Urne dann bei Rossatz vom Schiff aus zu Wasser gelassen. Walzer zufolge wird im Vorfeld besprochen, wer die Leine letztendlich loslässt – sie selbst oder einer der Angehörigen.
Die Urne selbst hat auf der Unterseite vier Löcher und füllt sich langsam mit Wasser. Einige Minuten ist sie noch an der Wasseroberfläche zu sehen, bevor sie untergeht. Eine Zeit, welche die Trauergäste oft nutzen, um Blumen ins Wasser zu werfen. Die Urne landet jedoch nicht am Grund des Flusses, sondern wird mit der Strömung mitgetrieben. Durch die Löcher kann die Asche austreten und die Urne löst sich immer weiter auf. Die Asche bewegt sich schließlich Richtung Schwarzes Meer.
Motive der Verstorbenen
„Vielen Menschen geht es um die Freiheit. Sie wollen nach ihrem Tod nicht eingeschlossen sein“, nennt Walzer eines der Motive, warum sich immer mehr Personen für eine Flussbestattung entscheiden. Viele haben einen ganz besonderen Bezug zur Donau und zur Wachau. Immer wieder kommen sogar deutsche Familien extra angereist, um hier eine Flussbestattung durchführen zu lassen. Doch manchmal geben auch rein praktische Gründe den Ausschlag für eine Beisetzung im Wasser, erzählt Walzer. Einige Menschen haben schlicht keine Angehörigen, die sich um die Grabpflege kümmern könnten.
Alternative zum Grab
Manchen Angehörigen wiederum bereitet der Gedanke Kummer, keinen Ort zu haben, wo sie um den Verstorbenen trauern können. Für diese Menschen bietet die Bestattung Krems das Angebot, den Namen des Verstorbenen und seine Lebensdaten auf dem „Donaudenkmal“ am Kremser Friedhof zu verewigen. Hier können übrigens auch die Namen von Menschen angebracht werden, die ihren Leichnam für medizinische Zwecke zur Verfügung gestellt haben.


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