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KREMS. Seit 85 Jahren ist das Textilhaus Krumbholz eine fixe Größe in der Kremser Fußgängerzone. Mit Nischenprodukten hat es das Unternehmen geschafft, sich trotz massiver gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen am Markt zu behaupten. Firmenchef Adolf Krumbholz, der den Familienbetrieb seit 1997 in dritter Generation führt, macht sich in Kaufmannschaft und Stadtpolitik für die Rettung der Innenstadt stark.

  1 / 5   Wer genau hinsieht bemerkt, dass das Geschäft aus zwei Häusern besteht. Aktuell verfügt die Firma über 300 Quadratmeter Verkaufsfläche auf zwei Ebenen.

Die Geschichte der Firma Krumbholz führt vor Augen, wie sehr sich das häusliche Leben der Menschen in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Als Adolf Krumbholz – der gleichnamige Großvater des heutigen Geschäftsinhabers – das Textilhaus 1930 gründete, waren die Rahmenbedingungen noch ganz andere. Auf damals nur 30 Quadratmetern bot der Großvater Stoffe, Nähzubehör und Wäsche an. „In den 1930er Jahren hat man noch alles selbst genäht“, erklärt sein Enkel heute.

Blüte in den 1970er Jahren

Über mehrere Jahrzehnte war der Familienbetrieb mit diesem Sortiment erfolgreich und wuchs immer weiter. So pachtete der Großvater 1961 auch das nebenstehende Haus, um noch mehr Verkaufsfläche zur Verfügung zu haben. Seine größte Ausdehnung hatte der Betrieb schließlich in den 1970er Jahren, als man auf vier Ebenen tätig war, zehn Mitarbeiter und drei Lehrlinge beschäftigte. Darunter auch eine Weißnäherin, die aus den angebotenen Stoffen Tisch- und Bettwäsche für die Kunden fertigte.

Als einzige übriggeblieben

Doch die klassische Handarbeit wurde schließlich immer mehr von Fertigware verdrängt. „Früher hat es in Krems zahlreiche Läden mit ähnlichem Sortiment wie bei uns gegeben“, erzählt Adolf Krumbholz, der im Alter von 20 Jahren in den Familienbetrieb kam und ihn seit 1997 führt. Doch diese überlebten den Wandel nicht. „Wir sind der kleine Dinosaurier, denn wir sind als einzige übriggeblieben“, sagt Krumbholz. Dennoch musste auch seine Firma der Entwicklung Rechnung tragen und ihr Sortiment verändern. So verabschiedete man sich beispielsweise von der Meterware und setzte dagegen verstärkt auf Arbeitsbekleidung. Und auch die von ihm in den 1980er Jahren gegründete Bettfedernreinigung wurde mittlerweile wieder stillgelegt.

„Gut, dass es Euch noch gibt“

Nichtsdestotrotz gibt es im Textilhaus Krumbholz bis heute noch einige Produkte, die ansonsten nur mehr schwer zu bekommen sind. Stofftaschentücher beispielsweise. „Die Leute kommen deswegen von weit her zu uns“, erzählt Krumbholz. „Ein „Gut, dass es Euch noch gibt“ höre ich öfters“, so der 51-jährige Unternehmer. Gefragt ist auch das Bekleidungsangebot. „Wir haben nicht den modischen Schnickschnack, sondern gute klassische Ware für Herrn und Frau Österreicher“, beschreibt Krumbholz sein Sortiment.

Feuerwehr als Großkunde

Neben dem klassischen Handel hat sich der Firmenchef vor einigen Jahren ein zweites Standbein aufgebaut. Er kaufte drei computergestützte Stickmaschinen, mit deren Hilfe er seine Textilwaren verzieren kann. Monogramme auf Hemden, Taschentüchern oder Servietten zählen ebenso zum Angebot wie Marillen-Symbole auf Kleidungsstücken oder ein „Steiner Tor“-Motiv auf Geschirrtüchern. Krumbholz größter Kunde ist jedoch die Feuerwehr, die ihre Kappen, Schlaufen und Polo-Shirts bei ihm besticken oder ihre Ärmelwappen von ihm anfertigen lässt.

Weniger Einzelbetriebe

Seit etwa 30 Jahren engagiert sich der Unternehmer, der aktuell fünf Mitarbeiterinnen beschäftigt, in der Kremser Kaufmannschaft. Während dieser Zeit hat sich die Situation in der Innenstadt deutlich verändert. Früher gab es viel mehr Einzelbetriebe, erinnert sich der Handelsschulabsolvent. Diese wurden durch Filialketten abgelöst. Eine Tatsache, die es der Kaufmannschaft erschwere, gemeinsame Aktionen zu starten, da viele Entscheidungsträger nicht vor Ort seien. Krumbholz vermisst den Zusammenhalt unter den Händlern: „Jeder kocht sein eigenes Supperl“.

Ruf nach mehr Parkplätzen

„Es wird immer schwieriger zu bestehen“, sagt der Einzelhändler mit Blick auf die wachsende Konkurrenz im Internet und in den Einkaufszentren am Stadtrand. Ein Hauptgrund für das Geschäftesterben in der Innenstadt ist für ihn die Parkplatzsituation: „Ohne Parkplatz in der Nähe wird der Kunde größere Dinge künftig nicht mehr kaufen“. Er fordert daher mehr Stellflächen in der Nähe der Wiener Brücke, um so die Untere Landstraße zu beleben. Um Verbesserungen für die Geschäftsleute erreichen zu können, engagiert sich Krumbholz auch in der Politik. Seit 2012 sitzt er für die Bürgerliste UBK im Gemeinderat und macht sich hier vor allem für Innenstadt-Themen stark.

100. Jubiläum als Ziel

Die Zukunft für seinen eigenen Betrieb sieht der dreifache Familienvater mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“. Ein Nachfolger steht bislang zumindest noch nicht fest. Wünschen würde sich der 51-jährige Unternehmer, dass sich seine Firma zumindest noch weitere 15 Jahre am Markt behaupten kann: „Das 100. Jubiläum würde ich noch gerne mit meinen Mitarbeitern feiern. Dann weiß ich nicht, wie es weitergeht“.


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