„Es wäre schade um das Ganze“: Ernst Kalt kämpft um Schillerstraße

Claudia  Brandt Tips Redaktion Claudia Brandt, 22.09.2020 12:50 Uhr

KREMS. Lokalhistoriker Ernst Kalt widmete seinen jüngsten VHS-Vortrag der Kremser Schillerstraße. Dabei führte er seine Zuhörer durch die rund 170-jährige Geschichte der ehemaligen „Alleestraße“ und protestierte einmal mehr gegen den Abriss von zwei Häusern.

„Kurz vor Weihnachten habe ich erfahren, dass die Schillerstraße in Gefahr ist. Da ist mein Widerstandswille erwacht“, erklärte Ernst Kalt gleich zu Beginn seines Vortrags. Hintergrund dieser Aussage ist der Plan einer Immobilienfirma, direkt hinter dem Landesgericht eine große Wohnanlage mit rund 72 Wohnungen zu errichten. Zwei Häuser müssten dafür weichen. Für Ernst Kalt ein Unding. Und Grund genug für ihn, die Schillerstraße in den Mittelpunkt seines Vortrags zu rücken.

Persönliche Verbundenheit

Die Corona-Krise hatte den ursprünglichen Vortrags-Termin Anfang April unmöglich gemacht. Doch auch jetzt, mehrere Monate später, hat das Thema Schillerstraße nicht an Aktualität verloren. Zahlreiche Zuhörer, darunter etliche Bewohner der Schillerstraße, strömten in das BRG Ringstraße, um – freilich mit gebührendem Abstand – den Ausführungen von Ernst Kalt zu lauschen. Diesem geht das Thema auch persönlich nahe, ist er doch selbst im Haus Nr. 16 geboren und aufgewachsen.

Namensänderung 1905

Der Lokalhistoriker führte seine Zuhörer durch die wechselvolle und spannende Geschichte dieser so wichtigen Straße für Krems. Bis 1905 hieß sie übrigens noch Alleestraße, was auf ihre stolze Breite von 23 Metern mit großzügigen Gehsteigen, Reitweg und zwei Baumreihen zurückzuführen ist. Erst anlässlich des 100. Todestags von Dichter Friedrich Schiller erhielt die Straße ihren heutigen Namen.

Kloster als Ursprung

Ihren Ursprung hat die Straße Ernst Kalt zufolge im Kloster Und. Dieses wurde 1617 gegründet, ab 1797 weltlich und diente zwischendurch als Truppenspital und als Weinkolleg. Heute seien nur mehr Teile des ursprünglichen Klosters erhalten. Lange Zeit habe es in der Schillerstraße auch eine Bürgerliche Schießstätte gegeben, erzählt Kalt.

Mehrere Nahversorger

In früheren Jahrzehnten war die Schillerstraße auch ein Ort der Nahversorgung. So gab es dort nach den Worten von Kalt einmal mehrere Greißler, eine Bank und einen Friseur. Auch das „Union Kino Stein“ sei ein beliebter Treffpunkt gewesen. Im Jahr 1960 sei die Bahnbrücke am westlichen Ende der Straße errichtet worden.

„Tadellos in Schuss“

Ernst Kalt zufolge wurden die ersten Häuser in der Schillerstraße um 1860 gebaut und zwar immer in Zweiergruppen. Für den Referenten sind die Gebäude ein „Musterbeispiel für den Historismus“. Auffällig seien die großzügigen Gärten auf der Rückseite. „Alle Häuser sind tadellos in Schuss, obwohl sie teilweise schon 160 Jahre alt sind“, betont Kalt.

Drei Häuser bedroht

Zwei dieser Häuser sind nun vom Abriss bedroht – und zwar die Nummern 2 und 4, die seit 2002 leer stehen. Auch das Haus Nr. 6 laufe Gefahr in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Ernst Kalt bedauert vor allem, dass mit dem Neubau ein Häuserensemble zerstört werden würde. Leid tue es ihm auch um die idyllische Gartenanlage samt Pavillon. „Es wäre schade um das Ganze“, so der Lokalhistoriker.

Geschmacksfrage

„Wir leben in einem Rechtsstaat. Geschmacksfragen sind keine Rechtsfragen. Wenn das Projekt genehmigt wird, dann darf es gebaut werden“, entgegnet Stadtrat Helmut Mayer (SPÖ). „Auch das Neue kann uns gefallen“, gab der scheidende Kremser VHS-Leiter Leo Faltus zu bedenken.

 

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