Leserbrief: Regionaler "kleiner" Handwerksbetrieb in Zeiten von Covid-19
KREMSMÜNSTER. Tischlermeister Andreas Lechner aus Kremsmünster verfasste einen Leserbrief über die wirtschaftliche Situation in Zeiten von Covid-19.

Meinungen in Leserbriefen müssen sich nicht mit denen der Redaktion decken. Wir behalten uns vor, Briefe aus Platzgründen zu kürzen.
Eine junge Familie – beide selbstständig und zwei Kids – die zwei unterschiedliche Unternehmen aufgebaut hat und erfolgreich führt, treffen die gesetzten Maßnahmen durch Covid-19 umso härter. Von einem Tag auf den anderen ist der Umsatz auf Null eingebrochen. Es war sicherlich die richtige Entscheidung, kurzfristig den Lockdown zu setzen. Jedoch die Zeitspanne und all das was danach kam und kommt ist leider fernab jeder Realität. Die von der Politik groß versprochenen Hilfeleistungen und geschnürten Hilfspakete greifen nicht dort, wo sie angedacht sind.
Ich als Tischler habe von den Maßnahmen bis dato noch keinen Cent ausbezahlt bekommen. Wir hatten im letzten Jahr unser Unternehmen drei Monate auf Grund einer Weiterbildung geschlossen, somit hatten wir in diesem Zeitraum keinen Umsatz, wodurch wir durch alle Regelungen fallen.
Meine Gattin Susanne, die für ihr Unternehmen (Kosmetik & Fußpflege) die Kurzarbeit beantragte, hatte das Formular achtmal retour bekommen und erhielt die Zusage erst am 8. Mai. Sie hatte ihre vier Mitarbeiter sieben Wochen weiter angemeldet.
Zudem stellt sich die Frage, wie man als Handwerksbetrieb oder Dienstleistungsunternehmen auf Homeoffice umstellen soll? Müsste man sich die Hobelmaschine ins Wohnzimmer stellen?
Die angepriesene Hilfe der Fixkostenunterstützung, ist kompliziert und unverständlich. Es muss ein achtseitiges Formular ausgefüllt werden, das vom Steuerberater weiterverarbeitet wird. Das verursacht mehr Aufwand und Kosten, als man als Unterstützung ausbezahlt bekommt.
Der gesamten Situation kann man auch etwas Positives abgewinnen. Die Unternehmen waren in ihren Möglichkeiten sehr kreativ und haben gute Ideen entwickelt. Wir fertigten freistehende Desinfektionsspender aus Altholz, um eine Teilauslastung in der Werkstatt zu erzielen. Allgemein hat es bei den Leuten zu einem Umdenken geführt und es wird wieder vermehrt auf Regionalität gesetzt.Zum Abschluss möchten wir noch sagen, dass wir stark positiv der Zukunft entgegensehen und wir das Feld rocken werden.
von Andreas Lechner
Tischlermeister aus Kremsmünster


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden