Umfahrung Lambach freigegeben: jetzt hofft man auf Verkehrsentlastung
LAMBACH. Staus, Schwerverkehr, Unfälle und Lärmbelastung - die Bürger und Gewerbetreibenden im Ortszentrum haben schon über Jahrzehnte damit schwer zu kämpfen. Das soll sich nun deutlich verbessern, denn es ist die Nord-Umfahrung Lambach für den öffentlichen Verkehr freigegeben.

Nach mehreren Jahrzehnten an Diskussionen und über viereinhalb Jahren Bauzeit wurde die gut fünf Kilometer lange Umfahrung Nord mit einer verhältnismäßig kleinen Feier für den öffentlichen Verkehr freigegeben. In der Geschichte des Landesstraßenbaues ist es das bisher teuerste Projekt. 107 Millionen Euro wurden dafür veranschlagt, mit 90 Millionen Euro ist man ausgekommen. Die besondere Herausforderung war die Errichtung des 912 Meter langen Tunnels. Der sogenannte Christine-Tunnel musste zum großen Teil im Schlier errichtet werden und Grundwasser abgesenkt werden.
Der dicht besiedelte Ortskern soll nun deutlich vom Verkehr entlastet werden, es soll eine Verkehrsumlagerung von 30 bis 50 Prozent erzielt werden, erklärte der zuständige Landesrat Günther Steinkellner. Immerhin fahren durchschnittlich 15.000 Fahrzeuge täglich durch Lambach. Wie viele es tatsächlich weniger werden, wird man nach den geplanten Verkehrszählungen sagen können.
„Aus einer schweren Geburt kommen die schönsten Kinder“, meinte Landeshauptmann Josef Pühringer und gab zu, nicht immer an die Fertigstellung geglaubt zu haben. Er schnitt mit Landesrat Steinkellner, dessen Vorgänger Franz Hiesl und weiterer Prominenz das Eröffnungsband durch.
Man hofft auf Besserung
Neben vielen Bewohnern in Lambach befürworten auch die Wirtschaftstreibenden eine Umfahrung. „Ich bin froh darüber, dass die Umfahrung offen ist, nun kann endlich der Marktplatz neu gestaltet werden, was dringend notwendig ist“, sagt Florian Eitzinger, Chef im gleichnamigen Gasthof. Er würde bei einer Neugestaltung des Marktplatzes gerne den Bereich vor seinem Gasthaus für einen Schanigarten nutzen. Auch in Punkto Verkehrssicherheit hofft der Gastronom auf eine Verbesserung und spielt auf einen Unfall vor wenigen Monaten an, bei dem direkt vor seiner Haustür ein älterer Herr ums Leben gekommen ist.
Auch Rosemarie Takacs, Chefin in der Bäckerei Takacs, hofft auf eine Verbesserung der Verkehrssituation. „Wir sind sehr gespannt wie es wird. Wir haben eine schwierige Situation. Unsere Jausenlieferanten stehen in der Kolonne, müssen aber Termine einhalten, weil die Firmen nur zu bestimmten Zeiten eine Pause haben.“, erklärt sie und würde sich auch einen schöneren Marktplatz wünschen um den Platz vor ihrem Geschäft nutzen zu können.
Ein attraktiv gestalteter Marktplatz würde mehr Leute zum Flanieren und Schaufenster-Schauen anlocken, meint auch Helmut Maderthaner, Chef bei Optik Schwabegger am Marktplatz. Er gibt zu, dass die Situation am Marktplatz bisher katastrophal war.
Bezüglich Neugestaltung des Marktplatzes liegen in der Gemeinde Lambach drei Vorschläge von Verkehrsplanern am Tisch. „Man wird sich in einem Gremium beraten und demnächst eine Entscheidung treffen“, erklärt Amtsleiter Franz Pohn. Geplant ist die Bushaltestelle am Marktplatz zu belassen. Auch auf genügend Parkplätze muss geachtet werden, das wünschen sich die Gewerbetreibenden.
Südost-Umfahrung
Die neue Umfahrung führt nördlich um Lambach herum. Will man in den Süden (etwa auf die A1) muss man wieder durch den Ort und bei der Stiftskreuzung abbiegen. Deshalb gibt es auch Pläne für eine Südost-Umfahrung, die aber heftig diskutiert werden. Die vom Land verordnete Trasse dafür (entlang der Gmundnerbahn) stößt bei den Edtern auf Abwehr. Deshalb ist auch Bürgermeister Max Riedlbauer der Feier zur Umfahrung Nord ferngeblieben. „Ich kann nicht feiern, wenn meinen Bürgern eine solche Bürde mit der Südost-Umfahrung auferlegt wird“, erklärt er. „Wir tragen die Südost-Umfahrung mit, aber nicht in der vom Land verordneten Variante“, fügt er hinzu. Laut seinen Aussagen steht die gesamte Gemeindeführung hinter der Trasse durch die Hofau, die nicht nur ein geplantes Siedlungsgebiet führt und noch dazu günstiger sei. Aus ihm unverständlichen Gründen beharrt das Land aber auf der verordneten Trasse.
Verständnis für die Bedenken der Edter zeigt Christian Popp, Bürgermeister von Stadl-Paura, obwohl ihm die genaue Trassenführung nicht so wichtig ist. Ihm ist wichitg, dass die Südost-Umfahrung wirklich kommt.
Die Umfahrung Nord trägt Riedlbauer aber mit.
Fakten zur Umfahren
Betroffene Gemeinden: Lambach, Edt, Neukirchen
Länge: 5,1 Kilometer
Kostenrahmen: 107 Millionen Euro
Tatsächliche Kosten: ca. 90 Millionen Euro
Spatenstich: April 2012
Bauzeit: 2012 bis 2016 (unterteilt in zwei Bauabschnitte)
Christine-Tunnel: 912 Meter
Aushubmaterial: 600.000 Kubikmeter
Verbauter Grund: 37 Hektar


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