Eurojack Europameisterschaftsfinale mit einer wahren Powerfrau
LANGSCHLAG. Jedes Mal, wenn sie die Axt in das Rundholz rammt, vibriert der Boden. Man könnte meinen, ein stämmiger Mann ist hier am Werk. Aber nein, es ist Gisela Paulnsteiner, die gerade für das Eurojack Europameisterschaftsfinale am 9. und 10. September trainiert. Ein zartes Wesen von 50 Kilogramm, die keine Scheu hat, in der männerdominierten Szene des Holzsports anzutreten.

Die 19-Jährige ist amtierende Europameisterin im Damenklettern, einer Eurojack-Disziplin. Vor zwei Jahren in Rappottenstein auf den Gusto gekommen, ließ sie dieser Sport nicht mehr los. Vergangenes Jahr holte sie sich schließlich den Europameistertitel in Langschlag. Dabei gilt es einen zehn Meter hohen Baum so schnell als möglich zu erklimmen und oben angekommen, das Glöcklein zu läuten. Ihre Rekordzeit von unglaublichen 6,95 Sekunden erkletterte sie voriges Jahr in Schuttertal (Deutschland). Nun könne man nur noch Kleinigkeiten verbessern, um die ein oder andere Zehntelsekunde rauszuholen, grundsätzlich spiele sich aber ganz viel im Kopf ab, weiß ihr Trainer Franz Unterwurzacher.
In Wurmbrand warten neue Herausforderungen
Gisela fühlt sich sichtlich wohl, das Klettern ist ihre Sportart, beim kommenden Eurojack Europameisterschaftsfinale in Wurmbrand, am 9. und 10. September, will sie ihren Titel verteidigen. Und nicht nur das: Erstmals tritt sie auch in drei weiteren Disziplinen an: Liegend Schroten (Underhand Chop), Fliegende Scheiben (Flying Discs) und Singelsägen (Single Buck).
Und dafür wird in der Eurojackhalle Langschlag noch fleißig trainiert. Auf einem rund 30 Zentimeter dicken Rundholz stehend, rammt Gisela die Trainingsaxt von zwei Seiten in das Holz. Ziel dieser Disziplin des „Liegend Schrotens“ ist es, den Holzblock durchzuhacken. „Stark, sehr schön“, ruft ihr auch Eurojack-Geschäftsführer Kurt Graf zu, der ebenfalls beim Training vorbeischaute. Ein paar Tipps folgen auf dem Fuße. Kurz darauf ist es geschafft, auch wenn sie ein wenig länger braucht als die kräftig gebauten Top-Sportler, die zum Teil unter 20 Sekunden hacken.
„Gisela kommt nur aus einem Grund durch das Holz: Weil sie die Axt von oben kerzengrade durchzieht, nie verdreht. Man hackt nicht mit den Händen sondern mit dem Körper. Kraft ist zwar wichtig, aber Technik entscheidet“, erklärt Kurt Graf. Und Letztere hat sie gefunden.
50 Kilo volle Power
„Das Mädel ist für mich wirklich ein Phänomen, ich wundere mich immer woher sie diese unglaubliche Energie hat“, staunt ihr Trainer Franz Unterwurzacher. Die 19-Jährige, die gerade den Matura-Aufbaulehrgang in Wieselburg absolviert, ist das Anpacken von klein auf gewohnt, hilft zuhause in der Landwirtschaft tatkräftig mit, arbeitet nebenher und unterstützt zudem Vereine und diverse Festivitäten, ein Tausendsassa also.
Sie selbst bewertet ihre Leistung bescheiden mit „ausbaufähig“, bevor sie schnell die Sicherheitsausrüstung wechselt. Ohrenschützer und Beinlinge sind angezogen, die Motorsäge wird in die Hand genommen - und in die nächste Disziplin gestartet, „Fliegende Scheiben“.
Hier muss der Sportler von einem frei auf dem Boden stehenden Rundling in möglichst kurzer Zeit 20 Scheiben mit der Motorsäge abschneiden Dabei darf das Holz weder mit den Händen noch mit dem Körper gestützt werden. Die Säge gestartet wie ein Profi, legt Gisela los, Scheibe für Scheibe fällt auf den Boden.
„Und du willst mir erzählen, dass du noch nie eine Motorsäge in der Hand hattest?“ grinst Trainer Franz in Richtung Gisela. „Nur bei Waldarbeiten bislang. Aber das taugt mir, voll cool“, strahlt Gisela zurück.
Holzsport ist alles andere als einfach
Auch wenn das für den Zuseher so leicht wirkt, es ist alles andere als einfach, bestätigt Franz Unterwurzacher, der nun seit sieben Jahren Mitglied im Langschläger Holzsportverein ist. „Ich habe Eurojack anfangs nicht als seriösen Sport eingeschätzt.“ Erst bei näherer Beschäftigung begann er die vielfältigen Herausforderungen des Präzisionsportes zu begreifen.
„Übrigens greift man eine fremde Hacke nicht an, da müsste man schon eng befreundet sein“, weiß Kurt Graf. Das sei ein Hightechgerät, zumeist sehr teuer und mit einer langen Lieferzeit verbunden.
Letzte Bewerb: Singelsägen
Der vierte und letzte Bewerb, in dem Gisela an den Start gehen wird, ist das Singelsägen. Mit einer Einmann-Zugsäge wird von einem 40 Zentimeter dicken Baumstamm eine vollständige Scheibe abgeschnitten. Auch das meisterte sie mit Bravour. „Das nächste Mal nimmst du die Hüfte, deinen ganzen Körper mit, dann geht das noch ein Stück leichter“, gibt ihr Trainer noch einen Tipp mit auf den Weg. Das Europameisterschaftsfinale kann kommen.
Großes Finale in Wurmbrand
Und das wird mit Spannung erwartet. Während in Wurmbrand am 9. September um 12 Uhr die Qualifikationsbewerbe starten, geht es am Sonntag zu Mittag in die heiße Phase. Denn Österreich ist momentan die Holzsportnation Nummer eins in Europa - dank Europameister Armin Kugler, Jugendeuropameister Lukas Sandler und der Europameisterin im Damenklettern, Gisela Paulnsteiner. Und wenn es nach ihnen geht, soll das natürlich so bleiben!


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