Großstadtmärchen: Zusammen ist man weniger allein

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Valerie Himmelbauer Valerie Himmelbauer, Tips Redaktion, 06.02.2017 09:05 Uhr

Vier grundverschiedene Menschen treffen in einer verrückten Wohngemeinschaft im Theaterstück „Zusammen ist man weniger allein“ nach Anna Gavalda aufeinander. Daniel Pascal inszeniert das moderne Großstadtmärchen im Schloss Traun und entführt mit der charmanten und lustigen Geschichte mitten ins Leben mitsamt aller Tücken.

In einer Pariser Altbauwohnung leben Philibert, der stotternde Spross einer verarmten Adelsfamilie, die magersüchtige Putzfrau Camille, der rüpelhafte Koch und Frauenliebhaber Franck und seine Großmutter Paulette, die keine Lust aufs Altersheim hat. „Diese vier ganz unterschiedlichen Menschen passen eigentlich nicht zusammen, jeder hat sein Geheimnis, aber sie finden zusammen“, erzählt Intendant Daniel Pascal, der das charmante Großstadtmärchen unbedingt auf die Bühne bringen wollte.

Umgekehrter Domino-Effekt

Voll von Konflikten ist die sensible Geschichte über die Liebe und das Leben mit all seinen Tücken: Nicht nur der Generationenkonflikt, auch unterschiedliche Klassen und Geschlechterrollen werden im Stück thematisiert. In einer Art umgekehrtem Domino-Effekt richtet einer den anderen auf und zieht ihn aus dem Schlamassel. So meistern die Protagonisten Alltagsprobleme wie Älterwerden, Einsamkeit, Liebeskummer – das ganz normale Leben eben. Miteinander leben Für Daniel Pascal ist der Titel und der Inhalt nicht nur ein Märchen, sondern sollte, auch für den Schauspieler, Realität werden: „Miteinander und zusammen ist der Weg, den wir gemeinsam gehen sollten. Auch wenn das in der Welt draußen oft anders aussieht“, wird Pascal nachdenklich und wünscht sich selbst eine ähnliche Gemeinschafts-Lebensart fürs hohe Alter: „Ich träume zum Beispiel von einer Alters-WG, ich denke das könnte ganz nett sein. Die Frage, die ich mir aber auch stelle ist, welche Lebensformen wird es in Zukunft geben müssen? Müssen wir uns neue Arten des Zusammenlebens suchen, damit jeder genügend versorgt ist, wenn das System einmal zusammenbricht?“, wird Pascal nachdenklich.

Hochkarätig besetzt

TV-Star und Pascal-Entdeckung Christina Scherrer, die vor Kurzem im Tatort im TV zu sehen war, wird als die künstlerisch hoch begabte Camille, die ihren Lebensunterhalt jedoch in einer Putzkolonne verdient, die Welt ihrer Mitbewohner beflügeln. „Ich wohne selbst in einer WG in Wien, und das schon lange. Ich habe dadurch viele unterschiedliche Erfahrungen des Zusammenlebens gemacht auch mit Personen verschiedener Nationalitäten. Mich interessiert es, wie man trotz vieler Unterschiede und auch sprachlicher Barrieren, wachsen kann. Und wie aus Fremdheit Vertrautheit werden kann, das ist für mich das große Thema. Mich reizt es, dass man durch den anderen auch sich selbst anders sieht und auch so persönlich weiterkommt“, erklärt die gebürtige Oberösterreicherin ihr Interesse am Stück und freut sich auf die Bühne in der Heimat: „Mich freut es total, wieder in OÖ auftreten zu können, das war in letzter Zeit selten der Fall“. Zuletzt war Scherrer in OÖ in Pascals Inszenierung im Schloss Traun in der Kaufmann von Venedig zu sehen.

Publikumslieblinge

Neben Scherrer spielt Publikumsliebling und Theatertausendsassa Theo Helm – bleibend in Erinnerung als Juniorchef in Kurt Palms Bad Fucking im Theater Phönix – den Adeligen Philibert, einen genialen Historiker, der aber so schüchtern ist, dass er im Gespräch mit Menschen ins Stottern gerät. Der „charmante Herzensbub“ aus Graz, Tobias Kerschbaumer, „muss in seiner Rolle als rüpelhafter Koch Franck gegen sein eigenes sanftes Wesen anspielen“, erzählt Pascal. Und Waltraud Starck findet man in der Rolle von der sturen Paulette. Langjähriges Ensemblemitglied Ursula Ruhs ist in diesem Stück nicht auf der Bühne zu sehen, aber zu hören. Mit ihrer Erzählstimme schlägt sie einen Bogen zu den Zuschauern und führt mit Erzählungen ins Thema ein. „Wenn man ein Buch auf die Bühne bringt – da bin ich ganz Literat – dann muss der erste Satz mit dabei sein. Mit der Zeit zieht sich die Erzählerstimme aber immer mehr zurück“, so Pascal.

Reduziertes Bühnenbild

Da der Schönberg-Saal und seine Bühne im Schloss Traun Tücken aufweise, hat sich Pascal entschieden das Stück, das als Bestseller in Buchform fünf Millionenfach verkauft wurde, reduziert auszustatten. Die Wohngemeinschaft wird als ein musealer Raum dargestellt, in dem erklärende Objekte Platz finden, die anschließend als räumliche Kulisse dienen. „Das Stück schreit nach einem absurden Realismus und einem reduzierten Bühnenbild. Es sollte naturalistisch-realistisch gespielt werden, das ist aber auch requisitentechnisch viel zu aufwändig für uns, deshalb haben wir uns für die reduzierte Variante entschieden“, nimmt Pascal mit in seine Vorstellung.

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