Ein Drittel der Lenker ist übermüdet
Allhaming. Mit einem mobilen Schläfrigkeits-Messgerät ist Schlafforscher Manfred Walzl derzeit in Oberösterreich unterwegs, um zu testen, wie müde Oberösterreichs Autofahrer sind. Auftraggeber ist die Asfinag, die mit Aktionstagen auf Autobahnrastplätzen, vergangenen Samstag in Allhaming, auf die Wichtigkeit des Rastens aufmerksam macht.

Das Ergebnis der in Allhaming durchgeführten Untersuchungen: Gut ein Drittel der 20 freiwilligen Testpersonen – Lenkerinnen und Lenker aus dem In- und Ausland – ist in puncto Übermüdung im roten Bereich und hat mit dem Ansteuern des Rastplatzes das einzig richtige getan: Pause machen. „Das aktuelle Ergebnis in Oberösterreich deckt sich ziemlich genau mit langjährigen Studien, wonach etwa 30 Prozent der Lenker bereits an der Grenze zur Fahrunfähigkeit sind. Zu wenig Schlaf wirkt wie Alkohol auf die Reaktionsfähigkeit. Und auch wenn man bestens ausgeruht die Fahrt antritt, gilt die Faustregel: spätestens nach zwei Stunden Pause machen“, so Walzl. Allein heuer sind durch Müdigkeit, gepaart mit mangelndem Reaktionsvermögen auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen bereits zehn Menschen ums Leben gekommen, bei 20 Todesopfern insgesamt also die Hälfte
„Rasten per Verordnung“ ist sehr umstritten
Die Polizei darf diese Müdigkeitsmessgeräte jedoch nicht verwenden, um „Rasten per Verordnung“ durchzusetzen, da das Gerät nicht eichbar ist. „In der Schweiz läuft zwar gerade ein Testversuch bei der Polizei in Zürich, aber deshalb gibt es schon einen Riesen-Wirbel. Weil die Autofahrerclubs wollen das natürlich nicht und die Autofahrer schon gar nicht“, erzählt Walzl.
Interview:Nachgefragt bei ...ManfredWalzl, Leiter der Schlafmedizinischen Abteilung, LKH Graz Südwest
Tips:Sie können die Schläfrigkeit der Autofahrer messen?
Univ. Prof. Manfred Walzl: Das Verfahren kommt aus der Augenheilkunde. Wir haben den Pupillomat für die Schlafforschung adaptiert und in den letzten 15 Jahren 45.000 Messungen durchgeführt. Jetzt haben wir auch eine Möglichkeit gefunden, das Gerät mobil anzuwenden.
Tips: Wie funktioniert das genau?
Walzl: Die Pupille ist nie starr, ändert sich im Lauf einer Sekunde im Durchmesser um je einen halben Millimeter. Je schläfriger wir sind, desto größer ist diese Distanz und desto langsamer passiert diese Veränderung. Wir filmen die Pupille über einen Zeitraum von etwa 10 Minuten und kriegen dann einen einzigen digitalisierten Wert: den Pupillenunruheindex.
Tips:Wie entscheidend ist die Schläfrigkeit beim Autofahren?
Walzl: Wer eine Nacht gar nicht oder schlecht geschlafen hat, reagiert so, als hätte er ein Promille Alkohol im Blut. Wer 17 Stunden am Stück wach ist, reagiert, als hätte er 0,5 Promille Alkohol im Blut.


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