Bauprojektleiterin und Landwirtin: „Frauen sind einfach gute Manager“
ANSFELDEN. Stephanie Mühlberghuber und ihr Mann Rudolf haben vor acht Jahren den Betrieb ihrer Familie übernommen. Der gut gehende Marktfruchtbetrieb wurde um ein neues Produkt, das Trendgemüse Spargel, erweitert. Und die Familie hat sich zusätzlich noch auf die Produktion von speziellem Saatgut fokussiert.

„Mein Mann ist am Feld im Ackerbau tätig und führt den Betrieb, ich mache das Büro, die Personaleinteilung, das Marketing und den Verkauf“, erklärt die 35-jährige Landwirtin. „Es ist für mich aber auch entspannend, wenn ich mal zwei Stunden am Traktor sitzen und pflügen kann.“ Eigentlich hat die zweifache Mutter zwei Berufe: Den landwirtschaftlichen Facharbeiter hat sie am zweiten Bildungsweg gemacht, davor hat sie die Bau-HTL absolviert. Dreimal in der Woche geht sie ihrem Beruf als Bauprojektleiterin nach. Die Ansfeldnerin ist auf dem Hof schon aufgewachsen, so richtig schätzen gelernt hat sie das Leben auf dem Hof aber erst viel später. „Wir leben im natürlichen Jahreskreislauf. Wenn wir etwas aussäen und drauf schauen, dass etwas gedeiht, damit wir es später ernten können. Das ist ein ganz besonderes Erfolgserlebnis, sowohl wirtschaftlich als auch persönlich.“
Bauern haben die Pflicht, Konsumenten zu informieren
Der Spargelanbau und auch die Saatgutproduktion sind mit viel Handarbeit verbunden und sehr arbeitsintensiv. Zusätzlich werden am 65 Hektar großen Betrieb auch noch Zuckerrüben, Soja und Raps angebaut. Als stellvertretende Ortsbäuerin ist es für Mühlberghuber wichtig, dass auch die Konsumenten mehr Einblick in die Lebensmittelproduktion der Bauern haben. „Wir haben die Pflicht, zu informieren, wie die Landwirtschaft funktioniert. Viele haben keinen Kontakt mehr. Die Leute müssen verstehen können, warum es auch notwendig ist, dass wir an einem Sonntag dreschen.“
Die Ansfeldner Ortsbäuerinnen gehen daher seit über zehn Jahren in die Schulen, um Kindern zu zeigen, wie man Brot bäckt und woher die Rohstoffe kommen. Sie klären auf, woher Milch und Zucker kommen und worauf man beim Einkauf achten sollte. Die Bäuerinnen nehmen mit solchen Aktionen ihre wichtige Rolle als „Botschafterinnen der Landwirtschaft“ wahr und sorgen dafür, dass die Kinder lernen, die Natur und auch die Lebensmittelproduktion zu verstehen. „Sie tragen das nach Hause und darauf kommt es auch an.“ Auch im Ab-Hof-Verkauf ist es der 35-Jährigen ein Anliegen, mit den Kunden über die Herausforderungen der Landwirtschaft zu reden: „Wenn man erklärt, warum ein Produkt gerade nicht in der üblichen Menge verfügbar ist, dann verstehen sie es auch.“
Idealer Job, um Familie und Beruf zu vereinbaren
Für Mühlberghuber ist es nicht verwunderlich, dass in der Landwirtschaft Frauen generell eine immer wichtigere Rolle spielen und nicht mehr nur mitarbeiten: „Organisation und Management sind immer mehr in den Fokus gerückt. Frauen sind einfach gute Manager und inzwischen auch sehr gut ausgebildet. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auch ideal. Man ist sein eigener Chef und kann es sich einteilen. Mir ist erst jetzt bewusst, wieviel das wert ist, dass ich fast immer da bin, wenn die Kinder heimkommen. Es ist ein Leben im Paradies, was wir unseren Kindern bieten können.“


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