
WILHERING/LASBERG. Seit über 40 Jahren setzt sich Johann Hackl für die Rettung von Rehkitzen, Bodenbrütern und Co zur Mahdzeit ein. Früher legte der Wilheringer in seinem Zweitrevier in Lasberg bei Freistadt jährlich bis zu 39 Stunden Gehzeit zurück, um Wildtiere vor dem sicheren Tod durch maschinelle Mähwerke zu retten. Heute erleichtert die Drohne diese wichtige Arbeit.
Johann Hackl, passionierter Jäger aus Wilhering, hat sich der Rettung von Wildtieren zur Mahdzeit verschrieben. In den frühen Morgenstunden rücken er und seine Helfer im Lasberger Revier aus - im Gepäck haben sie Drohne, Wärmebildkamera, Kescher und Plastikbox. Dank dieser Technik kann Hackl südöstlich von Freistadt etwa 70 bis 110 Rehkitze pro Jahr vor dem qualvollen Mähtod bewahren.
Kitze im Dickicht der Wiese unsichtbar
Zwischen 3.000 und 5.000 Rehe werden im gesamten Land jährlich vermäht, so die Schätzungen der OÖ-Jägerschaft. Der Grund für diese Tragödie: In den Monaten Mai und Juni steht der erste Schnitt des Grünlandes zur Tierfutterherstellung an. Zeitgleich werden die meisten Rehkitze geboren. Die Geiß bevorzugt hohe und dichte Wiesen als Liegeplatz für ihre Jungen, um sie vor Fressfeinden zu tarnen.
Findet die erste Mahd witterungsbedingt besonders spät statt, so werden die kleinen Rehe im Dschungel aus Gras und Wiesenkräutern umso leichter übersehen. Zudem setzt der Fluchtinstinkt bei Kitzen erst nach der zweiten Lebenswoche ein. Das wird den Tieren zum Verhängnis: „Wenn der Traktor kommt, duckt sich das Kitz. Es presst sich auf den Boden und hat daher keine Chance, den Messern zu entkommen“, erklärt Hackl.
Doch nicht nur Kitze sind betroffen: Das Mähen des Grünlands ist eine potenzielle Gefahr für alle Wildtiere, die sich in der Wiese aufhalten. Dazu gehören auch Feldhasen oder Bodenbrüter, wie etwa die Feldlärche. Diese werden oft samt ihrem Gelege vermäht, da sie das Netz verteidigen, anstatt zu fliehen.
Bandbreite an Schutzmaßnahmen
Es gibt viele verschiedene Methoden, um die Kitze vor dem Mähtod zu schützen. Ein bis vier Tage vor der Mahd kann man versuchen, die Tiere zu verscheuchen: Etwa durch das „Verstinken“ der Wiese mit bestimmten Mitteln. Auch das Abgehen des Grünlands mit Hunden kann helfen, da diese Duftstoffe hinterlassen, die der Geiß eine Gefahrensituation vermitteln. Manchmal seien auch akustische oder blau blinkende Wildwarner präventiv im Einsatz, erzählt der erfahrene Jäger.
Am effektivsten sind Maßnahmen kurz vor der Mahd: Früher hat Hackl das Grünland in seinem Revier stundenlang zu Fuß nach Wildtieren abgesucht. „Teilweise haben wir auch Stangen mit blauen Säcken am Wiesenrand aufgestellt, das sind aber nur halbe Geschichten“, erzählt der 61-Jährige. Am weitaus effektivsten sei die Arbeit mit Drohnen.
Auch Christopher Böck, Geschäftsführer des OÖ Landesjagdverbands, weiß um die Wichtigkeit der Drohnenarbeit: Deshalb bietet der Verband Schulungen für Kitzretter an, zudem wird der jährliche Drohnen-Versicherungsbeitrag als Förderung beigesteuert. Piloten benötigen jedenfalls einen entsprechenden Führerschein, der im Online-Verfahren bei der Austro Control abzulegen ist. Die Anschaffungskosten belaufen sich auf etwa 5.000 Euro inklusive Wärmebildkamera.
Moderne Technik vereinfacht Rettung
Vor etwa vier Jahren hatte Hackl seine Drohne erstmals im Einsatz. Diese ist mit einer Wärmebildkamera versehen: Nachts oder am frühen Morgen ist der Temperaturunterschied zwischen dem Kitz und seiner Umgebung groß genug, um es ausfindig zu machen. Dann lässt Hackl das Gerät über die Wiese fliegen. Das funktioniert entweder manuell oder auch computergesteuert, wenn die Wegpunkte der Flugroute vorab gespeichert wurden.
Erkennt die Drohne eine Wärmequelle, so schickt Hackl seine Helfer los, um das Kitz einzufangen. Bis die Mahd vorüber ist, bleibt das Tier in sicherer Reichweite an einem schattigen Platz gefangen - zumeist in einer Plastikbox. Der Wilheringer betont: „Es ist noch nie passiert, dass ein Kitz nicht überlebt hat, weil es über mehrere Stunden eingesperrt war. Die Natur richtet das so ein, das Kitz hält irrsinnig viel aus.“ Für das Tier sicher nicht angenehm, dafür bleibt ihm ein unschöner Tod erspart.
Teamwork macht's möglich
„Das wichtigste ist, dass der Jäger mit den Landwirten gut zusammenarbeitet“, erklärt Hackl. Er bindet die Landwirtsfamilien aktiv in die Rehkitzrettung ein, überlässt ihnen etwa das Freilassen der Jungtiere: „Im Normalfall bleibt das Kitz noch ein paar Minuten liegen, wenn es befreit wird. Das ist ein Moment, wo einem das Herz aufgeht.“ In Erinnerung bleibt, dass man mit gemeinsamer Kraft ein Leben retten konnte - laut Hackl ein Garant für wiederkehrende Zusammenarbeit.
Vom Landesjagdverband wird bestätigt, dass sich die meisten Landwirte kooperativ zeigen. Nur vereinzelt gebe es Bauern, die entweder vergessen, den Jäger über die Mahd zu informieren, oder denen die Wildtiere schlicht und einfach egal sind. Das sei besonders selten, da sich Landwirte im Sinne des Tierschutzgesetzes strafbar machen, wenn sie den Mähtod der Kitze ohne geeignete Schutzmaßnahmen billigend in Kauf nehmen.
Schließlich ist die Wildrettung eine Win-Win-Situation: Vermähte Kitze, Hasen und Vögel würden als verweste Leichenteile im Futter enden - derartige Verunreinigungen gefährden die Nutztiergesundheit. Die Jäger wiederum wollen, dass der Wildbestand „durch die Natur und geregelte Abschüsse reguliert wird, nicht durch Unfälle mit landwirtschaftlichen Maschinen“, so Hackl. An erster Stelle steht jedoch das Bemühen, Tierleid zu verhindern.