Von der HTL Leonding an die Spitze des Verfassungsschutzes
LEONDING. Ein dienstlicher Aufenthalt in Linz wurde für Sylvia Mayer zu einer Reise in die eigene Vergangenheit. Die frisch ernannte Direktorin für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) besuchte ihre ehemalige Schule, die HTL Leonding, wo sie 2006 maturierte.
Mit der Schule verbindet sie mehr als ein Abschluss. „Man lerne als angehende Informatikerin in Leonding das strukturierte Denken, und dies helfe in jeder Lebenslage“, sagte Mayer vor den Schülern – auch beim späteren Studium der Rechtswissenschaften und des Strategischen Sicherheitsmanagements, das sie berufsbegleitend absolvierte.
Im Mittelpunkt ihres Vortrags stand die Cybersicherheit. Unternehmen seien regelmäßig Angriffen durch Kriminelle ausgesetzt. Besonders heikel werde es, wenn staatliche Akteure mit höherer Intensität gegen österreichische Betriebe und Behörden vorgingen. Die Bandbreite reiche von Industriespionage über Einflussnahme auf die öffentliche Meinung bis hin zur Verfolgung von Dissidenten im Ausland.
Sicherheit und KI im Fokus
Während Sicherheit früher oft erst am Ende eines Projekts bedacht worden sei, gelte heute „Cybersecurity by Design“ – Sicherheit müsse von Anfang an mitgedacht werden. Genau das werde in Leonding seit Jahren vermittelt. Gerade bei Smart Cyber Systems wie selbstfahrenden Autos, Industrierobotern oder intelligenten Energienetzen sei das entscheidend.
Auch Künstliche Intelligenz war Thema. Sie helfe etwa beim raschen Übersetzen fremdsprachiger Nachrichten mit potenziell gefährlichem Inhalt. Gleichzeitig werde sie von Kriminellen genutzt. Die DSN befinde sich hier in einem „andauernden technischen Wettlauf“. Mit Blick auf ihre Schulzeit merkte Mayer an, dass man sich schon damals mit KI beschäftigt habe – wenn auch „mangels vorhandener Rechnerleistungen“ in deutlich bescheidenerem Umfang.
Zur Kernaufgabe der DSN zählt zudem die Extremismusbekämpfung – ob von links, rechts oder mit islamistischem Hintergrund. Als neuer Trend würden auch Onlinespiele als Plattform für Radikalisierung genutzt.
Mädchen auf dem Vormarsch
Als ehemalige Gleichbehandlungsbeauftragte im Innenministerium zeigte sich Mayer erfreut über Förderprogramme für Mädchen an ihrer früheren Schule sowie über den Fokus auf Mental Health und einen respektvollen Umgang. Mädchen stellen mittlerweile fast ein Viertel der Studierenden in Leonding.
In der anschließenden Diskussion wollten die Jugendlichen mehr über Arbeitsweise, Berufsmöglichkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen der Gefährderüberwachung wissen – soweit darüber gesprochen werden durfte. Der nächste Termin wartete bereits, doch einige Schüler waren sich am Ende einig: „Best Vortrag ever“.
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