Spargel, Pilze, Most: Landwirtschaft in Linz-Land setzt auf echte Vielfalt
LINZ-LAND. Von Spargel über Pilze bis zu Most und Wein: Die Landwirtschaft im Bezirk Linz-Land ist vielfältig und innovativ. Gleichzeitig stehen viele Betriebe unter großem wirtschaftlichem Druck. Bezirksbäuerin Michaela Sommer spricht – auch anlässlich des von der UNO ausgerufenen Internationalen Jahres der Bäuerin – über neue Wege auf den Höfen, Klimarisiken und die Bedeutung regionaler Lebensmittel.

Im Bezirk Linz-Land hat sich die Struktur der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist von 1.154 im Jahr 2000 auf 829 im Jahr 2024 gesunken. Auch die landwirtschaftlich genutzte Fläche ist zurückgegangen – von rund 29.756 auf etwa 27.301 Hektar. Den größten Anteil nimmt weiterhin der Ackerbau ein: Rund 26.139 Hektar werden derzeit als Ackerflächen genutzt. Das Grünland ist dagegen deutlich zurückgegangen und liegt aktuell bei rund 987 Hektar. Während die Gesamtzahl der Betriebe sinkt, wächst der Anteil biologischer Betriebe deutlich. Gab es im Jahr 2000 noch 29 Biobetriebe, sind es heute bereits 135.
Große Vielfalt an Produkten
Trotz des Strukturwandels sieht Bezirksbäuerin Michaela Sommer die Landwirtschaft im Bezirk als besonders vielfältig und innovativ. Neben klassischen Ackerbaubetrieben gebe es zahlreiche Gemüse- und Obstproduzenten. Angebaut werden unter anderem Spargel sowie Pilze wie Austernpilze oder Kräuterseitlinge. Auch im Obstbau ist die Palette groß: Äpfel, Birnen, Kirschen, Marillen, Pfirsiche, Zwetschken, Hasel- und Walnüsse oder Erdbeeren werden in der Region produziert. Viele landwirtschaftliche Betriebe setzen zudem auf die Weiterverarbeitung ihrer Produkte. „Die Produkte werden zum Teil auch als Convenience-Produkte angeboten“, erklärt Sommer. Einige Bäuerinnen hätten sich beispielsweise auf Brot spezialisiert, andere auf Mehlspeisen, Nudeln, Pesto oder Marmeladen. Direktvermarkter bieten darüber hinaus Fleisch- und Wurstwaren von Rind, Schwein, Lamm oder Ziege an, ebenso Eier, Milchprodukte oder Käse.
Direktvermarktung eröffnet neue Möglichkeiten
Ein möglicher Weg für landwirtschaftliche Betriebe ist die Direktvermarktung – allerdings nicht für jeden Hof. „Jeder Betrieb muss eine geeignete Lösung für sich finden“, sagt Sommer. Die Direktvermarktung könne zwar eine Möglichkeit sein, sei aber „kein Allheilmittel“. Ob sie funktioniert, hängt von vielen Faktoren ab: etwa von der Lage des Betriebes, den verfügbaren Arbeitskräften oder den notwendigen Investitionen. Viele Betriebe kombinieren daher mehrere Standbeine. Manche vermieten Räumlichkeiten für Seminare oder Feiern, andere bieten Programme wie „Schule am Bauernhof“ an oder engagieren sich als Seminarbäuerinnen.
Auch im Getränkebereich ist die Region aktiv. „Unsere Saftproduzenten erzeugen ausgezeichnete Säfte, Most und Cider“, sagt Sommer. „Und die Winzer des Bezirkes haben sich bereits einen Namen gemacht und räumen bei verschiedenen Prämierungen immer wieder Auszeichnungen ab.“
Klimawandel wird zunehmend spürbar
Neben wirtschaftlichen Herausforderungen beschäftigt die Landwirtschaft zunehmend auch der Klimawandel. „Extremwetterereignisse wie Sturm, Hagel, Starkregen oder Dürre treffen uns natürlich sehr und führen zu Ernteausfällen“, erklärt Sommer. Auch der Schädlingsdruck nehme zu. „Durch die Klimaerwärmung haben wir vermehrt mit Schädlingen zu kämpfen, etwa mit dem Borkenkäfer.“ Viele Landwirte versuchen, sich gegen Schäden abzusichern. „Wir sind zwar so weit als möglich versichert, aber der finanzielle Schaden wird trotzdem nicht völlig ausgeglichen.“
Agrar-Flächen unter Druck
Gerade rund um eine Stadt wie Linz geraten landwirtschaftliche Flächen zunehmend unter Druck. Der Bedarf an Baugrundstücken wächst, während landwirtschaftliche Flächen begrenzt sind. „Im Speckgürtel einer Stadt ist der Wunsch nach Baufläche natürlich höher“, sagt Sommer. Solange Neubauten wirtschaftlich attraktiver seien als die Nutzung bestehender Gebäude oder Leerstände, werde sich daran wenig ändern. Sie sieht hier ein grundlegendes gesellschaftliches Thema: „Hier ist ein generelles Umdenken notwendig. Dem Lippenbekenntnis vom Ressourcenschonen müssen auch Taten folgen – von allen Beteiligten.“
Wunsch nach mehr Verständnis
Für die Zukunft der Landwirtschaft wünscht sich Sommer vor allem ein stärkeres Miteinander zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. „Ich wünsche mir gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme“, sagt sie. „Wir brauchen geeignete Rahmenbedingungen, damit wir unsere tägliche Arbeit für die Konsumenten gut bewältigen können – und damit diese Arbeit auch entsprechend honoriert wird.“
Besonders prägend sei eine Erinnerung aus ihrer Jugend gewesen. „Als ich zum ersten Mal Weizen säen durfte, hat mein Vater zu mir gesagt: Sei dir bewusst – du sorgst dafür, dass das Getreide wächst, damit viele Menschen etwas zu essen haben.“


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