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Dating anders gedacht: Gründerin aus Traun erhält internationalen Preis

David Ramaseder, 24.03.2026 18:08

TRAUN. Eine Unternehmerin aus dem Bezirk Linz-Land sorgt international für Aufmerksamkeit: Die Trauner Gründerin Leonie Philipp wurde in Wien mit dem World Summit Award (WSA) Austria in der Kategorie „Inklusion & Empowerment“ ausgezeichnet. Prämiert wurde ihre Plattform „Liebe mit Handicap“, eine Partnervermittlung, die sich gezielt an Menschen mit und ohne Einschränkungen richtet.

  1 / 2   V.l.: Daniela Bock (Erste Bank, Bereich Social Banking), Preisträgerin Leonie Philipp und Eva Hiesmair (WSA Austria - National Expert) (Foto: Kirill Lialin/Conntento)

Der Award zeichnet jährlich digitale Projekte aus, die Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen bieten. Für Philipp ist die Ehrung auch ein Signal für mehr Sichtbarkeit eines oft tabuisierten Themas: „Dieser Award gehört nicht nur mir. Er gehört allen Menschen, die daran glauben, dass Liebe barrierefrei sein sollte.“

Persönliche Erfahrungen als Ausgangspunkt

Der Ursprung der Idee liegt in der eigenen Lebensgeschichte. Philipp wuchs mit einer Mutter im Rollstuhl auf und erlebte bereits als Kind, wie schwierig es für Menschen mit Behinderung sein kann, einen Partner kennenzulernen. „Dieses Thema begleitet mich schon sehr lange“, sagt sie. Später arbeitete sie selbst im Behindertenbereich und wurde dort immer wieder mit ähnlichen Erfahrungen konfrontiert. Viele Menschen berichteten von Einsamkeit, von Ausgrenzung auf klassischen Datingplattformen oder davon, nicht ernst genommen zu werden. „Viele werden auf ihre Einschränkung reduziert, statt als Mensch gesehen zu werden“, schildert Philipp.

Ein prägendes Erlebnis war für sie zudem die Geschichte einer jungen Frau, die nach einem Kennenlernen über eine kostenlose Dating-App Opfer von Gewalt wurde. „Das hat mir noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig sichere Räume sind“, so die Gründerin.

Der Entschluss, selbst aktiv zu werden, kam schließlich ohne lange Vorbereitung: „Irgendwann kam der Punkt, an dem ich gemerkt habe: Ich kann da nicht mehr einfach wegsehen.“ Sie gründete die Plattform kurzerhand – ohne großes Budget und ohne Team.

Neue Ansätze bei Sicherheit und Umgang

„Liebe mit Handicap“ orientiert sich zwar am Grundprinzip klassischer Datingportale, setzt aber bewusst andere Schwerpunkte. Im Mittelpunkt stehen Barrierefreiheit, ein respektvoller Umgang und ein geschütztes Umfeld. Dazu gehören unter anderem eine Ausweisverifizierung sowie klare Regeln mit Null-Toleranz gegenüber Beleidigungen oder diskriminierendem Verhalten.

Gerade für Menschen, die bereits negative Erfahrungen gemacht haben oder Angst vor Ablehnung mitbringen, soll die Plattform eine Alternative bieten. „Wenn Menschen sich online kennenlernen, müssen sie sich darauf verlassen können, dass sie sich in einem sicheren Umfeld bewegen“, betont Philipp. Der Begriff „Handicap“ wird dabei bewusst breit verstanden. Neben körperlichen Behinderungen oder chronischen Erkrankungen zählen auch psychische Belastungen, Schüchternheit oder schwierige Lebenserfahrungen dazu. „Unsere Mitglieder sind sehr unterschiedlich – und genau das macht die Plattform aus“, sagt sie. Entscheidend sei, dass der Mensch im Mittelpunkt stehe und nicht eine einzelne Eigenschaft.

Breite Zielgruppe und wachsender Bedarf

Die Nachfrage nach dem Angebot hat die Erwartungen der Gründerin rasch übertroffen. „Ich war selbst überrascht, wie groß der Bedarf ist“, sagt Philipp. Die Plattform wird mittlerweile von Menschen aus ganz Österreich genutzt – quer durch alle Altersgruppen. Die Bandbreite reicht von jungen Erwachsenen bis hin zu Menschen über 70 Jahren. Neben sichtbaren Behinderungen spielen auch sogenannte „unsichtbare“ Handicaps eine Rolle, etwa psychische Erkrankungen oder soziale Unsicherheiten. Immer wieder erhält Philipp neue Anfragen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten.

Trotz der Hemmschwelle, sich auf einer Datingplattform anzumelden, entstehen erste konkrete Erfolge. Mehrere Paare haben sich bereits über „Liebe mit Handicap“ kennengelernt. „Ich weiß, dass es Mut braucht, diesen Schritt zu gehen. Umso schöner ist es, wenn daraus echte Begegnungen entstehen“, so Philipp.

Mehr Sichtbarkeit schaffen und neue Ideen

Mit der Auszeichnung im Rücken will die Traunerin das Projekt weiter vorantreiben. Ein zentrales Ziel ist es, die Plattform bekannter zu machen. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass es dieses Angebot gibt“, sagt sie. Darüber hinaus sieht sie auch gesellschaftlichen Aufholbedarf. Themen wie Partnerschaft, Liebe und Sexualität von Menschen mit Behinderung würden noch immer zu wenig öffentlich diskutiert. „Mir ist wichtig, hier mit Vorurteilen aufzuräumen und zu zeigen, dass der Wunsch nach Nähe für alle Menschen gleich selbstverständlich ist.“

Langfristig denkt Philipp auch über zusätzliche Angebote nach, etwa Veranstaltungen oder Treffen, bei denen sich Mitglieder persönlich kennenlernen können. Die Grundidee bleibt dabei unverändert: einen Raum zu schaffen, in dem Begegnungen auf Augenhöhe möglich sind – unabhängig von Einschränkungen.


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