Die Welt einer CliniClownin zwischen Krankenhäusern und Kindergärten
LEONDING. Sie bringt Kinder zum Lachen, begleitet schwerkranke Menschen und spricht über das Scheitern als Stärke: Clownkünstlerin und Humortrainerin Ursula Teurezbacher bewegt sich zwischen Bühne, Kindergarten und Krankenhaus. Was dabei entsteht, ist mehr als Unterhaltung – es sind Momente, die bleiben.

Seit vielen Jahren arbeitet die Leondingerin Ursula Teurezbacher als Clownkünstlerin – unter anderem als CliniClownin in OÖ Krankenhäusern – und parallel als Humortrainerin für Erwachsene. Ihre zentrale Frage zieht sich durch beide Welten: Wie kann in einem oft dichten Alltag wieder mehr Leichtigkeit entstehen?
„Ich bin so glücklich und dankbar, meine Berufung gefunden zu haben“, sagt sie. Zur Clownerie kam sie eher zufällig über eine Humorberaterausbildung. Vorher habe sie mit Clowns wenig anfangen können. „Da war der Humor oft plump und abwertend. Das wahre Wesen des Clowns ist aber ein zutiefst friedvolles, Menschen verbindendes, herzerwärmendes.“ Was ihr schließlich blieb, sei genau dieser Perspektivenwechsel gewesen. „Die Naivität, das Nicht-Wissen-Müssen, das Scheitern dürfen und der spielerische Zugang.“ Der Clown sei für sie keine Figur der Albernheit, sondern eine Haltung: „Alles ist erlaubt, solange man die Grenzen des Anderen nicht überschreitet.“
Zwischen Nähe, Stille und Abschied
Besonders prägend sind für Teurezbacher die Begegnungen in Krankenhäusern. „Es gibt in meiner Arbeit als CliniClown ganz viele besondere Momente“, sagt sie. Jede einzelne Begegnung sei auf ihre Weise bedeutsam – weil sie Ablenkung, Emotion und manchmal auch Trost bringe.
Eine Erinnerung hat sich besonders eingeprägt: eine ältere Frau auf der Palliativstation in Wels, allein, in der letzten Lebensphase. „Sie war schon nicht mehr ansprechbar“, erzählt Teurezbacher. Aus dem Pflegebriefing wussten sie, dass die Patientin lange in Wien gelebt hatte. Gemeinsam mit ihrer Kollegin begann sie, Wiener Lieder zu singen. „Zum Schluss das Lied ‚Wien, Wien nur du allein‘ – und wir haben ihr schöne Träume gewünscht.“ Kurz darauf sei die Frau verstorben. „Dass sie endlich gehen konnte ... Wir waren alle sehr ge- und berührt.“
Solche Momente gehören für sie zu einer Arbeit, die oft still verläuft, aber tief wirkt. Es gehe nicht um große Gesten, sondern um Präsenz im richtigen Augenblick.
Rosi, Lollo und die Sprache der Kinder
Neben der Krankenhausarbeit entwickelt Teurezbacher seit Jahren Kinderstücke für Kindergärten und Volksschulen. Seit 2017 sind es über 400 Aufführungen mit rund 16.000 Kindern in Oberösterreich und Salzburg. Im Mittelpunkt steht ihre Figur Rosi – eine Clownin, die scheitern darf, neugierig ist und sich Hilfe holt. „Die Kinder können sich gut mit der Figur identifizieren, weil sie Fehler macht und nicht alles weiß – und sie sind dann die Experten, die helfen können.“
Die Stücke greifen bewusst auch ernste Themen auf: Unfallverhütung, Freundschaft oder Zusammenhalt. In „Rosi passt auf“ geht es etwa um Gefahren im Alltag, in „Rosi feiert“ um Freundschaft. Gemeinsam mit der AUVA wird das Thema Sicherheit spielerisch vermittelt. Besonders viel Resonanz bekomme sie auf das Stück „Rosi und Lollo (können) streiten“, das sie gemeinsam mit Clown-Kollegin Brigitta Waschnig entwickelt hat. „Rosi und Lollo sind beste Freundinnen und trotzdem geraten sie in Streit – Wut, Traurigkeit, Scham, Angst.“ Im Spiel werden diese Gefühle nicht nur gezeigt, sondern auch benannt und gemeinsam mit den Kindern bearbeitet. „Das ist ein wichtiger Punkt – auch für uns Erwachsene. Es geht oft nicht um die Sache, sondern um die Gefühle dahinter.“
„Der Clown zeigt, dass Fehler erlaubt sind“
Auch in ihren Workshops für Erwachsene steht der Umgang mit Fehlern im Mittelpunkt. Der Clown sei darin ein besonderer Lehrer. „Nicht, weil er so viele Fehler macht, sondern weil er anders damit umgeht.“ Während im Alltag Fehler oft versteckt oder korrigiert werden sollen, reagiert der Clown anders: „Oh, was ist jetzt passiert?“ Diese Haltung verändert den Blick. „Fehler sind menschlich, Ecken und Kanten sympathisch.“
Für Teurezbacher liegt darin auch eine gesellschaftliche Botschaft. Nicht alles müsse perfekt geplant sein. „Oft birgt das Ungeplante die schönsten Überraschungen.“
Warum sie immer wieder zurück auf die Bühne geht
Nach über 400 Aufführungen und Tausenden Kindern ist für sie eines konstant geblieben: die Reaktion des Publikums. „Das Lachen der Kinder motiviert mich immer wieder“, sagt sie. Dazu kommen Umarmungen, spontane Rückmeldungen und Begeisterung. Und jeder Auftritt sei anders. „Ich muss improvisieren und kann mich selbst dabei überraschen.“ Humor ist für Ursula Teurezbacher damit kein Beiwerk, sondern ein Zugang zum Leben selbst – manchmal laut und spielerisch, manchmal leise und sehr nah.


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