Kornkammer Oberösterreichs: Landwirtschaft in Linz-Land zwischen Stärke und vielen Herausforderungen
LINZ-LAND/ENNS. Hitze, ausbleibender Regen und massive Ernteausfälle setzen die Landwirtschaft im Bezirk unter Druck. Dabei reicht die Bedeutung der Region weit über die Bezirksgrenzen hinaus: Ihre Äcker liefern Lebensmittel für hunderttausende Menschen und Saatgut für kommende Ernten. Wie sich Bauern auf die Wetterextreme einstellen, zeigt der Betrieb von Johannes Gölzner in Enns.

Gut zwei Monate, gerade einmal 28 Millimeter Regen: Mit dieser Zahl macht Johannes Gruber, Obmann der Bezirksbauernkammer Linz/Linz-Land, die Dimension der Trockenheit deutlich. Zwischen 11. Juni und 15. August habe es in seiner Heimatgemeinde Niederneukirchen statt der üblichen rund 225 Millimeter nur etwa ein Achtel der normalen Niederschlagsmenge gegeben. Ausgerechnet in jener Phase, in der Mais und Sojabohnen besonders viel Wasser brauchen. Die Folgen sind auf den Feldern und in den Betriebsbilanzen spürbar. Bei Mais und Soja beziffert Gruber die Ertragseinbußen im Bezirk auf rund 50 Prozent. Bei Zuckerrüben rechnet er mit einem Minus von 25 bis 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während Getreide noch gute Erträge und hohe Qualitäten gebracht habe, traf die Dürre die später geernteten Kulturen besonders hart. Und anders als in früheren Jahren konnten sich die Bauern kaum auf günstigere Bedingungen innerhalb der Region verlassen. „Heuer war der gesamte Bezirk betroffen“, betont Gruber. Früher sei es Richtung Süden zumindest meist feuchter geworden.
Kornkammer des Landes
Warum diese Entwicklung nicht nur die Bauernfamilien betrifft, zeigt die Versorgungsleistung der Region. Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger bezeichnet sie als „unsere Kornkammer in Oberösterreich“. Die Zahlen der Bezirksbauernkammer umfassen dabei Linz-Land und Linz-Stadt gemeinsam: 889 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften rund 29.000 Hektar Nutzfläche, darunter etwa 27.350 Hektar Ackerland. Ihre Brotgetreideproduktion reicht rechnerisch für rund 566.000 Menschen – deutlich mehr als die rund 370.700 Einwohner beider Bezirke zusammen. Auch bei anderen Kulturen war das Versorgungspotenzial beträchtlich: Die Produktion des Jahres 2025 entsprach rechnerisch dem Zuckerbedarf von rund 863.000 Menschen und dem Sojabohnenbedarf von rund 954.000 Menschen. Diese Werte verdeutlichen die Bedeutung der Region, bilden aber noch nicht die Ernteverluste des heurigen Dürrejahres ab.
„Unsere Region erzeugt Lebensmittel für deutlich mehr Menschen, als hier leben“, bringt Gruber die Bedeutung auf den Punkt. Dazu kommen Rohstoffe für Mühlen, Lebensmittelverarbeiter und Stärkeindustrie. Versorgungssicherheit brauche nicht nur Getreide auf dem Feld, sondern auch Betriebe, die es verarbeiten können. Rund ein Drittel der oberösterreichischen Saatgutvermehrungsflächen liegt zudem im Kammerbezirk. Damit wird hier auch die Grundlage für Ernten andernorts geschaffen. Angesichts zunehmender Hitze gewinnen widerstandsfähigere, an die Standortbedingungen angepasste Sorten zusätzlich an Bedeutung.
Versichert ist nicht sorgenfrei
Die wirtschaftliche Belastung endet nicht bei den Ernteverlusten. Hohe Energie-, Treibstoff- und Düngerkosten stehen Produktpreisen gegenüber, die diese Kosten laut Gruber nicht ausreichend abbilden. Für die durchschnittlich gut 30 Hektar großen Betriebe sei es deshalb schwierig, allein vom klassischen Ackerbau ein ausreichendes Einkommen zu erzielen. 95 Prozent der Betriebe im Bezirk nutzen eine Dürre- beziehungsweise Dürreindexversicherung. Auf Tips-Nachfrage verweist Gruber auch auf die schmerzhaften Erfahrungen des Dürrejahres 2015 und die anschließende intensive Beratung. „Man muss sich bewusst sein: Ich brauche ein Risikomanagement.“ Doch eine Versicherung ersetzt keine ausgefallene Ernte vollständig. Auch das angekündigte Dürrehilfspaket von 240 Millionen Euro könne nur einen Teil auffangen. Zusätzliche Lücken bestehen bei Spezialkulturen, die man nicht entsprechend gegen Dürre absichern kann.
Wasser im Boden halten
Auf seinem Betrieb in Enns beschäftigt sich Gölzner intensiv damit, wie Böden trotz Wetterextremen produktiv bleiben. Als Leiter des Arbeitskreises Boden.Wasser.Schutz Enns tauscht er sich mit rund 30 Betrieben aus. Feldbegehungen, Versuche und Beratung helfen, Erfahrungen schneller nutzbar zu machen. „Man muss einfach das Ganze beobachten und schauen: Wie verhält sich mein Boden?“, sagt der Landwirt. Nach der Getreideernte reduzierte er die Bodenbearbeitung angesichts der Trockenheit stark, um möglichst wenig zusätzliche Feuchtigkeit zu verlieren. Auch bei Begrünungsmischungen passte er seine Vorgehensweise an. Wenn Pflanzen wegen der Dürre weniger wachsen, können sie weniger Stickstoff aufnehmen. Verbleibende Nährstoffe sollen durch Begrünungen gebunden und für die nächste Kultur erhalten werden, statt ins Grundwasser zu gelangen.








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