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Ennser Gemeinderat streicht NS-belasteten Ehrenbürger

David Ramaseder, 12.02.2026 11:30

ENNS. Mehr als 90 Jahre nach der Verleihung zieht die Stadt Enns einen Schlussstrich: Der Ennser Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, Josef Schicker die Ehrenbürgerschaft zu entziehen. Anlass sind aktuelle Forschungsergebnisse, die seine Rolle im Nationalsozialismus detailliert beleuchten.

Enns räumt mit seiner Geschichte auf und entzieht Josef Schicker die Ehrenbürgerschaft. (Foto: Wolfgang Simlinger)

Eine Untersuchung von Univ.-Prof. Herwig Czech kommt zu dem Schluss, dass Schicker nicht nur Mitglied der NSDAP war, sondern aktiv an zentralen NS-Verbrechen beteiligt gewesen sein soll. Genannt werden seine Mitwirkung an der „Aktion T4“, dem systematischen Mord an Menschen mit Behinderungen, sowie Beteiligungen an Zwangssterilisationen und Selektionen in der Heil- und Pflegeanstalt Gugging. Besonders schwer wiegen laut Gutachten seine Verantwortlichkeiten bei der Begutachtung und Selektion von Kindern, die später ermordet wurden.

Bürgermeister Christian Deleja-Hotko spricht von einer notwendigen Konsequenz: „Diese Erkenntnisse erfordern eine klare Haltung unserer Gemeinde.“ Die Ehrenbürgerschaft sei 1930 verliehen worden, „doch das heutige Wissen um sein Handeln macht eine Aberkennung unumgänglich“.

Mit dem Beschluss geht auch die Umbenennung der nach Schicker benannten Straße einher. Die Anrainer wurden informiert, über den neuen Namen soll in der nächsten Gemeinderatssitzung entschieden werden.

Kulturstadträtin Gabriele Käferböck betont die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit: „Erinnern heißt Zukunft gestalten und ist damit gelebte Demokratie.“ Die einstimmige Entscheidung versteht die Stadt als Zeichen gegen das Vergessen – und als Verpflichtung, historische Verantwortung ernst zu nehmen.


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