Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

KRONSTORF. Die Nutzung der Abwärme des Google-Rechenzentrums sorgt weiter für Diskussionen. Während die Grünen einen verbindlichen Plan fordern, verweisen Land OÖ und Google auf bestehende Vorgaben und laufende Möglichkeiten. Auch die Gemeinde sieht Potenzial – konkrete Lösungen stehen aber noch aus.

Das Google-Rechenzentrum bietet großes Potential für mögliche Abnehmer. (Foto: Rendering Google)
Das Google-Rechenzentrum bietet großes Potential für mögliche Abnehmer. (Foto: Rendering Google)

Mit der Ansiedlung des Google-Rechenzentrums in Kronstorf rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie die bei der Anlage entstehende Abwärme genutzt werden kann. Die Grünen fordern von Wirtschafts- und Energielandesrat Markus Achleitner (ÖVP) eine verbindliche Strategie noch vor der Inbetriebnahme. Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder (Grüne) betont: „Wenn Google in Kronstorf einen riesigen Energie-Großverbraucher baut, dann muss Oberösterreich wenigstens das Maximum für die Menschen herausholen: Wärme für Wohnungen, Schulen und Betriebe.“

Die Grünen verweisen dabei auf das Oberösterreichische Energieeffizienzgesetz. Dieses sieht vor, dass Rechenzentren mit einer Anschlussleistung von mehr als einem Megawatt Abwärme oder andere Formen der Wärmerückgewinnung nutzen müssen. Klimasprecherin Anne-Sophie Bauer fordert einen konkreten Plan, wer die Wärme künftig nutzen soll und wer die notwendige Infrastruktur errichtet. Als Beispiel nennt sie ein Google-Rechenzentrum im finnischen Hamina, dessen Abwärme einen Großteil des örtlichen Fernwärmebedarfs decken soll.

Land verweist auf Gesetz

Aus dem Büro von Landesrat Achleitner heißt es, mit dem Oö. Energieeffizienzgesetz seien die rechtlichen Rahmenbedingungen bereits geschaffen. Rechenzentren müssten ihre Abwärme nutzen, sofern eine Kosten-Nutzen-Analyse nicht belege, dass dies technisch oder wirtschaftlich nicht möglich sei. Google habe bei der Projektvorstellung erklärt, an einer Abwärmenutzung interessiert zu sein. Sobald ein geeigneter Abnehmer gefunden werde, könne die Wärme kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Das Land begleite entsprechende Projekte fachlich, etwa über den Oö. Energiesparverband, und unterstütze sie über bestehende Förderprogramme. Fern- oder Nahwärmeprojekte setze das Land jedoch nicht selbst um. Die Entwicklung konkreter Lösungen sei Aufgabe von Projektbetreibern, Gemeinden, Netzbetreibern und möglichen Abnehmern. Kronstorf habe sich bereits 2011 im Rahmen des Energie-Spar-Gemeinde-Programms mit Fragen der Abwärmenutzung beschäftigt.

Gemeinde sieht Chancen

Bürgermeister Christian Kolarik betont, dass sowohl die Gemeinde als auch Google an einer möglichst umfassenden Nutzung der Abwärme interessiert seien. Konkrete Aussagen seien allerdings erst mit fortschreitender Projektplanung möglich. Im Fokus stehen laut Kolarik drei Bereiche: Zunächst soll Google die Abwärme möglichst selbst nutzen. Darüber hinaus sei der Gemeinde von Anfang an wichtig gewesen, auch Betriebe im Gewerbegebiet einzubinden. Für einen unmittelbaren Nachbarn würden derzeit bereits die notwendigen infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen – und das noch bevor entsprechende landesrechtliche Vorgaben bestanden hätten.

Eine Nutzung über das Gewerbegebiet hinaus, etwa für Fernwärme, sei laut den beigezogenen Fachleuten aufgrund des vergleichsweise niedrigen Temperaturniveaus der Abwärme und der Entfernungen zu möglichen Abnehmern deutlich komplexer. Die Gemeinde leite dennoch laufend Vorschläge aus der Bevölkerung und von außen an Google weiter. Kolarik sieht die Rolle der Gemeinde vor allem als Impulsgeber und Vermittler, der die beteiligten Akteure zusammenbringt.

Google: Wärme kostenlos für geeignete Partner

Google erklärt, die Nutzung der Abwärme seiner Rechenzentren ernst zu nehmen. Auch die Anlage in Kronstorf werde dafür ausgelegt. Sobald ein geeigneter Partner gefunden sei, könne die Wärme kostenlos abgegeben werden. Das Unternehmen verweist auf bereits umgesetzte Projekte zur Wärmerückgewinnung sowie auf das erste externe Abwärmenutzungsprojekt im finnischen Hamina. Ziel sei es, die Abwärme überall dort zu nutzen, wo dies technisch, wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll sei.

Bürgerinitiative fordert verbindliche Lösungen

Kritik kommt unterdessen von der Bürgerinitiative Rechenzentrum Kronstorf. Sie spricht von einem „Abwärme-Bluff“ und bemängelt, dass trotz jahrelanger Vorbereitungen bis heute keine überregionale Fernwärmeinfrastruktur geschaffen wurde. Sprecher Harald Müllner fordert eine verbindliche Pflicht zur Abwärmenutzung statt bloßer Absichtserklärungen.

Außerdem äußert die Initiative Bedenken hinsichtlich der Stromversorgung, des Grundwasserverbrauchs sowie weiterer Umweltfragen. Google und das Land betonen hingegen, dass die Abwärme genutzt werden soll, sobald geeignete Abnehmer zur Verfügung stehen.

Weiterer Ausbau

Auch Landesrat Martin Winkler (SPÖ) fordert vor dem Hintergrund weiterer Ausbaupläne in Kronstorf eine „konsequente Nutzung“ der bestehenden Abwärme. Er sieht zwar in der Ansiedlung Googles „eine große Chance für unser Bundesland“, die dem Wirtschaftsstandort einen kräftigen Schub geben könne. Er fordert dafür jedoch vom Land vorausschauende Energiepolitik sowie einen raschen Ausbau der heimischen Stromerzeugung.

Landesrat Kaineder fordert mehr Transparenz für die Bevölkerung und bei Projekten dieser Größenordnung eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor einer etwaigen Genehmigung.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden