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Paradise Lost: Würdigung des österreichischen Komponisten Karl Weigl im Brucknerhaus

Valerie Himmelbauer, 22.01.2019 13:35

Linz. Eine Besonderheit wartet bei „Paradise Lost“ im Brucknerhaus: Am 27. Jänner um 11 Uhr ist die österreichische Erstaufführung der „Genesis Suite“ – eine Gemeinschaftskomposition in sieben Sätzen – zu hören. Und sogar eine europäische Erstaufführung folgt am selben Abend mit Karl Weigls „Sinfonie Nr. 5 Apocalyptic“. Thomas Sanderling dirigiert.

Dirigent Thomas SanderlingFoto: Michael Vaneev
Dirigent Thomas SanderlingFoto: Michael Vaneev

1881 in Wien geboren, von Gustav Mahler als Korrepetitor an die Wiener Hofoper geholt, erlangte der Komponist Karl Weigl in seiner Heimat relativ rasch Berühmtheit. Wilhelm Furtwängler und George Szell nahmen sich seiner Werke an, ebenso das Busch- und das Rosé-Quartett, Stars der Oper sangen seine Lieder. Doch die Machtergreifung der Nationalsozialisten setzten all dem ein jähes Ende: Seiner jüdischen Abstammung wegen musste Karl Weigl in die USA emigrieren, wo er sich vor allem als Lehrer über Wasser hielt. 1949 ist er in New York gestorben.

„Unsere Pflicht“

„Wir würdigen im Brucknerhaus einen ganz besonderen Komponisten mit zwei Konzerten. Ich sehe es als unsere Pflicht, Karl Weigls Musik zu interpretieren. Wir kommen unserer Verpflichtung nach, Personen, wie Weigl zu ehren, die ein solches Schicksal ereilt hat“, spricht der künstlerische Vorstandsdirektor der LIVA Dietmar Kerschbaum die Beweggründe für das Konzert am 27. Jänner an und betont: „Auch wenn wir wissen, dass dieses Konzert kaum ein Publikumsmagnet ist, und es schwer sein wird, das Haus zu füllen, präsentieren wir diese Konzerte aus Überzeugung und wir sehen es als unseren Bildungsauftrag, die wirtschaftliche Auslastung steht hier nicht im Vordergrund.“, sagt Kerschbaum. 

Musik in Vergessenheit geraten

Dass seine Musik nach 1945 in Europa vergessen blieb, hat vor allem damit zu tun, dass er – obwohl mit Arnold Schönberg und dessen Kreis in engem Kontakt stehend – den Schritt zur Atonalität und zur Zwölftontechnik nicht mitvollzog, sondern bis zuletzt seinem spätromantisch-expressionistischen Idiom treu blieb. Das galt nach 1945 als „rückständig“, erst in den letzten zwanzig Jahren fand diesbezüglich ein Umdenken statt.

Lob ans Brucknerhaus

„Man muss das Brucknerhaus hier wirklich loben, es ist eine Verpflichtung der großen Kulturinstitutionen, große Komponisten wie Weigl - gerade auch hier in Österreich - bekannt zu machen“, freut sich auch Dirigent Thomas Sanderling auf die Konzerte.

5. Sinfonie

Zwischen 1942 und 1945, als der Zweite Weltkrieg tobte und im Holocaust der Rassenwahn der Nazis seinen bestürzenden Höhepunkt erreichte, komponierte Karl Weigl seine 5. Sinfonie, der er den Beinamen Apokalyptische gab. Er selbst konnte diese Sinfonie nie hören, sie wurde erst am 27. Oktober 1968 in New York unter Leopold Stokowski posthum uraufgeführt. Gegenwärtig ist es vor allem der Dirigent Thomas Sanderling, der sich für Weigls Musik stark macht und im Brucknerhaus die Europäische Erstaufführung der 5. Sinfonie leitet.

Genesis-Suite

Außerdem steht die österreichische Erstaufführung der einzigartigen Genesis-Suite auf dem Programm, die Werke von sieben Komponisten, darunter so bekannte Namen wie Schönberg, Milhaud, Castelnuovo-Tedesco und Strawinski, zu einem Gesamtkunstwerk aus Musik, Sprache und Gesang verbindet. 1945 uraufgeführt, geriet diese Suite zunächst in Vergessenheit, im Jänner 2018 hat Sir Simon Rattle in London auf ihre Bedeutung aufmerksam gemacht.

Im Brucknerhaus spielt das Bruckner Orchester unter Thomas Sanderling am 27. Jänner die europäische Erstaufführung dieser klanggewaltigen „Apokalypse“.

27. Jänner - Sonntagsmatinee Sonntag, 11:00, Großer Saal, Brucknerhaus

Info: www.brucknerhaus.at

PROGRAMM

 ARNOLD SCHÖNBERG (1874–1951)NATHANIEL SHILKRET (1889–1982)ALEXANDRE TANSMAN (1897–1986)DARIUS MILHAUD (1892–1974)MARIO CASTELNUOVO-TEDESCO (1895–1968)ERNST TOCH (1887–1964)IGOR STRAVINSKIJ (1882–1971)

Genesis Suite (1943–45) [Österreichische Erstaufführung“ 

KARL WEIGL (1881-1949)Sinfonie Nr. 5 Apocalyptic (1942-45) [Eurpäische Erstaufführung“

MITWIRKENDE Nicole Heesters SprecherinFranz Grundheber Sprecher Slowakischer Philharmonischer Chor Bruckner Orchester Linz Thomas Sanderling Dirigent

26. Jänner, 19.30 Uhr:

SERENUS QUARTETT & MICHAEL KORSTICK26JANKonzerte - Kammermusik Samstag, 19:30, Mittlerer Saal


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