Bestseller-Autorin Beate Maxian: "Ich glaube was die Leser mögen, ist die Menschlichkeit meiner Figuren"
LINZ. Bestseller-Autorin Beate Maxian ist nicht nur für ihre Wien-Krimis bekannt, sondern hat mit „Die Tränen von Triest“ auch ihren dritten Familienroman veröffentlicht. Tips hat sich mit der Mitbegründerin des Krimi-Literatur-Festivals, zu dem auch die Linzer Krimitage zählen, unter anderem über ihre Arbeit unterhalten - und verlost drei Exemplare des neuen Romans.

Tips: „Die Tränen von Triest“ ist dein neuer Familienroman...
Maxian: Ja, ein Generationen-Familienroman. Es geht darum, dass Johanna ihren 33. Geburtstag feiert, da passiert etwas ganz dramatisches in ihrem Leben und dazu gesellt sich auch noch ein Anruf ihrer Mutter, dass es dem 94-jährigen Großvater sehr schlecht gehe. Sie fährt ins Krankenhaus, ihm geht's inzwischen wieder gut und er schenkt ihr zum Geburtstag eine Reise nach Triest. Genau in jenes Haus, in dem Johannas Urgroßmutter aufgewachsen ist. 1918 ging dieses Haus in die Familie Costa über, inzwischen ist es eine Frühstückspension. Sie fährt dort hin mit diesem Auftrag von ihrem Großvater: Er möchte, dass sie etwas über seinen unbekannten Vater herausfindet. Sie lernt dort die Familie Costa kennen und bekommt etwas überreicht von Simonetta Costa, das sie zurückführt in die Zeit ihrer Urgroßmutter, der Zeit der Afra von Silcredi. Der erste historische Einblick beginnt 1914, als Triest noch zu Österreich gehörte – zu Österreich-Ungarn. Hier beginnt quasi in einem historischen Einschub die Geschichte ihrer Großmutter. Da erfahren wir dann mehr von ihrem Leben in Triest und vielleicht auch über ihren Urgroßvater. Das kann ich natürlich jetzt nicht verraten… (lacht).
Tips:Wie kommt man zu so einer Idee und auf Triest?
Maxian: Ich liebe Triest. Vor allem deswegen, weil man noch immer diesen Vielvölkerstaat spürt. Egal in welche Ecke man geht: Es ist italienisch, es ist slawisch, es ist österreichisch… Triest hat ein ganz eigenes Flair. Die Idee dazu hat ich logischerweise bei einem Urlaub in Triest, das war in einer Villa. Wir waren zu 16. Da waren aber eher noch Thriller-Szenen in meinem Kopf, so Shining… (lacht). Irgendwie wars dann das aber doch nicht und ich habe mir gedacht: Nein, das bist nicht du, Beate. Und mein Mann und ich sind dann den 'Weg des Friedens' gefahren – ein Weg entlang der Isonzo-Grenze. Da sieht man wahnsinnig viel: Freilicht-Museen oder es steht auf einem Berg plötzlich eine Kanone vor dir. Das hat mich inspiriert. Dann war meine Tochter in Triest und hat dort eine wunderschöne Frühstückspension entdeckt. Rote Fassade, weiße Fenster – das war meine Villa für meine Geschichte.
Tips: Du hast dafür auch geschichtlich recherchiert?
Maxian: Ja, ich bin da sehr, sehr genau, versuche wirklich einzutauchen in die Zeit. Natürlich muss man sich das ein oder andere in einem Roman zurechtbiegen, damit es funktioniert. Aber ich bin seit Kindesbeinen an sehr interessiert an Zeitgeschichte, generell an Geschichte. Ich kann dann tagelang versinken in einer Zeit, lese stundenlang die Zeitungen, die man über die Nationalbibliothek abrufen kann und aus dem heraus filtere ich dann das eine oder andere für meine Bücher heraus. Zum Beispiel 'Österreichische Lloyd' – die Schifffahrts-Gesellschaft die damals in Triest gesessen ist. 1914 lief in der Werft in San Roco die 'Innsbruck' vom Stapel – und genau an dem Tag beginnt der historische Einschub meines Romans.
Tips:Jetzt bis du vor allem für deine Wien-Krimis rund um Protagonistin Sarah Pauli bekannt, im März erscheint der zehnte Krimi der Reihe…
Maxian: Ja, 'Der Tote im Fiaker' – da kann man dreimal raten, wo der Tote liegt (lacht).
Tips:Wie kamst du dann zum Genre Familienroman?
Maxian: Ich hatte in Wiesbaden ein Literaturstipendium, da gings auch darum, eine neue Geschichte zu entwickeln. Irgendwie waren immer vier Darstellerinnen in meinem Kopf – ich habe überlegt, einen Krimi daraus zu machen. Eine liebe Kollegin aus Köln meinte aber, diese Figuren hätten soviel Potenzial, ich solle doch einen Roman daraus machen. Und ich dachte: OK, es muss aber etwas mit der Vergangenheit zu tun haben. So ist „Die Frau im hellblauen Kleid“ entstanden. Ich habe bemerkt beim Schreiben, dass mir diese Familienroman-Geschichten genauso viel Spaß machen wie Krimis. Das Handwerk ist ja ähnlich, der Spannungsbogen - ob du jetzt ein Verbrechen aufklärst oder ein Familiengeheimnis - ist gleich. Der zweite Roman „Das Geheimnis der Schäferin“ hat dann ein wenig mit mir zu tun, mit meiner Familie, mit der Schäferei. „Die Tränen von Triest“ ist jetzt der dritte Roman, die vierte Geschichte entwickelt sich momentan schon in meinem Kopf. Ich kann auch nirgends mehr normal hinfahren – ich habe immer sofort eine Szene im Kopf! (lacht)
Tips:Zwei Bücher im Jahr – die Ideen, das Schreiben, wie geht sich das alles aus?
Maxian: Im Endeffekt ist es ein Beruf wie viele andere. Man muss sehr diszipliniert sein, man hat ja den Abgabetermin. Ich stehe in der Früh auf und bin eine halbe Stunde später am Schreibtisch. Und dann stehe ich erst wieder auf, wenn die Szene, die ich mir vorgenommen habe, fertig ist. Es ist Arbeit, man darf nicht glauben, man kann warten, bis einen die Muse küsst…. Im Durchschnitt schreibe ich sechs Stunden am Tag und ich genieße es, ich liebe diesen Job.
Tips:Und es funktioniert mit großem Erfolg…
Maxian: Das ist ja dann die Belohnung, wenn man sein erstes Buch in den Händen hält. Und wenn sich dann langsam der Erfolg einstellt, kommt natürlich der Druck dazu, auch von den Verlagen und auch von den Lesern. Es ist ein positiver Druck, du bist gefordert, aber es motiviert auch, wenn man sieht, es macht den Leuten Spaß, was du schreibst. Und darum geht es mir. Das sich die Leser gut unterhalten fühlen. Und dass sie sich entspannen, wenn sie mein Buch in die Hand nehmen und mal zwei Stunden in eine andere Welt eintauchen. Das ist auch mein Anspruch ans Lesen. Ich bin eine Viel-Leserin, ich will ein Buch nehmen, mich gut unterhalten und währenddessen entspannen. Und wenn ich das Buch zuklappe will ich mir denken: Ich freue mich schon aufs nächste Kapitel. (lacht)
Tips:Warum kommen denn deine Bücher so gut an bei den Lesern?
Maxian: Also mir hat mal eine Leserin gesagt - was ich so schön finde, gerade bei Sarah Pauli – sie hat das Gefühl, das ist jemand von nebenan, mit dem könnte man befreundet sein. Sie hat das an einer Situation festgemacht: Das erste was die Sarah Pauli, wenn sie nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt, macht, ist, sich bequeme Kleidung anzuziehen. Ich habe geantwortet: Das macht sie deshalb, weil ich das auch mache (lacht). Diese Menschlichkeit meiner Figuren – ich glaube, das ist es, was die Leute mögen. Sarah Pauli hat zwar Ecken und Kanten, aber sie ist keine einsame Wölfin, die irgendwelche Drogen-, Alkohol- oder sonstige Probleme hat. Sie ist ein ganz normaler Mensch. Das ist es auch, was mich selbst interessiert, diese – unter Anführungszeichen – Normalität, und daraus Geschichten weben. Sarah Pauli ist vielen zur Freundin geworden und das freut mich natürlich sehr.
Tips: Wie war das damals beim ersten Buch? Hattest du sofort einen Verlag?
Maxian: Nein, das ist ein sehr steiniger Weg. Ich habe mittlerweile einen Literaturagenten, der meine Manuskripte verkauft, aber das habe ich auch erst seit der Wien-Serie. Da spielen viele Komponenten mit bei der Verlagssuche. Passt das Thema gerade rein? Kann man einen Lektor begeistern? Es ist ein wenig Glück, dass genau zur richtigen Zeit das Manuskript beim richtigen Lektor liegt. Angefangen hat bei mir alles bei einem sehr kleinen oberösterreichischen Verlag, den es nicht mehr gibt. Dann ist es Step by Step gegangen. Ich war nicht der Shootingstar der von 0 auf 1 ging, sondern bin wirklich kontinuierlich den Weg gegangen. Ich bin gut dabei, meine erste Veröffentlichung war 2005, man kann sagen seit fünf Jahren bin ich ein Garant für Bestsellerlisten. Aber das ist ein langer Weg …
Tips:Du lebst in Vöcklabruck …
Maxian: Ja, aber ich brauche dieses nach Wien und nach München fahren schon sehr. Vöcklabruck ist mein Rückzugsort zum Schreiben – sonst bin ich unterwegs. Durch die ganzen Lesetouren bin ich unterwegs, der Verlag ist in München, genauso oft bin ich in Wien. Aber dann genieße ich es wieder, zurückzukommen nach Vöcklabruck und mich zurückziehen zu können, meinen Freundeskreis zu haben, wo ich noch immer die Beate von nebenan bin. Das ist so der Ausgleich. Ich bin auch eine kleine Landpomeranze – ich genieße das dann schon sehr, mit dem Kaffeehäferl im Garten zu stehen und rundherum grün zu haben.
Tips:Du bist auch Gründerin des Krimi-Literaturfestivals it dem Festival Attersee oder auch den Krimitagen Linz.
Maxian: Ja, heuer haben wir das 14. Festival. Das ist aus der Idee heraus entstanden – weil ich sehr viel in Deutschland unterwegs bin, einige meiner Kollegen mich damals angesprochen haben, Österreich sei so jungfräulich was das anbelangt. Wir haben zwar die Literaturhäuser, aber da dürfen die Krimiautoren nicht rein – 'böse Unterhaltungsliteratur.' So haben mein Mann und ich angefangen und inzwischen gibt's einige Nachfolger. Du merkst es am Publikum, das es ganz toll angenommen wird, weil die wenigsten Leser zwischen ernster Literatur und Unterhaltungsliteratur unterscheiden. Sondern sie lesen. Wenn jemand liest, dann liest er gerne und alles. Wir konzentrieren uns auf die deutschsprachige Krimi-Literatur und alles, was da Namen hat, haben wir immer wieder da. Jetzt machen wir ein wenig auf – einmal ist es ein humorvoller Roman, dann ist Zeitgeschichte dazwischen – dieser Mix wird gut angenommen beim Publikum. Die Krimitage Linz sind auch zu einer festen Kultureinrichtung geworden. Und der Wissensturm ist ja auch genial. Wir lesen jetzt immer direkt in der Bibliothek, das ist super, mitten unter 1.000en Büchern, ein Traum.
Präsentation in Linz
Beate Maxian präsentiert ihren neuen Roman „Die Tränen von Triest“ (Heyne Verlag) am Mittwoch, 15. Jänner, 19 Uhr, in der Stadtbibliothek im Wissensturm Linz. Eintritt frei. Mehr Infos zur Autorin unter www.maxian.at


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