Ein Stoff, aktueller denn je: "Nathan der Weise" im Linzer Schauspielhaus
LINZ. Landestheater-Premiere im Schauspielhaus: Mit „Nathan der Weise“ wird ein Klassiker unter der Regie von Katrin Plötner auf die Bühne gebracht. Gotthold Ephraim Lessings dramatisches Gedicht ist ein Paradestück der Aufklärung, dass nie an Aktualität verliert. Premiere wird am Samstag, 8. Februar, 19.30 Uhr, im Schauspielhaus Promenade gefeiert.

Im von den Kreuzrittern bestürmten Jerusalem leben die Anhänger dreier Religionen mehr schlecht als recht zusammen. Sultan Saladin steht im Waffenstillstand mit den Christen, deren Patriarch versucht jedoch durch unermüdliches Taktieren dessen Machtbasis zu unterhöhlen. Dabei kommt ihm entgegen, dass der Sultan eher Philosoph ist als Politiker. Insbesondere seine Finanzen hat er nicht im Griff, und hier kommt ein jüdischer Kaufmann namens Nathan ins Spiel. Der gilt als weise und vor allem: großzügig. Weshalb die Schwester Saladins auf die Idee kommt, ihn – mit etwas Nachdruck – um Kredit zu bitten. Aber auch die Christen stellen Nathan nach, weil er ein Kind verfolgter Christen bei sich aufgezogen haben soll, ohne es im Glauben zu erziehen.
„Nicht nachlassende Aktualität“
Der zeitlose Klassiker aus dem Jahr 1783 stand am Anfang der deutschsprachigen Dramatik. „Leider mit nicht nachlassender Aktualität“, so Dramaturg Andreas Erdmann. „Im Zentrum steht der Religionskonflikt, die Frage, welche Religion die richtige ist.“
Inszeniert wird „Nathan der Weise“ von Katrin Plötner. Die Berlinerin, die ihr Studium am Mozarteum Salzburg absolviert hat, hat in Linz bereits Brechts „Leben des Galilei“ und „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats“ auf die Bühne gebracht. „Es geht um den Religionskonflikt aber letztendlich um das zwischenmenschliche Zusammenleben und die Frage, wie man mit anderen, die fremd sind, umgeht“, so die Regisseurin.
In der Besetzungsliste spielen in Linz Frauen eine größere Rolle als bei Lessing. „50 Prozent der Figuren sind Frauen, wir haben es angepasst an die Gegenwart, das Stück auf 1 Stunde 50 gekürzt“, so Plötner. So gibt es die Rolle des Sultan gar nicht, stattdessen nimmt seine Schwester Sultanin Sittah diese Rolle und den Text ein.
Lessings Sprachästhetik wird nicht verändert, „einzig werden durch die Verdichtung des Textes Konfliktlinien verschärft“, so Plötner.
Buntheit des Orients auf der Bühne
Bei der Bühne- und Kostümgestaltung (Anneliese Neudecker, Henriette Müller) setzt man auf Farbe. „Das Stück spielt im Orient, wir wollen Farben, wir haben versucht, es in einer farbenfrohen, reichen Welt zu verorten. Die Kostüme sind sehr überhöht, zeitlich aber nicht verortet“, erläutert die Regisseurin, die ästhetisch eine sinnliche Umsetzung anstrebt.
Auch darf das komödiantische nicht fehlen, „ich finde gute Laune ein gutes, hilfreiches Mittel. Das Stück ist ein Ideendrama, keine Komödie, aber auch keine Tragödie.“
Bis 12. Juni am Spielplan
Zu sehen ist „Nathan der Weise“ bis 12. Juni im Schauspielhaus Linz, alle Termine und Karten: www.landestheater-linz.at


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