Neues Opernstudio präsentiert sich erstmals im "Dreimäderlhaus"
LINZ. Das OÖ. Opernstudio geht in seine dritte Auflage, sechs neue junge Sängerinnen und Sänger präsentieren sich am Sonntag, 4. Oktober erstmals im Musiktheater vor Publikum, in der Uraufführung der Neufassung der Operette „Das Dreimäderlhaus“ rund um das Liebesleben von Komponist Franz Schubert.

Es sei gar nicht so einfach gewesen, die Mitglieder für den dritten Jahrgang des Opernstudios zu finden. Nicht nur, weil es coronabedingt schwierig war, die Vorsingen durchzuführen, sondern auch, weil der männliche Sängernachwuchs – vor allem Tenor- und Bass-Stimmen immer mehr zur Mangelware würden. 380 Bewerber gab es für die sechs Plätze, davon waren nur 130 Männer und ganz wenige Kandidaten für Tenor und Bass.
„Aus den 380 Bewerbern gab es 80 Vorsingen, daraus wurden 20 nochmal auf die Bühne geholt und die nun sechs neuen Ensemble-Mitglieder ausgewählt“, erläutert Robert Holzer, Leiter des Institutes für Gesang und Musiktheater an der Bruckneruni.
Erst Anfang Juli konnte das neue Ensemble fixiert werden, und dieses ist international besetzt.
Hervorragende junge Talente
Die neuen Mitglieder - das sind die gebürtige Schweizer Sopranistin Tina Josephine Jaeger, die in Serbien geborene Mezzosopranistin Jana Markovic und die Südburgenländerin Hedwig Ritter, ebenfalls Sopran.
Bei den Herren konnte der mehrfache Deutschlandstipendiat Michael Daub (Bariton) engagiert werden, der gebürtige Pariser Grégoire Delamare (Tenor) teilt sein Leben zwischen Österreich, Deutschland und Frankreich. Der letzte im Bunde ist der talentierte Bassbariton Peter Fabig aus Ilmenau, Deutschland.
„Ich bin sehr glücklich über diese neue Mannschaft“, so Gregor Horres, „Dreimäderlhaus“-Regisseur und Opernstudio-Leiter am Landestheater.
Kooperation von Landestheater und Bruckneruni
Beim OÖ. Opernstudio handelt es sich um eine Kooperation von Landestheater Linz und Bruckneruniversität. Die Mitglieder erhalten Zwei-Jahres-Verträge, erarbeiten Produktionen am Landestheater und werden von der Bruckneruni mit einem eigenen Lehrgang begleitet. „Die Mitglieder befinden sich im Übergang von Studium zum Arbeitsleben, vier der sechs neuen Mitglieder haben bereits einen Abschluss. Ziel ist ein Festengagement an einem Theater nach Abschluss des Opernstudios“, so Holzer.
Stolz auf das gelungene Projekt ist auch Landestheater-Intendant Hermann Schneider. „Das Opernstudio hat sich seit seiner Etablierung 2016 einen Namen über die Grenzen hinaus gemacht. Das zeigen auch die Auszeichnungen für die Produktionen, die Talente gehen im Anschluss an die großen Häuser.“
Die Mitglieder bekommen zwar nur 800 Euro netto monatlich und müssen sich weitere Gagen durch Konzerte oder Gastspiele dazuverdienen, bekommen dafür aber die zusätzliche Ausbildung an der Bruckneruni mit prominenten Lehrenden wie Michael Schade, Adrian Eröd oder Helmut Deutsch. Da Gastspiele durch Corona aktuell kaum möglich seien, suche man nach neuen Wegen des Sponsorings, so Schneider.
Ein schwuler Schubert
In der Musiktheater-Blackbox wird am Sonntag, 4. Oktober die berühmte Operette „Das Dreimäderlhaus“ in einer Neufassung von Angelika Messner uraufgeführt. Generationen von Operettenfreunden ging bei Heinrich Bertés rührend-heiterem Singspiel das Herz auf, wenn sie mit dem armen Komponisten Franz Schubert mitleiden durften, als dieser genötigt wird, auf seine Liebe zu dem reizenden Hannerl zu verzichten.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Schubert die letzten Jahre hat gezeigt, dass Schubert aber wohl nicht der brave, biedere Komponist war, es gibt zahlreiche Indizien, dass er schwul war.
Olga Rudner (Musik) und Angelika Messner (Text) haben dies mit viel Witz aber auch Respekt und Einfühlungsvermögen aufgegriffen und die Operette einer Frischzellenkur verpasst. So trifft Schubert zwar immer noch auf Hannerl und ihre beiden munteren Schwestern in dem titelgebenden Dreimäderlhaus, doch die quirligen Damen sorgen am Ende dafür, dass der Komponist und sein Freund Schober (wieder) ein Paar werden.
In der Inszenierung selbst spiele es keine Rolle, „ein Liebespaar ist ein Liebespaar, die Operette ist unterhaltend, frisch und frech“, so Regisseur Gregor Horres. „Die Dialoge sind komplett neu, die Gesangsstücke möglichst originalgetreu“, so Dramaturg Christoph Blitt.
Die musikalische Leitung übernimmt Ingmar Beck, Bühne: Elisabeth Pedross, Kostüme: Renate Shuler.


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