Der russische Autor Jefim Sosulja (1891-1941) hat die Erzählung „Die Geschichte von Ak und der Menschheit“ kurz nach der Oktoberrevolution 1917 verfasst. Darin beschreibt er ein groteskes und zugleich erschreckend wahres Szenario einer Machtergreifung. Das Gremium der Höchsten Entschlussfreude und sein Anführer Ak veranlassen, dass „nutzlose Menschen“ innerhalb von 24 Stunden das Leben verlassen. Experten wie Ärzte und Psychologen sind für das Aussortieren zuständig.
In Gegenwart gebracht
Regisseurin Katrin Lindner hat das Stück im Park der Bruckner Universität in die Gegenwart gebracht. Wer hat wie viel für die Gesellschaft getan? Worin liegt der Beitrag von chronisch Kranken oder Alkoholkranken für die Gemeinschaft? Wäre es im Leben gar glücklicher oder einfacher ohne sie? Die sechs Darstelller - Rebecca Hammermüller, Leonie Jacobs, Gemma Vannuzzi, Patrick Ljuboja, Kaspar Simonischek, Nils Thomas - sind alle in Schwarz gekleidet (Kostüme: Stella Wiemann) und meist ausschließlich in der Masse zu sehen. Hinzu kommt, dass sie mehrere Rollen haben und ihre Worte immer wieder mit Musik untermalt werden, ob von klassischen Klängen von Vivaldi oder Popularmusik. Die Schauspielstudierenden bespielen wendig und mit viel Körpereinsatz Stufen. Requisiten braucht es dazu kaum, höchstens ein Fahrrad, Plakate oder eine Schüssel für ein Fußbad. Besonders gut ins Bild passen goldene Kugeln, welche die Treppen herunterrollen.
Chaos trotz Freiheit
„Die Geschichte von Ak und der Menschheit“ hält der Gesellschaft mittels Groteske einen Spiegel vor, sei es im Konkurrenz-, oder Leistungsdenken. Das kann aufgrund der Übertreibung durchaus komisch wirken, etwa wenn die Darsteller ihre Stimmen verzerren, in starken Dialekt oder auf scheinbare Banalitäten in Gesprächen wechseln. Das direkte Ansprechen der Zusehenden und Verfremdungseffekte lassen an episches Theater erinnern. Ein Mitfühlen mit den Figuren scheint nicht erwünscht.
Mitgefühl lässt sich jedoch schließlich beim Diktator erahnen, der die Geschichten der Aussortierten lieb gewinnt und die Behörden daraufhin freudige Ereignisse dokumentieren lässt. Obwohl die Menschen frei werden, haben sie fortan mit Chaos und Streitigkeiten zu kämpfen.
Das sehenswerte, zum Nachdenken anregende Stück ist noch am Samstag, 26. Juni, um 20 Uhr im Park der Anton Bruckner Privatuniversität zu sehen. Karten sind online oder vor Ort bei dem Ticket-Container am OK-Platz (bis einschließlich Samstag, 26. Juni, täglich von 9 bis 12 Uhr, 14 bis 19 Uhr, ausschließlich Barzahlung) erhältlich. Eine Karte kostet zwischen vier und sieben Euro. Für den Besuch gilt die 3G-Regel (genesen, getestet, geimpft, Anm.).
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