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LINZ. Emmy Haesele zählt zu den großen expressionistischen Zeichnerinnen – und doch wird sie meist nur im Kontext zu Alfred Kubin gezeigt. Das Lentos ändert das und zeigt aktuell eine umfassende Retrospektive der Künstlerin, die von 1894  bis 1987 lebte, darunter in Bad Aussee und zuletzt in Bad Leonfelden. Zu sehen bis 3. Oktober.

Emmy Haesele, "Homo ludens", 1962 (Foto: Privatsammlung, Niederösterreich, Foto: maschekS. 2021)
  1 / 5   Emmy Haesele, "Homo ludens", 1962 (Foto: Privatsammlung, Niederösterreich, Foto: maschekS. 2021)

Aus großbürgerlichen Wiener Verhältnissen stammend, zieht Haesele nach dem 1. Weltkrieg mit ihrem Mann, einem Arzt, nach Unken in Salzburg, beginnt im Alter von 36 Jahren zu zeichnen. Über einen Freud machte sie die Bekanntschaft mit Alfred Kubin, dem „Magier von Zwickledt“ – mit dem sie eine mehrjährige intensive Liebesbeziehung eingeht. Sie lässt sich vom Stil Kubins stark beeinflussen, später distanziert sie sich mit ihrem eigenen Stil von dessen Werk.

Haesele schuf expressive, märchenhafte, manchmal auch verstörend wirkende Bilder. Thematisch reichen ihre Arbeiten von ihrem eigenen Liebesleid und dem Tod Angehöriger über religiöse Motive bis zu Konsumismus. Das Gesamtwerk aus dem rund fünfzigjährigen Schaffen Haeseles wird auf etwa 700 Zeichnungen geschätzt.

Kuratiert von Reutner-Doneus 

Kuratiert wurde die neue Lentos-Schau von Brigitte Reutner-Doneus, die schon mit Ausstellungen über Elfriede Trautner (2011), Fanny Newald (2014) und Auguste Kronheim (2017) einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Erforschung von Frauen geleistet hatte, deren künstlichere Arbeit viel zu lange die entsprechende Wirkung verweigert wurde. „Die Ausstellung schaut auf die Künstlerin und forscht zu ihrem Werk, wir wollen die Künstlerin als eigenständige Schöpferin zeigen, nicht nur im Zusammenhang mit Kubin“, so Lentos-Direktorin Hemma Schmutz.

Fun Fact: Die Vorgänger-Institution des Lentos – die Neue Galerie – zeigte unter der Leitung von Wolfgang Gurlitt im Jahr 1948 die erste Ausstellung der Künstlerin.

Schau in sieben Kapiteln

Die Ausstellung teilt sich in sieben Kapitel. Erstmals öffentlich zu sehen sind Briefe, Fotografien, Tagebücher, Skizzen und Zeichnungen aus dem Nachlass Haeseles, die das Lentos 2020 als Schenkung erhielt. Briefe an Alfred Kubin, etwa in denen sie die Vorbereitungen zu ihrer ersten Ausstellung in der Neuen Galerie Linz bespricht, sind darunter ebenfalls zu finden. 130 Stücke sind zu sehen, auch Ausschnitte aus einer Dokumentation gibt es zu sehen.

Rahmenprogramm

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Am Donnerstag, 1. Juli findet ein Gespräch mit Zeithistorikerin Karin Schneider statt, Beginn 18.30 Uhr.

Unter dem Titel „Von Magiern, Harlekinen und Meerjungfrauen“ wartet am Sonntag, 4. Juli, 14 Uhr eine Entdeckungsreise für die ganze Familie durch die Ausstellung statt. Anmeldung erforderlich.

„Emmy Haesele – The Making of“ heißt es am Donnerstag, 8. Juli, 18.30 Uhr, mit einem Blick hinter die Kulissen der Ausstellung mit Kuratorin Brigitte Reutner-Doneus.

Am Sonntag, 22. August, 11 Uhr liest Schauspielerin Lisa Furtner aus Briefen und Tagebüchern Haeseles, Anmeldung erforderlich.

Eine neue Publikation mit zahlreichen Bildern ist ebenfalls erschienen.

 

Alle Infos, Anmeldung, Termine: www.lentos.at


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