Gerhard Haderers „Kosmos“ begeistert im Schlossmuseum
LINZ. Seit 40 Jahren geht Gerhard Haderer mit dem Blick eines Karikaturisten durch die Welt und hält der Welt schonungslos den Spiegel vor. Die OÖ Landes-Kultur GmbH widmet Haderer, der im Mai seinen 70er gefeiert hat, seit Mittwoch eine unterhaltsame Ausstellung im Schlossmuseum Linz, mit knapp 80 Werken.

Im Grunde keiner ist sicher vor der spitzen Feder Haderers. Der gebürtige Leondinger, der seine Laufbahn als selbstständiger Grafiker und Illustrator für die Werbung begann, veröffentlichte seine erste Karikatur 1985. Weit bekannt ist auch sein Comic-Projekt „MOFF“, erschienen in 36 Ausgaben bis zu Jahr 2000, 2008 startete er wieder damit. Monatlich erscheint das kleine Format in der Scherz & Schund Fabrik, immer in schwarz-weiß gehalten.
Etwa zehn Stunden braucht er für seine klassischen Farbkarikaturen. In der Ausstellung im Schlossmuseum sind Ölbilder und Grafiken zu sehen, die die vergangenen Jahre seines Schaffens zeigen.
„Ein Lusttäter“
Gerhard Haderer sei ein „Lusttäter, der sich selbst immer wieder gerne auf die Probe stellen will“, attestiert ihm OÖ Landes-Kultur GmbH Direktor Alfred Weidinger. „Eine zeitlose, intuitive Auswahl“, sei für die Ausstellung getroffen worden, von Haderer und seiner Ehefrau selbst. „Die Idee war, den Haderer-Kosmos zu zeigen, und am Ende ist das sehr, sehr gut gelungen. Es sind aus nahezu jedem Segment, in dem er tätig ist, ein Haderer zu sehen, und das macht diese Ausstellung auch sehr persönlich“, so Weidinger.
Ob Fußball, Politik, die Gesellschaft: Gnadenlos nimmt sich Haderer alles vor – sei es mit der Grafik „Flüchtlingskinder aus Lesbos werden von Ratten angeknabbert? Ach was!“ (2021/Projekt Courage), seine Arbeit „Mein schönstes Urlaubsfoto“ (2013/stern) oder „Selfie-Stick“ (2020, Öl auf Leinwand): Der Spiegel wird schonungslos vorgehalten. Herzstück der Schau ist die bekannte Grafik, in der Jesus dem Papst im Vatikan den Hintern ausklopft - das Gemälde „Messias im Vatikan“, ein großformatiges Ölbild aus 2014.
Neu für die Ausstellung entstanden sind Zeichnungen der bekannten MOFF-Figuren, die im Großformat als zweite Ebene zusätzlich die Wände zieren. Wunderbar dazu der kontrastreiche rote Boden der beiden Ausstellungsräume im Schlossmuseum.
Vermittlung und neues Buch
Im Rahmen der Ausstellung gibt es auch ein Vermittlungsangebot für Schulen, empfohlen ab 12 Jahren, buchbar von 1. bis 25. Februar 2022 – Kontakt: kulturvermittlung@ooelgk.at
Natürlich darf auch eine Publikation nicht fehlen, der Katalog zur Ausstellung mit 156 Seiten voller Grafiken, mit Interview und Zitaten ist um 24 Euro im Online-Shop der OÖ Landes-Kultur GmbH erhältlich. „Ein großartiger Katalog, ein echtes Buch“, das entstanden sei, freut sich der Karikaturist darüber.
Die sehenswerte Ausstellung ist bis 27. Februar 2022 zu sehen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden