Lentos und Nordico geben 2022 Frauen und Feminismus große Bühne
LINZ. Die Museen der Stadt Linz - Kunstmuseum Lentos und Stadtmuseum Nordico – präsentieren 2022 unter anderem Einzelausstellungen von Friedl Dicker-Brandeis oder Iris Andraschek, konzentrieren sich auch auf Feminismus. Am Dienstag wurde das Jahresprogramm präsentiert.

Das besondere Highlight für Direktorin Hemma Schmutz ist gleich die erste neue Ausstellung im Jahr 2022 im Lentos: Eine Retrospektive zu Friedl Dicker-Brandeis (1898-1944). „Sie ist in einer jüdischen Familie in Wien geboren, war Bauhaus-Schülerin. Als eine der ersten österreichischen Künstlerinnen hat sie zu Beginn des 20. Jahrhundert die Moderne rezipiert. Das faszinierende an ihrer Arbeit: die vielfältigen Produktionen in unterschiedlichen Bereichen – von Zeichnungen, Malerei, Innenarchitektur bis zur politischen Collage. Es ist uns gelungen, die Künstlerin wissenschaftlichen aufzuarbeiten und einen vollen Katalog zu machen“, zeigt sich Schmutz stolz. Die Bauhaus-Schülerin, die 1944 in Auschwitz ermordet wurde, war vor allem auch für ihre Arbeit als Kunstpädagogin im KZ Theresienstadt bekannt. Auch dieser Aspekt werde in der Schau herausgearbeitet, so Schmutz, die sicher ist, dass die Ausstellung in der Museumslandschaft „einschlagen“ werde.
Die Präsentation zu Ida Maly, die bis Ende Februar verlängert werden konnte, wird von einer Einzelausstellung zu Inge Dick abgelöst. Das fotografische und filmische Sichtbarmachen von Licht und Lichtfarbe steht im Mittelpunkt des Werks der im Salzkammergut lebenden Künstlerin und erhellt bis Mitte August das Untergeschoß. Eine umfassende Publikation mit ihrem gesamten Œuvre erscheint ebenfalls – ein Projekt anlässlich des 80. Geburtstags der Fotografin.
Erste umfassende Schau von Andraschek
Im Sommer erobert die österreichische Künstlerin Iris Andraschek den großen Lentos-Saal. Ihre Arbeiten sind geprägt vom Interesse an alltagskulturellen und sozialpolitischen Motiven. Das Lentos zeigt im Sommer 2022 die erste umfassende museale Werkschau der Künstlerin mit Arbeiten aus den letzten 35 Jahren.
Im Herbst schließlich widmet sich das Kunstmuseum Herbert und Joella Bayer. Das Lentos erhielt eine großzügige Stiftung des oberösterreichischen Künstlers. Erstmals gibt diese Ausstellung Einblicke in das gemeinsame Wirken der beiden, ihre Netzwerke und Freundschaften. „Ein Schwerpunkt wird auch sein, dass sich die Besucher selber die Grundprinzipien des Bauhauses aneignen“, verrät die Lentos-Direktorin schon jetzt.
Im Untergeschoss ist im Herbst dem ersten Direktor der Kunstschule Linz Karl Hauk eine Schau gewidmet, seine Arbeit ist auch im öffentlichen Linzer Raum sichtbar, mit der Uhr für die Tabakfabrik.
Feminismus im Nordico
Auch das Nordico verschreibt sich 2022 den Künstlerinnen. Noch bis Mai läuft die erfolgreiche Schau „Gebaut für alle“. Im Anschluss heißt es „Auftritt der Frauen. Künstlerinnen in Linz 1851–1950“. Die Schau wirft einen Blick auf rund 100 Jahre Kunstschaffen mutiger, emanzipierter Frauen. „1851 deswegen, weil da der Oberösterreichische Kunstverein gegründet wurde, das als Startschuss für die bildende Kunst in Linz zu sehen ist“, erläutert Nordico-Leiterin Andrea Bina. Und sie ist sich sicher: „Wir werden das Leben der Künstlerinnen neu festschreiben in dieser Ausstellung“.
Die logische Fortsetzung folgt im Herbst, mit der Schau „What the fem?“, die sich mit feministischen Interventionen und Positionen von 1950 bis heute auseinandersetzt. „Wir werden viel aus unserer Sammlung herausholen“, so Bina. Die Ausstellung verstehe sich als diskursiver Beitrag zu einem gesellschaftspolitischen Thema, das in der Kunst, in den sozialen Medien, aber auch spätestens mit dem Einzug von Binnen-I, Sternchen, Doppelpunkt und Begrifflichkeiten wie „Quotenfrau“, „Mansplaining“, „Femizid“, LGBTQIA+ und #metoo unübersehbar geworden ist.
„Ort der Bildung“
„Museen sind immer auch ein Ort für kulturelle Bildung, sind Bildungseinrichtungen. Das sieht man auch am Programm 2022“, unterstreicht Kultur-Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer. „Ein neues kulturpolitisches Bild für Frauen entstehen, viele Künstler gilt es neu zu entdecken, einen neuen gesellschaftlichen Diskurs anzuregen. Wenn man sich die Kunstgeschichte ansieht, wo Frauen benachteiligt wurden, haben wir hier Aufholbedarf.“
In einer Rückschau auf 2021 hebt Schmutz unter anderem die digitale Erneuerung von Lentos und Nordico mit Relaunch der Webauftritte hervor. Ein wichtiger Akzent sei die Neugestaltung des Nordico-Vorplatzes, so Bina. Im Herbst wurden 25 Bäume sowie Sträucher und Stauden gepflanzt. „Wir haben ein Habitat für Insekten geschaffen, große Teile des Vorplatzes wurden entsiegelt. Es ist eine wahre Stadtoase geworden“, schwärmt sie.
4,6 Millionen Euro Gesamtbudget 2022
Gernot Barounig, kaufmännischer Geschäftsführer, betonte die Herausforderungen durch Corona, das zweite Jahre in Folge. Kaum Städtetourismus, das Ausbleiben von Schulklassen habe getrübt, August bis Oktober seien aber erfolgreich gewesen, „das hat das Jahr halbwegs gerettet“.
Insgesamt konnten 2021 rund 40.000 Besucher verzeichnet werden (Lentos 30.000, Nordico 10.000) – 55 bis 60 Prozent eines „normalen“ Museumsjahrs. Für 2022 wird von 80 bis 85 Prozent ausgegangen. Bei den Erlösen habe es vor allem im Vermietungsbereich beinahe einen Komplettausfall gegeben. Rund 100.000 Euro oder rund 20 Prozent der budgetierten Umsatzerlöse sind entfallen. „Dank vorausschauender Planung ist das Ergebnis aber wieder ausgleichen.“
„Leider“ habe die Stadt Linz die Basisfinanzierung für 2022 um 150.000 Euro gekürzt. Dies werde voraussichtlich aber durch Sponsoring aus dem Unternehmensnetzwerk der Stadt kompensiert werden können. Kulturstadträtin Lang-Mayerhofer betont, dass diese Lücke dadurch gefüllt werde, zudem sei ein Doppelbudget 2022/23 ausverhandelt worden sei, im Jahr 2023 gebe es zusätzliches Budget, weil das Stadtmuseum Nordico 50 Jahre feiert. Der Zuschuss der Stadt Linz für das Jahr 2022 beträgt 3,9 Millionen Euro, das Gesamtbudget der Museen der Stadt Linz liegt bei 4,6 Millionen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden