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LINZ/WIEN. Der ehemalige Gesundheitsminister Rudi Anschober verarbeitet in seinem neuen Buch „Pandemia“ die schwere Zeit der Corona-Pandemie in seinem Amt und gesteht dabei auch seinen größten Fehler ein. Seine aktuelle Lesereise führt in derzeit wieder oft zurück nach Oberösterreich. In Linz ist Rudi Anschober live am 9. Mai im Posthof zu Gast.

Mit "Pandemia" auf Lesereise: Rudi Anschober (Foto: Ulrik Hölzel)
Mit "Pandemia" auf Lesereise: Rudi Anschober (Foto: Ulrik Hölzel)

Am 13. April 2021 trat Rudi Anschober als Gesundheitsminister zurück, ein Jahr später wird er als Buchautor wieder mit den Menschen in Kontakt treten. Dazwischen war er alles andere als untätig: „Zwei, drei Monate nach meinem Rücktritt hatte ich persönlich wieder genug Kraft gefunden. Ich habe rasch damit geliebäugelt, mich in Buchform mit diesen so einschneidenden eineinhalb Jahren zuvor zu beschäftigen“, verrät er Tips im Gespräch.

Roman als Bubentraum

Der Grundgedanke für sein Buchprojekt war: Wie wirken sich die heftigen Entscheidungen, die man als Politiker rasch treffen muss, auf die Betroffenen aus? „Hinter den Zahlen verbergen sich Schicksale, das kriegst du als Politiker oft gar nicht mit, wenn du Verordnungen schreibst. Deshalb war es ein großes Geschenk, dass ich Zeit hatte für Gespräche mit mehreren Hundert Personen, die alle betroffen waren, vom Spitalsmitarbeiter über Virologen bis hin zu Erkrankten“, berichtet Anschober.

Die Menschen hinter den Zahlen sichtbar zu machen, führte schließlich zu „Pandemia“: „Auch das Buchschreiben an sich musste ich erst lernen, dafür habe ich mich in der zweiten Phase lange wirklich zurückgezogen“, so der ehemalige Grün-Politiker.

Keine Abrechnung mit Kurz

Eine Abrechnung mit Ex-Kanzler Sebastian Kurz und der ÖVP, wie von vielen erwartet, ist „Pandemia“ dann doch nicht geworden: „Das Buch soll absolut keine Abrechnung sein, das interessiert auch niemanden.“ Vielmehr macht Rudi Anschober etwa einen Vorschlag, wie wir den anstehenden Herbst angehen sollten: „Es bräuchte eine gemeinsame, europaweite Vorgangsweise, das Virus macht nicht an unserer Grenze Halt, wir reagieren aber oftmals so, als wäre es eine nationale oder gar regionale Herausforderung. Wir brauchen im Herbst weniger Kleinklein und mehr bundesweite Maßnahmen. Es versteht keiner, wenn du dasselbe Virus hast und 50 Kilometer entfernt von dir jemand ganz andere Maßnahmen hat. Das zerstört ja das Vertrauen in die Politik.“

Kein Polit-Comeback geplant

Den Politiker Rudi Anschober wird es vorerst nicht mehr geben: „Mit dem Ausscheiden aus der Bundesregierung habe ich auch meine parteipolitische Karriere beendet. Das ist auch okay so. Es war eine schöne Zeit, mit vielen Erfolgen, aber jetzt ist eben ein neues Kapitel in meinem Leben angebrochen.“

Sein größter Fehler im Nachhinein? „Ich habe am 7. Jänner 2020 ein sehr großes Ressort übernommen. Dann kam die Pandemie. Ich hätte in dieser fordernden Situation hergehen und einen Teil des Ressorts einem anderen weitergeben sollen in der Regierung, das wäre möglich gewesen. Aber wir wussten eben nicht, wie lange uns das wirklich beschäftigen wird, deshalb bin ich gar nicht auf diese Idee gekommen.“

In Linz ist Rudi Anschober live am 9. Mai (Posthof) zu Gast.

Alle Termine auf www.anschober.at

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