„Alle Zeit, gestundet“: Uraufführung in der Tribüne Linz
LINZ. Schriftstellerin Ingeborg Bachmann hätte im Juni ihren 100. Geburtstag gefeiert. Ihr zu Ehren bringt die Tribüne „Alle Zeit, gestundet. Ein Brief an Ingeborg Bachmann“ von Corinna Antelmann auf die Bühne. Die Uraufführung findet am Dienstag, 7. April, statt.

Im Mittelpunkt steht Literaturprofessorin Anette. Die fast 90-Jährige begibt sich auf eine letzte Reise nach Klagenfurt, zum Grab der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. Sie weiß, dass ihr der Tod auf den Fersen ist und so beginnt sie ganz bewusst und sehr versöhnlich, Abschied zu nehmen. In einem fiktiven Brief an Bachmann erzählt sie, ihrer Vergesslichkeit trotzend, mit Humor und Scharfsinn, wie sie es geschafft hat, in ihrem langen Leben mit seinen Brüchen und Neuanfängen sie selbst zu werden.
Regisseurin Cornelia Metschitzer hüllt Antelmanns Text in eine Rahmenhandlung, in der Anettes Kinder – Bettine und Jon – diesen Brief im Nachlass ihrer Mutter finden. Beim Lesen erfahren sie in szenischen Rückblenden sowie in Film- und Tonaufnahmen vom Leben ihrer Mutter und entdecken auch unbekannte Seiten. Der Brief an Bachmann wird zum Brief an Anettes Kinder. Sie setzen sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinander, lernen zu verstehen und zu verzeihen.
Die in Ottensheim lebende Autorin Corinna Antelmann dazu: „In der Reflexion findet Anette Versöhnung mit ihrem Leben, indem sie die Momente von poetischer Schönheit einfängt, die es immer wieder gab, und entwickelt gleichzeitig die Bereitschaft, anzuerkennen und auszuhalten, wie unentwirrbar Leben und Tod miteinander verwoben sind.“
Geschichten über Frauen
Mit dem Stück setzt die Tribüne ihren Weg fort, Lebensgeschichten von Frauen auf die Bühne zu bringen. Es ist jedoch der erste zeitgenössische Text von einer Autorin. „Ich konnte mir Annettes Geschichte sofort auf unserer Bühne vorstellen“, so Metschitzer. Das Stück greift universelle Frauenthemen auf: den Spagat zwischen Familie und Beruf, die Suche nach Unabhängigkeit, das Altern und das Loslassen.
„Die weibliche Perspektive einer betagten Frau, die sich angesichts ihres nahenden Todes vor nichts mehr im Leben fürchten muss, kommt in diesem scharf- und zugleich feinsinnigen Text auf vielfältige Weise zum Ausdruck. Und damit kann Anette uns allen sehr viel sagen, auch noch nach ihrem Tod“, so die Regisseurin.


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