Engagement aus Leidenschaft
LINZ. Ina Warga war unter den Ersten, die am Linzer Hauptbahnhof den Flüchtlingen geholfen haben – und sie tut es noch immer. Unter den engagierten Helfern in der Flüchtlingskrise sind nicht nur Österreicher. Auch Asylwerber selbst engagieren sich. Einer von ihnen ist Shindar Omar.

Einige der bewegendsten Momente sind die, wenn sich eine Familie wieder findet, erzählt die ausgebildete Sozialpädagogin und psychosoziale Fachbetreuerin. In einem Fall hat ein Flüchtling nach vier Jahren seinen Bruder wiedergefunden. Nun hilft sie, dass die beiden nicht sofort wieder getrennt werden. Das passiert leichter als man denkt. „Oft würde auch ein ehrenamtlicher Anwalt gebraucht“, berichtet Ina Warga. Sie erinnert sich noch ganz genau an einen der ersten Züge, die im Linzer Hauptbahnhof ankamen: Unter einer Gruppe Männern befand sich auch ein kleiner Junge. „Ich nahm ihn fest bei der Hand, so wusste er, dass ich sicher nicht weggehen würde. Dann gaben wir ihm einen kleinen Rucksack mit einem einfachen Spielzeugauto darin – da hat er gestrahlt“, erzählt sie. Oft ist die Arbeit aber auch wirklich hart – zum Beispiel wenn ein Zug einfährt und man nur fünf Minuten Zeit hat um Lebensmittel und Medizin zu verteilen. Speziell Letzteres ist auch oft nötig. Speziell auch bei ihrem kurzen Aufenthalt an der ungarisch-serbischen Grenze hat sie erlebt wie akut die medizinische Hilfe oft benötigt wird. „Es sind Leute zusammengebrochen. Einer hatte ein Mandelentzündung die man schon mit nur einer Taschenlampe erkennen konnte“, schildert Warga. Aber auch die Flüchlinge die in Linz ankommen sind oft am Ende ihrer Kräfte und haben schon viel zu lange nichts mehr zu Essen gehabt - speziell wenn die Züge in Wien durchgefahren sind. „Es verändert dich komplett“, erzählt Warga über die freiwillige Arbeit, „es hilft, sich ein eigenes Bild zu machen und Chancen zu erkennen.“
Shindar Omar lebt zur Zeit als einer von zwölf Asylwerbern in der Pfarre Linz-St. Peter. Tagsüber lernt er Deutsch und am späten Nachmittag fährt er zum Bahnhof. Dort hilft er, wo er kann. So auch einem kleinen syrischen Jungen, als er hungrig in Linz ankam. Er bat um Essen, doch es verstand ihn niemand – Shindar konnte übersetzen. An diesem Beispiel sieht man das Übersetzter essentiell sind. Dies bestätigt auch Ina Warga, die generell die Wichtigkeit von Kommunikation unterstreicht. Doch Shindar Omar engagiert sich nicht nur als Übersetzter. Er teilt auch das wenige, das er hat mit den Neuankömmlingen: Als die syrischen Gäste in der Pfarre St. Peter eine ganze Torte geschenkt bekamen, teilen sie diese in zwölf Stücke. Auch Shindar bekam ein Stück. Er aß es nicht – er packte es zusammen mit zwei kleinen Stofftieren in seinen Rucksack und fuhr zum Bahnhof.


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